Landwirtschaft

Irritationen um Pläne für eine Mega-Hühnerfarm in Schermbeck

Dirk, Steffen und Karla Börter-Gerwin (von links) zeigen, wo sie in Gahlen eine Halle für 14 500 Bio-Legehennen errichten möchten.

Foto: Diana Roos

Dirk, Steffen und Karla Börter-Gerwin (von links) zeigen, wo sie in Gahlen eine Halle für 14 500 Bio-Legehennen errichten möchten. Foto: Diana Roos

Schermbeck.  Familie Börter-Gerwin möchte auf 60 000 Quadratmetern in Gahlen täglich 10 000 Bio-Eier produzieren. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen.

Seit einigen Tagen herrscht in Gahlen helle Aufregung. Es geht um Pläne für einen landwirtschaftlichen Betrieb riesigen Ausmaßes: Seit März 2016 liegt dem Kreis Wesel eine Bauvoranfrage für die Errichtung einer Halle für 14 500 Legehennen samt einem 60 000 Quadratmeter großem Außengelände vor. Wie Wolfgang Joormann von der Bauaufsicht weiter erläutert, sei für dieses Vorhaben keine Öffentlichkeits-Beteiligung notwendig, da die Anzahl der Hühner unter 15 000 liege.

Aus Sicht des Emissions- und des Gewässerschutzes werde die Anfrage wohl positiv beschieden, die bautechnische Prüfung der Halle sei noch nicht abgeschlossen. Er ließ aber bereits durchblicken, dass in rund einem Monat wahrscheinlich die Anfrage soweit genehmigt werde, dass der Investor den Bauantrag stellen könne.

„Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft“

Das dürfte dann vor allem den Bauherrn Dirk Börter-Gerwin freuen, der knapp 1,1 Millionen Euro auf dem Gelände neben dem Hof Hemmert-Halswick seiner Schwiegereltern an der Bruchstraße investieren will. „Ich möchte damit meinem 22-jährigen Sohn Steffen eine Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft geben“, erklärt Börter-Gerwin, der gemeinsam mit seiner Frau Karla in Velbert bereits einen sogar etwa doppelt so großen Bio-Legehennen-Betrieb führt.

Im NRZ-Gespräch erläutert er detailliert, was er in Gahlen vorhat: Er möchte eine Halle mit den Ausmaßen 30 x 60 Meter bauen, die in der Mitte sechs Meter hoch werden soll. Jedem Huhn, dessen Eier als Bio-Ei vermarktet werden dürfen, stehen vier Quadratmeter Außenfläche zu – deshalb soll hinter der Halle ein Außengelände errichtet werden, das ungefähr die Größe von 8,5 Fußballfeldern haben soll. Die 14 500 Hennen produzieren täglich rund 10 000 Eier – nach den Erfahrungen von Dirk Börter-Gerwin zu 90 Prozent morgens in den dafür vorsehenen abgedunkelten, mit Teppich ausgelegten Lege-Boxen in der Halle.

Geruch und Staub laut Betreiber "minimal"

„Erst ab 10 Uhr dürfen die Hühner ins Freie“, ergänzt der Betreiber, der sagt, die Emissionen von Geruch und Staub seinen „minimal“ und „garantiert viel geringer als von einem Kuhstall mit 100 Kühen“. Natürlich würden die vorgeschriebenen Abstände von Stall und Hühner-Auslauf zur Wohnbebauung eingehalten.

Nach gut zwei Jahren werde der Hühner-Bestand getötet und als Bio-Fleisch weiterverarbeitet, zum Beispiel für Babynahrung, konkretisiert der Betreiber. Dann werde die gesamte Anlage gesäubert, desinfiziert und ein neuer Bestand eingesetzt. Alles werde – vor allem in der Bio-Produktion – regelmäßig überprüft. „Etwa alle sechs Wochen steht irgendein Kontrolleur vor der Tür – unangemeldet. Der Verbraucher will ja geschützt werden.“

Über 20 Gahlener Anwohner sehen viele Gefahren

Zu wenig geschützt fühlen sich dagegen über 20 Gahlener Anwohner, die sich bereits zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben.

„Es ist eine völlig bescheuerte Idee, eine solche Anlage so nah am Ortskern anzusiedeln“, sagt deren Sprecher Wolfgang Grabosch. Seine Mitstreiter sprechen unter anderem von einer „optischen Katastrophe“, drohenden „Gesundheitsschäden“ und „Gefahren durch verstärkten Lkw-Verkehr“ für den Abtransport der Eier und des Hühnerkots. „Alle drei Tage holt ein Sprinter die Eier ab. Der Mist wird eingelagert und zweimal im Jahr abgefahren“, erläutert Dirk Börter-Gerwin.

Gesprochen hat mit ihm von der Bürgerinitiative allerdings noch niemand...

>>>NRZ-KLARTEXT: REDET DOCH MAL MITEINANDER!

Redenden Menschen kann gewöhnlich geholfen werden. Dieser weise Rat trifft bei der Diskussion um die Pläne für eine Farm mit 14 500 Legehennen in Gahlen wieder einmal exakt zu.

Einerseits ist es sicherlich nicht besonders clever von Seiten des Investors einen solch gigantischen und zudem völlig neuartigen landwirtschaftlichen Betrieb errichten zu wollen ohne die Anwohner mit ins Boot zu nehmen. Natürlich ist er gesetzlich nicht dazu verpflichtet, doch was dann passiert, wenn von seinen Plänen bröckchenweise etwas an die Öffentlichkeit gerät, dürfte er spätestens jetzt erkennen: Gerüchte und Verunsicherung machen sich breit in Gahlen.

Anderseits ist aber auch nicht zu verstehen, dass die Bürgerinitiative mit teils übertriebenen Behauptungen Ängste schürt und vor allem: sich noch nicht einmal direkt an den Investor wendet, um sich aus erster Hand über seine Pläne in Kenntnis setzen zu lassen.

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