Artenschutz

Kreis Wesel: Gutachten soll Sicherheit für Seeadler bringen

EIn junger Seeadler von der Bislicher Insel auf Streifzug.

EIn junger Seeadler von der Bislicher Insel auf Streifzug.

Foto: wolfgang Charles / Naturforum Bislicher Insel

Kreis Wesel.  Auf der Bislicher Insel in Xanten brütet NRWs einziges Seeadlerpaar. Ein Gutachten soll klären, ob die Windräder eine Gefahr für die Vögel ist.

Seit 2016 brütet ein Seeadlerpaar auf der Bislicher Insel in Xanten, für Naturschützer eine Sensation. Es ist das erste Brutpaar seit 200 Jahren und bislang das einzige in NRW. Sechs Jungtiere haben die international streng geschützten Tiere inzwischen aufgezogen.

Wie berichtet, will ein Windenergiebetreiber ein neues Windrad in Wesel -Büderich in der Nähe des Menzelener Sees bauen. Nun geht es nicht mehr um die neue Anlage, auch die vier bereits genehmigten geraten in den Fokus des Kreises.

Kreis Wesel sieht dringenden Handlungsbedarf zum Schutz der Vögel

Auch die legal betriebenen Anlagen in Büderich und Borth könnten den Seeadlern gefährlich werden. Ein Fachgutachten für rund 150.000 Euro soll nun klären, ob die seltenen Raubvögel gefährdet oder auch nur gestört werden. Falls ja, müssten die Windradbetreiber mit Einschränkungen rechnen.

Dass sie schon da waren, bevor die Adler sich auf der Bislicher Insel niederließen und zur Touristenattraktion wurden, hilft ihnen nicht, der Kreis habe keinen Ermessensspielraum und sieht nun dringenden Handlungsbedarf, ja eine Handlungspflicht.

Seeadler reagieren sensibel auf ihren Lebensraum und sie sind nicht in der Lage, die Roterenbewegungen der Windkraftanlage zu erkennen – zumindest nicht rechtzeitig. Weil es nur wenige Seeadler in Deutschland gibt ist die Art bezoben auf ihre Populationsgröße die am häufigsten an Windenergieanlagen verunglückende Vogelart überhaupt, so die Verwaltung in ihrer Vorlage zum Umwelt- und Planungsausschuss.

Bis zu 14 Kilometer im Radius umfasst sein Jagdrevier

Und die Raubvögel haben einen riesigen Radius rund um ihr Nest: Bis zu 14 Kilometer entfernen sie sich davon, um auf Nahrungssuche zu gehen.

Das seit Dezember 2000 laufende Windrad Meerfeld ist 90 Meter hoch und steht rund 5,3 Kilometer vom Adlerhorst entfernt, ein weiteres in Borth aus dem Jahr 2015 ist 15 Meter hoch und knapp 5,62 Kilometer entfernt. Zwei Büdericher Räder aus 2011, beide 150 Meter hoch, sind 4,8 und 5,1 Kilometer entfernt.

Die Untere Naturschutzbehörde sieht sich nun gezwungen, eine sogenannte Seeadler-Raumnutzungsanalyse zur Ermittlung der Flugkorridore in Auftrag zu geben. Das sehen Landesbehörde und Bezirksregierung genauso.


Fachleute suchen die Flugrouten der streng geschützten Vögel

Fachleute sollen verlässliche Ergebnisse darüber liefern, welche Strecken und Trassen die Adler nutzen. Eine Kartierungsarbeit und Analyse von sehr hoher Qualität durch ein Seeadler-Expertenteam fordert das Lanuv – Erfahrung damit hat man in Schleswig-Holstein. Danach müssen drei Fachleute über ein ganzes Jahr 70 Kontrollgänge zu je acht Stunden absolvieren. Ihre Ergebnisse fließen dann ein Fachgutachten ein.

Am Ende wird zu entscheiden sein, ob die Betriebszeiten der Windräder eingeschränkt werden.

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