Politik

Klimaschutz-Demo in Wesel mit Masken und Abstand

Leonie Ullmann (blaue Jacke) steht mit rund 110 Demonstranten am Freitag auf der „Fridays for Future“-Demonstration auf dem Großen Markt in Wesel.

Leonie Ullmann (blaue Jacke) steht mit rund 110 Demonstranten am Freitag auf der „Fridays for Future“-Demonstration auf dem Großen Markt in Wesel.

Foto: Erwin Pottgiesser / FFS

Mehr als 100 überwiegend junge Leute gingen auf die Straße: Erste größere Veranstaltung der „Fridays for Future“-Bewegung in Wesel seit Monaten.

Fridays for Future hieß es Freitag am frühen Abend nach vielen Monaten zum ersten Mal wieder in Wesel: Auf dem Großen Markt versammelten sich gut 100 Demonstranten mit Masken unter dem Motto „Kein Grad weiter“, um vor allem vor den globalen Folgen der Klimaerwärmung zu warnen.

Wegen der Corona-Schutzbestimmungen war alles anders, wie der 18-jährige Mitorganisator Mathis Kock berichtet: „Wir haben diesmal als Treffpunkt statt am Rathaus direkt den Großen Markt gewählt, um von dort zum Berliner Tor zu ziehen. Auf dem Markt hatten wir reichlich Platz und konnten gut Blöcke mit Kreide auf dem Boden malen, in denen dann maximal zehn Leute zusammenstehen dürfen – und Abstand zu anderen halten.“

Kock und seinen Mitstreiter ist wichtig, dass auch in Corona-Zeiten der Umweltschutz nicht in Vergessenheit gerät. Sie forderten die Regierungen zum zügigen Handeln auf.

Mathis Kock: „Im Sommer verabschiedete der Bundestag das Kohleausstiegsgesetz. Entgegen vorheriger Beteuerungen wurde aber nicht einmal der Minimalkonsens der Kohlekommission eingehalten.“

CO2-Emissionen reduzieren

Der junge Weseler sagt: „Einer der größten Kritikpunkt an dem Gesetz war die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerkes Datteln 4. Aber warum ist dieses Kraftwerk so umstritten? Uniper, der Betreiber von Datteln 4, möchte für die Datteln 4 ältere Kraftwerke vom Netz nehmen und argumentiert, dass durch die modernere Technik CO2 eingespart wird. Das ist zwar wahr, allerdings laufen die älteren Kraftwerke nicht unter Volllast. Dadurch, dass der Strom aus Datteln 4 wettbewerbsfähiger ist, wird Datteln 4 deutlich höher ausgelastet sein. Dadurch steigen auch die CO2-Emissionen. Eine Sprecherin des Bundesumweltministerium bestätigte, dass die Bundesregierung mit Mehremissionen durch Datteln 4 rechnet. Hoppela! Sagen, dass man weniger C02 verursacht, aber mehr verursachen, da muss jemand in die Mathe-Nachprüfung.“

Der 18-Jährige fuhr fort: „Nun mag vielleicht einer von euch sagen: ,Mathis. Klima hin oder her. Eigentlich habe ich ganz gerne Strom. Bestimmt brauchen wir Datteln 4 für die Energiesicherheit’. Da kann ich nur sagen: ,Nö’ – Datteln 4 sollte, die 2014 abgeschalteten Blöcke Datteln 1-3 ersetzen. Wir merken 2014 abgeschalteten Blöcke. Erinnert sich noch jemand die große Stromkrise von 2014? Nein, ich auch nicht. Offenbar geht es auch ohne Datteln 4.“

Gegen das Kraftwerk Datteln 4

Später in seiner Rede kommt er zu dem Schluss. „Datteln 4 ist also ein Kraftwerk, dessen Strom keiner will. Welches für ein Mehrausstoß von CO2 sorgt und das mit Blutkohle betrieben wird. Wer noch Zweifel hat, ob die GroKo hier sinnvoll gehandelt hat, kann sich gerne noch online unter Stoppdatteln4.de weiter informieren.“

Unter dem Motto „Kein Grad weiter“ hat Fridays for Future am Freitag an über 450 Städten in Deutschland und 3100 Orten weltweit für effektiven Klimaschutz demonstriert.

Im Rahmen des sechsten globalen Klimastreiks setzten sich auf allen Kontinenten Aktivistinnen und Aktivisten für globale Klimagerechtigkeit ein. Erste Teilnehmerzahlen: Berlin 21.000, Hamburg 16.000, Köln 10.000 und Stuttgart 9.000.

“Heute haben wir mit hunderttausenden Menschen global und coronakonform für Klimagerechtigkeit gestreikt. Am Wochenende werden unsere Freunde von Ende Gelände Kohleinfrastrukur blockieren und am Dienstag stehen wir mit den Beschäftigten des ÖPNV erneut auf der Straße für eine sozial-gerechte Mobilitätswende!“, sagt Quang Anh Paasch, Pressesprecher Fridays for Future Deutschland.

Kohleausstieg bis 2030 gefordert

Der Streik am Freitag war die erste Großdemonstration der Klimagerechtigkeits-Bewegung seit Februar 2020. Auf Grund der Covid-19-Pandemie wurde im März und April online und seit Mai wieder auf der Straße gestreikt. Um sicherstellen zu können, dass die Demonstrationen coronakonform verlaufen, wurden deutschlandweit Hygienekonzepte ausgearbeitet.

Seit 1,5 Jahren fordert die „Fridays for Future“-Bewegung international Klimagerechtigkeit im Zuge der Einhaltung des Pariser Klimaabkommes.

So appellierten die Aktivistinnen und Aktivisten auch diesen Freitag wieder an die Regierung, krisenbewusst zu handeln und den Kohleausstieg bis 2030 sowie die Klimaneutralität Deutschlands bis 2035 zu beschließen und durchzusetzen.„Trotz der Steine, die uns in den Weg gelegt worden sind, haben wir es geschafft, bundesweit sichere Demos mit tausenden Teilnehmenden auf die Beine zu stellen.

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