Wirtschaft

Kiesindustrie will mit Kommunen sprechen, auch mit Wesel

Im Kieswerk Pettenkaul in Ginderich gäbe es die gewünschten Erweiterungsmöglichkeiten.

Im Kieswerk Pettenkaul in Ginderich gäbe es die gewünschten Erweiterungsmöglichkeiten.

Foto: Markus Weißenfels

Kreis Wesel.   Die Kiesindustrie ist mit der Ausweisung von neuen Flächen im Regionalplanentwurf nicht einverstanden. Sie möchte lieber Abgrabungen erweitern.

Eigentlich sollte es eine Rohstoffkonferenz für den Kreis Wesel werden. Doch die Einladung des Baustoffverbands Vero, dem auch zahlreiche Kiesunternehmen angehören, wurde bis auf Wesel von keiner Kommune angenommen. Dabei wollten neben Vero-Hauptgeschäftsführer Raimo Benger sowie Christian Strunk von Hüls­kens und Michael Hüging-Holemans von Holemans im Welcome-Hotel gern gemeinsam mit den Bürgermeistern oder Planungsdezernenten einen Vorschlag entwickeln, der am Ende dem Regionalverband Ruhr (RVR) vorgelegt werden sollte.

Einvernehmliche Lösungen

Denn der Regionalplanentwurf entspricht in keiner Weise ihren Vorstellungen, enthält er doch komplett neue mögliche Auskiesungsbereiche, wie zum Beispiel in Wesel-Obrighoven und -Lackhausen. „Diese Flächen sind für uns uninteressant“, sagt Hüging-Holemans. Man wolle schließlich „keine neuen Betroffenheiten“. Sprich: Es soll keinen Ärger mit Anliegern geben, etwa durch den mit der Auskiesung verbundenen Lkw-Verkehr. Dort, wo momentan abgegraben werde, tue man dies in gutem Einvernehmen. Eine Erweiterung, etwa bei der Gindericher Abgrabung Pettenkaul, wäre für die Unternehmer deshalb sinnvoll. Auch die ehemalige für ein Kohlekraftwerk ausgewiesene Fläche sei ideal, so Hüging-Holemans. Dort hätte eine Auskiesung gleich mehrere Vorteile, findet er. Zum einen gebe es mehr Platz für Hochwasser, die Unternehmen könnten sich am ohnehin nötigen Deichbau beteiligen und dort seien kaum Menschen zu Hause.

„Ich fahre in jede Kommune und rede mit jedem Planungsdezernenten“, sagte Benger. Darüber hinaus werde man natürlich auch mit dem RVR sprechen.

Verlust von Kieswerken

13 Unternehmen mit 27 Kieswerken gehörten momentan der Zukunfts-Initiative Niederrhein an, erläuterte Hüging-Holemans. In den nächsten fünf Jahren würden beim momentanen Planungsstand elf wegfallen, in den darauffolgenden fünf Jahren weitere elf. Der Verlust von Arbeitsplätzen sei bereits jetzt ein Problem, genauso wie lange Genehmigungsverfahren.

Abgrabung Pettenkaul

Die Abgrabungsfirmen prognostizieren Lieferengpässe in Sachen Sand und Kies. Dabei sei man kein Bedarfswecker, sondern Bedarfsdecker. Brücken- und Straßensanierung seien nur mit Transportbeton und Asphalt möglich, Material, das zu 95 Prozent aus Kies und Sand oder gebrochenen Steinen bestehe. Und noch eine Zahl nannte Christian Strunk: Pro Person würden im Schnitt täglich 18 Kilo Sand und Kies verbraucht.

Was Wesel betrifft, ist die lokale Politik seit langem auf der Seite der Kiesindustrie. Auch sie hält nichts vom Flächenverbrauch an komplett neuen Standorten, sondern propagiert unter anderem die Erweiterung der Abgrabung Pettenkaul auf der linken Rheinseite.

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