Corona-Auswirkungen

Trotz Corona: Im Kreis Wesel wird immer noch viel geheiratet

Aus dem Trauzimmer im Weseler Rathaus ist ein dringend benötigter Besprechungsraum geworden.

Aus dem Trauzimmer im Weseler Rathaus ist ein dringend benötigter Besprechungsraum geworden.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Corona hat massive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. Wir haben in den Rathäusern in Wesel, Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck nachgefragt.

Corona hat zwar vieles durcheinander gebracht, doch geheiratet wird nach wie vor, wenngleich in einigen Kommunen auch weniger Trauungen zu verzeichnen sind als im Vorjahr.

In Wesel gibt es momentan nur die Möglichkeit im Trauzimmer der Musik- und Kunstschule Ja zu sagen. Denn der dafür im Rathaus vorgesehene Raum wird für Besprechungen mit Abstand genutzt. Der Blumenschmuck ist beiseite geschoben, der Teppich mit Folie abgeklebt, damit er nach Corona noch genauso schön aussieht wie bislang. Trauten sich von Anfang April bis Ende September 2019 noch 105 Paare, waren es in diesem Jahr im selben Zeitraum nur 84.

„Doch die Zahl der Anfragen beziehungsweise Beratungen zu Hochzeiten oder anderen Feiern haben um ein Vielfaches zugenommen“, sagt Swen Coralic, der bei der Stadt Wesel für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Zuletzt hatte es Fragen nach Geburtstagsfeiern und Veranstaltungen so gut wie gar nicht gegeben. Jetzt würden solche Fragen täglich gestellt.

22 Menschen im Trauzimmer von Schloss Ringenberg

In Hamminkeln trauen sich die Verliebten auch in Coronazeiten. Die Zahl der Trauungen ging nur geringfügig zurück. Von Beginn der Pandemie bis zum 14. Oktober haben sich 157 Pärchen das Ja-Wort geben, im Vorjahreszeitraum waren es 170. Zwar hätten einige ihre Trauung verschoben oder abgesagt, doch sie waren deutlich in der Minderheit, heißt es aus dem Standesamt. Zurzeit dürfen 21 Menschen plus ein Fotograf ohne Sitzplatz in das Trauzimmer im Ringenberger Schloss.

Ob das so bleiben wird, weiß angesichts der aktuellen Entwicklung niemand. Im Schlosshof dürfen mittlerweile auch wieder Sektempfänge organisiert werden, an denen bis zu 50 Menschen teilnehmen können. Im Schloss selbst ist dies verboten. Die Standesbeamten stehen bei den Trauungen hinter einem Spuckschutz, so dass sie - ebenso wie die Gäste - während der Trauung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Der muss nur auf dem Weg zum Platz aufgesetzt werden.

Außerdem finden zurzeit Vorgespräche vor der Hochzeit vermehrt telefonisch und schriftlich statt, um kontaktarm zu kommunizieren. Getraut wird in Hamminkeln nicht nur im Schloss Ringenberg, sondern auch bei Kloster-Kraul in Wertherbruch, bei Ridder in Dingden und im Marienthaler Gasthof.

Trauung mit vier Personen

In Hünxe geben sich Paare in diesem Jahr ähnlich oft das Ja-Wort wie im vergangenen, berichtet Hauptamtsleiter Klaus Stratenwerth. Im Jahr 2019 gab es 112 standesamtliche Hochzeiten, im Corona-Jahr 2020 liegt die Zahl bereits bei 90 Trauungen. „Weitere 15 stehen auf dem Plan und erfahrungsgemäß kommen auch noch ein paar weitere hinzu“, ergänzt Stratenwerth.

Im Trauzimmer des Rathauses sind zusätzlich zum Brautpaar aktuell zehn Personen zugelassen. Im Schloss Gartrop, wo ebenfalls standesamtliche Hochzeiten abgehalten werden, ist deutlich mehr Platz – dort dürfen neben dem Brautpaar zurzeit weitere 20 Gäste der Zeremonie beiwohnen. „Die zugelassenen Personenzahlen können sich aber auch schnell ändern – das Ganze ist ein sehr dynamischer Prozess“, erklärte Stratenwerth.

Maskenpflicht auch auf den Fluren

Er berichtet, dass im Frühjahr direkt nach dem Lockdown bei einer Hochzeit neben dem Brautpaar sogar nur zwei Personen – die beiden Trauzeugen – anwesend waren.

Im Rathaus versucht man ebenfalls, nicht unbedingt notwendige Kontakte zu vermeiden – Termine müssen im Vorfeld angemeldet werden. Und seit Freitag gilt auch auf den Fluren strenge Maskenpflicht – für Personal und ebenfalls für alle Besucher.

Noch insgesamt neun Hochzeiten – davon zwei in etwas größerem Rahmen sind in Schermbeck angemeldet. „Allerdings haben wir in der Corona-Zeit doch einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen“, berichtet Gerd Abelt, Stellvertreter des Bürgermeisters. „Viele Hochzeiten sind ins nächste Jahr verlegt worden.“ Sie fanden hauptsächlich im Confideum des Landhotels Voshövel und in der ehemaligen reformierten Kirche statt – im kleinen Traumzimmer im Rathaus so gut wie keine.

In der Verwaltung wurde die gut 70-köpfige Besetzung nach dem Lockdown langsam wieder hochgefahren. „Nur noch vereinzelt sind Mitarbeiter im Homeoffice“, so Abelt. Das Rathaus ist zwar weiterhin geschlossen, „doch alle notwendigen Leistungen können erbracht werden“, wie Abelt versichert. „Und bislang klappt alles gut.“

Enorme Herausforderungen

Das bestätigt auch Swen Coralic von der Stadt Wesel. „Die Verwaltung hat den Anspruch, alle Dienstleistungen weiterhin anzubieten“, sagt er. Durch interne Regelungen wurde der Telefondienst aufgestockt. Zudem gab es im Ordnungsamt personelle Anpassungen.

Eine enorme Herausforderung sei die Beschaffung von Tablets und Druckern für Kinder und Jugendliche gewesen, die Unterstützung aus dem Fonds „Wesel für Kinder“ benötigten. Mit den Mitteln wurden Geräte, die das Home-Schooling ermöglichen, angeschafft.

Durch viele Erlasse und Änderungen der Corona-Schutzverordnung seien viele, zu Beginn der Krise täglich stattfindende Sitzungen des Krisenstabs notwendig. Bis heute treffe sich der Krisenstab mindestens einmal wöchentlich. So könne gewährleistet werden, dass alle auf einem Stand sind. Auch die Politik sei von Anfang an in die Entscheidungen involviert worden. Jede Woche hätten Sonderbesprechungen der Fraktionsvorsitzenden als Telefonkonferenzen stattgefunden. Denn als Rats- und Ausschusssitzungen nicht liefen, mussten Beschlüsse per Dringlichkeitsentscheidung getroffen werden.

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