Kommunalwahl

Kreis Wesel: Die Grünen sind die Königsmacher

Die CDU musste weniger Federn lassen als die SPD und ist nun größte Fraktion im Kreistag. Sie hofft, weiter im bisherigen Bündnis arbeiten zu können. Am Wahlabend: MdB  Sabine Weiss, Lukas Bleilevens und Frank Berger, CDU Fraktionschef im Kreistag (v.l.).

Die CDU musste weniger Federn lassen als die SPD und ist nun größte Fraktion im Kreistag. Sie hofft, weiter im bisherigen Bündnis arbeiten zu können. Am Wahlabend: MdB Sabine Weiss, Lukas Bleilevens und Frank Berger, CDU Fraktionschef im Kreistag (v.l.).

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Kreis Wesel: Der Wahlabend ist verdaut, aktuell sind die Grünen und ihre Wähler das Zünglein an der Waage. Nun beginnt das Taktieren

Die Frage, wer künftig Landrat im Kreis Wesel sein wird – Ingo Brohl (CDU) oder Peter Paic (SPD) – beantworten die Wähler erst in zwei Wochen bei der Stichwahl am Sonntag, 27. September. Zwar lag Brohl im ersten Anlauf um 5,43 Prozent vor dem Sozialdemokraten.

Doch jetzt beginnt das Werben, vor allem um die Wähler der Grünen Petra Schmidt-Niersmann: Die Dinslakenerin holte immerhin 17,55 Prozent der Stimmen. Und diese Wähler sind nun begehrt, um eine Entscheidung herbeizuführen. Ingo Brohl betonte am Wahlabend, dass er die Zusammenarbeit mit den Grünen im Kreistag fortführen wolle, sie habe sich bewährt. Und Sozialdemokrat Peter Paic blickte zuversichtlich auf die Stichwahl, hofft offenbar darauf, mehr der Grünen Stimmen für sich zu gewinnen.

CDU ist stärkste Fraktion im Kreistag geworden

Im neuen Kreistag haben sich die Verhältnisse verschoben: Waren SPD und CDU bislang gleich stark – und die SPD hatte zusätzlich die Stimme des Landrates – ist jetzt die CDU führende Fraktion mit 22 Sitzen (32,8 %), obschon auch sie drei Sitze eingebüßt hat. Die SPD hat 19 Sitze (29,67 %), sechs weniger als bislang. Gewinner des Wahlabends waren die Grünen (18,98 %), sie haben nunmehr zwölf statt sieben Kreistagsmitglieder.

Auf die Frage nach künftigen Bündnissen legt sich deren Fraktionschef Hubert Kück nicht auf das bisherige Bündnis aus CDU, Grünen und FDP/FWG fest. Klimaschutz ist für ihn der oberste Wählerauftrag an die Grünen. „Wir werden uns mit den anderen Fraktionen unterhalten und mit denen zusammenarbeiten, die uns am nächsten sind.“

Das gelte auch für die Landratskandidaten, es sei auch eine Verpflichtung der Verwaltung, in der Klimakrise aktiv zu werden, sie zu verwalten reiche nicht aus. „Ich erwarte eine gute Dynamik der Gespräche“, sagt Kück. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl gibt er nicht ab, „die Wähler sind mündig“, sagt er, „sie haben sich überlegt, wo sie ihr Kreuzchen setzen und werden das wieder tun“.

CDU-Fraktionschef sieht die Arbeit des Bündnisses honoriert

CDU-Fraktionschef Frank Berger freut sich darüber, dass seine Partei die stärkste Fraktion stellt, obschon mit weniger Sitzen. Im Wahlergebnis – die Grünen haben gewonnen, FDP und FWG auch – sieht er die Arbeit des Jamaika-Bündnisses durch die Wähler bestätigt. „Die Dinge, die wir angepackt haben, sind bemerkt worden.“ Nach dem Motto „Never chance a winning Team“ würde er gern daran anknüpfen, auch wenn mit den deutlich stärkeren Grünen nun eine andere Statik vorhanden sei.

Die SPD, nunmehr zweitstärkste Fraktion, muss sich Verbündete suchen. „Wir sind offen, in der Sache mit allen demokratischen Parteien und Fraktionen zusammenzuarbeiten“, sagt Fraktionschef Gerd Drüten, „die AfD würde ich dabei aber ausschließen“. Für den SPD-Landratskandidat ist Drüten optimistisch mit Blick auf die grünen Stimmen, „beim Kiesabbau und im Umweltschutz gibt es viele Überschneidungen“.

Mit FDP und AfD gibt es zwei neue Fraktionen im Kreistag

Die FDP (5,49 %) konnte sich – wie die AfD (5,6 %) – von zwei auf vier Sitze im Kreistag verbessern, beide können somit eine eigene Fraktion bilden. Und auch die Freie Wählergemeinschaft (2,81 %) hat einen Kopf dazugewonnen, ist mit zwei Mandaten vertreten, schafft es aber nicht zur eigenen Fraktion.

Einzig bei den Linken (4,13 %) hat sich nichts bewegt, sie haben ihre drei Sitze im Kreistag halten können, die Enttäuschung stand Fraktionschef Sascha Wagner aber ins Gesicht geschrieben.

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