Wirtschaft

Keramag investiert in modernes Werk am Standort Wesel

Die Mitglieder des Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksausschusses bekamen bei der Betriebsbesichtigung einiges zu sehen, hier den Tunnelofen.

Foto: Diana Roos

Die Mitglieder des Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksausschusses bekamen bei der Betriebsbesichtigung einiges zu sehen, hier den Tunnelofen. Foto: Diana Roos

Wesel.  Nach der Übernahme durchs Schweizer Sanitärunternehmen Geberit soll die Produktion weiter optimiert werden. Ausschuss schaute sich vor Ort um.

Das gegossene WC aus Keramik muss im nächsten Schritt komplett glasiert werden, um das Material beständig zu machen und vor einwirkenden Substanzen wie Wasser zu schützen.

Nicht nur Mitarbeiter tragen sorgfältig die Glasur auf, sondern auch ein programmierter Roboter. Ein WC-Modell steht dabei befestigt in einer Vorrichtung, umgeben von drei Wänden, so dass die Reste der flüssigen Glasur ablaufen können.

Der Roboter richtet seine Pistole aus und fängt präzise an, die Glasur auf das Modell zu spritzen: Von links nach rechts und von oben nach unten, bis der Vorgang komplett abgeschlossen ist.

Bei einer Führung durch die Produktionshallen von Keramag zeigte Plant-Manager Martin Szafarczyk die Herstellungsstufen und erläuterte zudem die Zukunftspläne von Keramag in Wesel.

Seit der Werksübernahme Anfang 2015 durch die Geberit AG, einem weltweit tätigen Konzern im Sanitärbereich mit 12 000 Mitarbeitern, strebt Keramag eine fließende Fertigung an.

Während Keramag die Kompetenzen in der Herstellung von Sanitär-Keramik besitzt, ist Geberit auf die Sanitärtechnik spezialisiert.

So soll eine nachhaltige Symbiose entstehen, sollen Produktserien verflochten werden. Zusammen mit dem Geberit-Standort Jona in der Schweiz entwickelte Keramag das multifunktionale WC Mera, das laut Keramag durch die Innenform eine besonders leise und gründliche Spülung ermöglicht.

Gebäude wurden abgerissen, u.a. eine alte Lagerhalle

„Durch die Investitionen von Geberit möchten wir hier nach und nach ein modernes Werk schaffen“, sagte Szafarczyk. Bislang wurden dafür bereits Gebäude wie eine alte Lagerhalle abgerissen, auch um eine zweite, rein industriell genutzte Zufahrt für den beschleunigten Produktionsprozess zu realisieren.

Aktuell werden Materialien über die gemischte Nutzstraße, die Abelstraße, durch das Tor auf der linken Seite des Werks gefahren, bald sollen auch Lieferungen über die rechte Seite direkt zu den Produktionshallen möglich sein.

Auch in den Fertigungshallen soll es einige Änderungen geben, abgerissene Wände für einen zusammengeführten Prozess waren erst der Anfang. Zukünftig möchte Keramag die einzelnen Schritte koppeln.

Neue Techniken will das Weseler Unternehmen anwenden: Unter anderem beabsichtigt Keramag, entstehende Abwärme energetisch zu nutzen, damit die Effizienz des Herstellungsprozesses von Sanitärkeramik erhöht wird.

Welche Stufen durchlaufen WCs oder auch Waschtische ohne Spülrand bei Keramag, bis sie fertig gestellt sind? Im ersten Abschnitt werden die keramischen Rohstoffe gemischt und zu einer gießfähigen Masse aufbereitet.

In einem ähnlichen Prozess wird die weiße Glasur hergestellt. Als nächstes werden die Arbeitsformen der Modelle mit dieser Masse befüllt, dabei wird Wasser entzogen.

Einige Zeit später kann das Rohstück, zum Beispiel WC oder Waschtisch, aus der Form genommen werden. Nach der Trocknung der Stücke tragen Mitarbeiter oder Roboter die Glasur auf.

Die glasierten Rohstücke fahren dann in einen Ofen, der diese auf 1230 Grad erhitzt und somit verfestigt.

Dadurch halten sie, so Szarfarczyk, eine Druckbelastung von knapp 750 Kilogramm aus, laut DIN sind mindestens 400 Kilogramm vorgeschrieben. Anschließend werden die fertigen Sanitär-Keramiken verpackt und versendet.

300 Mitarbeiter arbeiten in der Hansestadt

Keramag beschäftigt 300 Mitarbeiter am Standort Wesel und produziert zurzeit 167 verschiedene Modelle.

Die Firma ist auf die Herstellung von WCs und Waschtischen im mittleren und gehobenen Produktsegment spezialisiert. Insgesamt fertigt das Unternehmen knapp 460 000 Stücke pro Jahr an.


>>> LEHRE ZUM INDUSTRIEKERAMIKER IST MÖGLICH


Das Unternehmen heißt eigentlich „Keramag Keramische Werke GmbH“ und hat seinen Hauptsitz in Ratingen. Außer dem Werk in Wesel ist Haldensleben (Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt) ein weitererer Standort.

Für den Standort Wesel sucht Keramag in diesem Jahr zwei Auszubildende als Industriekeramiker. Wer interessiert an dieser Lehre ist, sollte sich unter der Mail-Adresse bewerbungen.online@keramag.de melden.

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