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Jugendliche in Wertherbruch: Schöner Ort mit Nachholbedarf

Simone Nienhaus, Robin Langert (vorne von links), Anna Pelzer und ihr Bruder Thomas Pelzer mit Ingo Heesen (hinten von links) haben sich im Gemeindehaus getroffen und berichten aus Sicht junger Menschen in Wertherbruch.

Simone Nienhaus, Robin Langert (vorne von links), Anna Pelzer und ihr Bruder Thomas Pelzer mit Ingo Heesen (hinten von links) haben sich im Gemeindehaus getroffen und berichten aus Sicht junger Menschen in Wertherbruch.

Foto: Markus Joosten

Hamminkeln.   In Wertherbruch fühlen sie sich zu Hause. Jugendraum, Fahrradwege - an der ein oder anderen Stelle ließe sich aber etwas verbessern, finden sie.

Wenn man im Gemeindehaus von Wertherbruch auf das Display des eigenen Mobiltelefons schaut, leuchtet einem der Schriftzug „Kein Netz“ entgegen. In Sachen Mobilfunk ist das Gemeindehaus ein schwarzes Loch. „Eigentlich klappt das hier aber sonst ganz gut mit dem Empfang“, sagt die 18-jährige Simone Nienhaus. Gemeinsam mit Anna Pelzer (20), Thomas Pelzer (20), Robin Langert (21) und Ingo Heesen (21) ist sie zum Gemeindehaus gekommen, um aus Sicht der Jugendlichen etwas über das Leben im Dorf zu erzählen.

Wo beim Empfang auf dem Handy in Sachen Netz im Ort weitestgehend alles in Ordnung ist, da hapert es etwas in Sachen Internet. „In den Außenbereichen des Dorfes ist es da oft noch schwierig“, sagt Anna Pelzer. Während es im Dorfkern schon schnelles Internet über Glasfaserleitung gibt, fehlt dieses Angebot in den Außenbereichen oft. Die Alternativen sind nicht immer zuverlässig. „Manchmal kann ich nicht mal Youtube-Videos schauen“, sagt Robin Langert. „Aber ich glaube, das Thema soll in naher Zukunft angegangen werden“, ergänzt Ingo Heesen.

Jugendlichen wünschen sich Raum, den sie gestalten können

Im Gegensatz zu einem anderen Thema: ein separater Jugendraum für Wertherbruch. Den wünschen sich die fünf Jugendlichen am meisten. „Es gibt hier keinen Raum, den man kostenlos nutzen oder mal gemütlich gestalten könnte“, sagt Ingo. „Einfach mal irgendwo eine Dartscheibe oder einen Kicker hinstellen können, wäre schon schön“, ergänzt Robin Langert die Idee. „Es wäre auch schön, wenn es irgendwo regelmäßige Angebote für Jugendliche geben würde“, sagt Anna Pelzer. Denn auch, wenn das Vereinsleben im Dorf auch für junge Menschen einige Angebote parat hält, fehlen ein wenig die Aufenthaltsqualität und das Erlebnisangebot. „Wenn man etwas machen möchte, dann fährt man meistens nach Bocholt“, sagt Thomas Pelzer.

Aber auch da gibt es Hindernisse, denn wirklich schnelle Anbindung gibt es auch im öffentlichen Nahverkehr nicht. „Einige Buslinien fahren nur morgens und nachmittags zum Schulende“, erklärt Simone Nienhaus. Oftmals ist man also auf die eigenen vier Räder angewiesen – oder eben aufs Fahrrad, wenn man noch kein Auto hat. „Man kommt eigentlich überall mit dem Fahrrad hin“, sagt Simone Nienhaus. Oftmals ist eine kleine Radreise mit einer kleinen Gruppe auch ganz unterhaltsam. Doch auch da ist den Jugendlichen ein Problem aufgefallen. „Der Fahrradweg an der Mussumer Straße ist noch immer nicht fertig. Ich bin mal gespannt, wann das dann etwas wird“, sagt Ingo Heesen. Auf Bocholter Seite ist der Radweg bereits fertig, nur in Hamminkeln ist anscheinend noch nicht wirklich etwas in dieser Richtung passiert. „Das wird wieder auf Eigenengagement hinauslaufen“, sagt Robin Langert.

Starkes ehrenamtliches Engagement

Und das ist es auch, was Wertherbruch aus Sicht der Jugendlichen auszeichnet: das starke ehrenamtliche Engagement im Sportverein, bei den Pfadfindern, in den Kirchengemeinden, im Schützenverein oder in anderen Gruppen. „Ohne Ehrenamt wäre hier komplett tote Hose“, glaubt Robin Langert. „Ich schätze, es sind etwa 80 Prozent der Menschen hier irgendwo in Vereinen engagiert. Viele gleich in mehreren“, berichtet Anna Pelzer. Das fördert natürlich auch die Gemeinschaft im Dorf. „Es ist Vieles hier sehr schön und gut. Aber es gibt auch hier und da Verbesserungsbedarf“, fasst Robin Langert die Eindrücke der Jugendlichen zusammen. Aus diesem Grund kommen auch viele, die für Ausbildung oder Studium weggezogen sind, gerne wieder nach Wertherbruch zurück.

Oder zumindest würden sie das gerne, denn auch hier gibt es ein kleines Problem: „Wer hier im Ort bleiben möchte, der muss schon fast bei seinen Eltern wohnen“, sagt Simone Nienhaus. Denn es fehlen bezahlbare Wohnungen, gerade für junge Menschen. „Es gibt kaum Möglichkeiten, wieder zurückzukommen“, ergänzt Anna Pelzer. Generell sollte man, findet Ingo Heesen, die jungen Menschen in Hamminkeln ernster nehmen. „Man hat den Eindruck, dass vieles, was in der Politik getan wird, eher für die Menschen im Bereich 40 oder 50 plus gemacht wird“, sagt er. „Dabei hält man die Jugend in den Orten, wenn man für sie entsprechende Angebote schafft.“ Der geforderte Jugendraum wäre da aus Sicht der Jugendlichen ein erster Schritt, entsprechende Angebote zu schaffen.

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