Kommunalpolitik

Kreis Wesel: Frauen sind in den Räten in der Minderheit

Auch im Stadtrat von Wesel sitzen deutlich mehr Männer als Frauen.

Auch im Stadtrat von Wesel sitzen deutlich mehr Männer als Frauen.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Wesel beklagen den geringen Frauenanteil in den Stadt- und Gemeinderäten. Der liegt bei rund 25 Prozent.

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Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Wesel schlagen Alarm: Obwohl Frauen 51 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung stellen, sind sie gemessen daran in den Stadt- und Gemeinderäten sowie im Kreistag unterrepräsentiert. So liegt der Frauenanteil in den Räten im Kreis Wesel bei rund 25 Prozent, auch im Kreistag nur leicht darüber.

Es gibt aber auch positive Beispiele – wie den Stadtrat Moers als Spitzenreiter mit einem Frauenanteil von 39 Prozent oder Hamminkeln mit immerhin 32 Prozent. Schlusslicht im Ranking ist der Dinslakener Rat mit 13 Prozent. Dass die Interessen und Belange von Frauen nicht repräsentiert oder gar durchgesetzt werden können, liege auf der Hand, beklagt der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Wesel. Die Forderung ist klar: Mehr Frauen in die Räte! Die Gleichstellungsbeauftragten schließen sich damit der Forderung des Deutschen Frauenrates an, der dieses Ziel auf Bundesebene verfolgt.

Mehr Frauen auf die Wahllisten

Speziell vor dem Hintergrund der Kommunalwahl am 13. September 2020 wünschen sich die Gleichstellungsbeauftragten mehr Frauen auf den Wahllisten. „Wir finden“, so Petra Hommers, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Wesel, „dass auf diesen Wahllisten an aussichtsreichen Stellen mindestens ebenso viele Frauen nominiert werden müssen, wie Männer.“

Die Unterrepräsentanz von Frauen widerspräche dem Demokratiekonzept, das eine gleichberechtigte Teilhabe aller und somit auch effektive Einflussnahme voraussetze. „Die oft zu hörende Aussage, es gibt keine oder nur wenige Frauen, die sich zur Wahl stellen, können wir nicht nachvollziehen“, so Hommers. Stattdessen fordere man die Parteien im Kreis auf, die Listen und Wahlkreise bei der anstehenden Kommunalwahl paritätisch wechselweise mit Frauen und Männern zu besetzen. Eine entsprechende E-Card wird an die Parteien im Kreis versendet.

Grüne sind das Vorbild

Die Politik braucht mehr Frauen – betonen auch die Kreisgrünen und begrüßen die Kampagne der Gleichstellungsbeauftragten. „Wir sind eine feministische Partei und stolz darauf“, sagt Kreisgeschäftsführer Manfred Schramm. Die Zahlen auch aus den hiesigen Kommunen bestätigen die ausgewogene Besetzung: In den Räten von Wesel und Hamminkeln gibt es jeweils zwei Frauen und zwei Männer, in Hünxe sitzen eine Frau und ein Mann für die Grünen im Rat, in Schermbeck gibt es mit 2:1 sogar ein Frauenübergewicht. Die Wahllisten der Grünen würden grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern besetzt. Rats- und Kreistagsarbeit mit Frauen sei vollwertiger, ausgewogener und erfolgversprechender.

Jürgen Linz, Fraktionschef der CDU in Wesel, sieht aber gerade darin die Krux. „Es bewerben sich weniger Frauen – das ist einfach so. Gründe dafür liegen wohl in erster Linie in den familiären Verpflichtungen.“ Was keineswegs heißen soll, dass man nicht die Absicht verfolge, Frauen auf dem Weg in die Politik zu unterstützen. „Jeder hat die gleichen Chancen – und wenn Frauen ihr Interesse signalisieren, begrüßen wir das.“ Ohnehin gäbe es zu diesem Thema schon gute Nachrichten: 2020 wollen sich zwei Frauen um ein Ratsmandat der CDU bewerben.

Überalterung ist ebenfalls ein Problem

Bei der Hamminkelner SPD ist Marion van der Linde allein auf weiter Flur – gegenüber acht Männern. „Ich hätte auch gerne ein anderes Verhältnis, kann mir aber niemanden stricken“, sagt Fraktionschef Jörg Adams. Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels: Für den Kommunalwahlkampf im kommenden Jahr haben drei Frauen ihr Interesse bekundet. Neben familiären Verpflichtungen vermutet Adams auch eine Scheu vor der parlamentarischen Arbeit. Was die Mitgliederzahl betrifft sähe es nämlich deutlich besser aus bei der Hamminkelner SPD.

Gering ist die Frauenquote auch bei der CDU im Schermbecker Rat mit 19 Prozent. „Das allgemeine Interesse ist überschaubar“, gibt Fraktionschef Klaus Schetter offen zu. Doch neben der geringen Frauenquote ist die Überalterung ein mindestens gleichbedeutendes Problem. Deshalb versuche man derzeit speziell jüngere Leute für die politische Mitarbeit zu begeistern. „In meiner Jugendzeit hat man noch versucht, alles unter einen Hut zu bekommen“, betont Klaus Schetter.

Doch heute sei die Wertigkeit eine andere. „Freizeit und Familie sind wichtiger geworden.“ Man mache schon mal bei der einen oder anderen Aktion mit, doch sich auf Dauer zu engagieren sei aus der Mode gekommen. „Das war schon mal anders.“

Gemischte Struktur hat Vorteile

Ausschließlich Männer sitzen für die Engagierten Bürger Hünxe im Gemeinderat. Ein Patentrezept, wie man das ändern könnte, hat auch Fraktionschef Ralf Lange nicht. „Wirklich schwierig zu erklären, woran das liegt.“ Man versuche immer wieder, mögliche Kandidatinnen anzusprechen, doch stoße man hier eher auf Zurückhaltung. Dabei wisse Ralf Lange aus seiner Arbeit als Vorsitzender des STV Hünxe, welche Vorteile eine gemischte Struktur habe: „Die Arbeit wird kreativer und zielführender.“

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