Kreative Weseler Frauen

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STADTENTWICKLUNG. Von Floria bis zu Dr. Inge von Bönninghausen. Zehn Porträts zieren bald die Häuser an der Sandstraße. Das vermeintlich schwache Geschlecht bewegt viel.

WESEL. Die Idee kam von der Weselerin Annemarie Hammelrath. Sie hatte zum 750-jährigen Stadtjubiläum vor 17 Jahren festgestellt, dass es in Wesel zwar 68 Straßen gibt, die nach Männern benannt sind, aber nur zwei nach Frauen. Mittlerweile sieht die Situation ein wenig anders aus. Doch zur City-Offensive "Ab in die Mitte" greifen die Frauengruppe und der Internationale Mädchentreff das Thema Frauen in Wesel erneut auf, um zu zeigen dass auch Frauen mit ihrem Wirken in der heutigen Kreisstadt Spuren hinterießen.

Dr. Inge von Bönninghausen ist eine von ihnen. Sie wurde 1938 geboren, kam 1947 mit ihren Eltern nach Wesel, wohnte erst in Lackhausen und dann am Grafenring in der Dienstwohnung des Vaters, der Oberkreisdirektor war. Sie erinnert sich genau an die Zeit, als sie von der zerstörten Martini-Kirche die Steine pickte. 1958 baute sie ihr Abitur am Mädchengymnasium, wo Elisabeth Eich Direktorin und Inge Müller-Heuser ihre Lieblingslehrerin war. Jedes Jahr trifft sich ihre Klasse, etwa alle drei Jahre ist Dr. Inge von Bönninghausen dabei. Sie war die erste Austauschschülerin, die in die amerikanische Partnerstadt Hagerstown ging, und sie weiß, dass Wesel immer kreative Frauen hatte.

Sie selbst war lange Jahre Fernsehredakteurin beim WDR, moderierte etwa Frau-TV. Sie gründete mit anderen Frauen vor gut 20 Jahren den Journalistinnenbund, war vier Jahre lang Vorsitzende des Deutschen Frauenrates. Von Bönninghausen ist die einzige noch lebende Frau, die beim Ab-in-die-Mitte-Projekt zu Ehren kommt. Ihr Porträt wurde auf Acryl gebannt und wird ab dem 12. September zusammen mit neun weiteren die Häuser der Sandstraße zieren.

Da ist Floria, eine Frau, die um 1300 lebte und zwei Beguinenhäuser gründete, eins Uppen Sande, der heutigen Sandstraße. Lutgard Amelong, die im 15. Jahrhundert wirkte, gründete die Offermann-Stiftung mit, die es noch heute gibt. Und Judith Kramers, im 17. Jahrhundert aktiv, schuf eine Privatschule, in die - obwohl sie Protestantin war - auch "die Päpstlichen ihre Kinder schickten", wie es heißt. Ida Noddack ist eine Vertreterin des 19. Jahrhunderts. Die Entdeckerin des Rheniums hatte es nicht leicht. Eigentlich durfte sie gar nicht studieren, tat es aber trotzdem und wurde sehr erfolgreich. Elfmal war sie für den Nobelpreis vorgeschlagen, elfmal vergeblich.

Die Künstlerin Eva Brinkman, die 1977 starb, kreierte beispielsweise die Trauernde Vesalia auf dem Friedhof, und Hilde Löhr, die von 1897 bis 1998 lebte, fotografierte meisterlich. Ein Porträt von ihr wurde bisher vergeblich gesucht. Eine unbekannte Trümmerfrau, die Dichterin Maria Kahle (geb. 1891) und die jüdische Galeristin Margarethe Brandenstein-Zaudy (gestorben 1930) runden die Frauenbilder ab.AB 12. SEPTEMBER Der Bauverein Wesel unterstützt die Aktion und stellt nicht nur die Hauswände zum Anbringen zur Verfügung, sondern auch das Material. Ursula Bröcheler von der Frauengruppe freut sich darüber sehr. So werden die Frauenbilder ab dem 12. September vor Ort sein. Dann startet "Ab in die Mitte". Nach der offiziellen Einweihung sollen die Acrylglasplatten mit den Porträts oder Scherenschnitten dauerhaft zu sehen sein.

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