Corona

Corona im Kreis Wesel: So sieht die Verwaltung die Situation

Schutzmasken gehören in der Coronakrise zum Alltag – auch im Kreis Wesel.

Schutzmasken gehören in der Coronakrise zum Alltag – auch im Kreis Wesel.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Die Neuinfektionen gehen zurück, immer mehr Menschen sind genesen. „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, betont das Gesundheitsamt dennoch.

Weniger Neuinfektionen, immer mehr Menschen sind genesen – doch wie schätzt die Verwaltung die derzeitige Corona-Lage im Kreis Wesel ein? Im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz äußerte sich Michael Maas am Mittwoch zur derzeitigen Situation. Maas ist Mitglied des Krisenstabs und im Kreis-Vorstand für das Gesundheitsamt zuständig.

Im Kreis Wesel sind seit dem Ausbruch der Pandemie 25 Menschen „mit, aber nicht zwingend an Corona gestorben“, so Maas, im Schnitt 81 Jahre alt, das jüngste Opfer war 63. Insgesamt gibt es 635 Fälle, 547 Personen sind genesen (Stand vom 5. Juni, lesen Sie hier die aktuellen Corona-Zahlen nach)

Für das Kreisgesundheitsamt war die Corona-Pandemie eine Herausforderung, und sie wird es bleiben. Dass ihr Ausbruch im Kreis Wesel bislang vergleichsweise glimpflich ablief, schreibt Maas dem Verdienst der Menschen zu, die sich weitgehend an die Einschränkungen hielten. Ob sie das weiter tun werden, wenn neue Lockerungen kommen, bezweifelt er: „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, wiederholt er seine häufig geäußerte Warnung.

Keine Corona-Infizierten in den Fleischbetrieben im Kreis Wesel

Inzwischen sind 14 Fleisch verarbeitende Betriebe mit zusammen 500 Mitarbeitern – von drei bis 300 – getestet worden, „es gab keinen positiven Fall“, so Maas. Als Grund dafür nennt er, dass es im Kreis Wesel keine Sammelunterkünfte gebe. Nicht die Art der Industrie sondern die Art der Unterkünfte und der Transportwege seien Ursache für die Ansteckungsgefahr. Es werde künftig nicht mehr branchenbezogen, sondern in vergleichbaren Situationen – Sammelunterkünfte, Verdachtsfälle, Hygienemängel – zusammen mit den Ordnungsämtern getestet.

Gezielt wolle man nun vorgehen, keine flächendeckenden Tests mehr machen. So würden auch die dezentralen Einrichtungen, in denen getestet wird, in Kürze nicht mehr gebraucht, so Maas, die Menschen fragten sie kaum noch nach. Nötig sind Kräfte, die bei Verdachtsfällen schnell vor Ort agieren können – wenn nötig in Pflegeheimen, in Unternehmen und anderswo.

Erntehelfer sind kein Problem, weil kontrolliert eingereist

Die Landwirtschaft mit ihren Saisonkräften bereitet Maas keine Sorgen: Die seien kontrolliert eingereist, bereits in ihren Heimatländern untersucht worden. „Im Kreis Wesel gibt es keine positiven Tests und keine Verdachtsmomente.“ Und obwohl die Erntehelfer häufig in Gemeinschaftsunterkünften leben, stelle das Gesundheitsamt einen gewissenhaften Umgang mit den Hygienevorschriften fest.

Sorgen hingegen bereiten hingegen Prostituierte aus Südwesteuropa, die wie die Arbeiter in der Fleischindustrie, erkrankt von A nach B zu verschiedenen Einsatzorten transportiert würden, häufig von den gleichen Unternehmen und weder untersucht, noch kontrolliert werden.

Kreisgesundheitsverwaltung zwischenzeitlich an der Grenze der Belastbarkeit

Für die rund 90 Mitarbeiter in der Gesundheitsverwaltung waren die vergangenen Wochen hart. Zum Teil sei die Belegschaft überaltert, gehöre daher selbst zur Risikogruppe und könne nicht überall eingesetzt werden. Seit Dezember ist die Stelle der Leitung vakant, seit April die stellvertretende Leitung erkrankt. Maas berichtet von zahlreichen Überstunden, einer Urlaubssperre, von Doppelschichten sieben Tage die Woche in der ersten Zeit., vor allem in der so wichtigen Verfolgung der Kontakte von Infizierten.

Der Krankenstand sei angestiegen, auch aus Erschöpfung, berichtete Maas. Große Unterstützung kam von Mitarbeitern anderer Fachdienste: Sie beantworteten beispielsweise die vielen Fragen an der Hotline. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen stellte Personal zur Verfügung, Ärzte sprangen ehrenamtlich ein und Medizinstudenten ebenfalls.

Kontaktverfolger anlernen und einen Pool bilden, auf den zurückgegriffen werden kann

90 Mitarbeiter hat die Untere Gesundheitsbehörde, 150 wären im Ernstfall nötig, um sehr schnell die im Schnitt fünf Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen. Nach den Lockerungen aber gehe man davon aus, dass jeder Mensch deutlich mehr Kontakte haben werde.

Nach und nach werde ein Pool angelernter Kontaktverfolger aufgebaut – allerdings liegen die eigentlichen Aufgaben, wie die Schuleingangsuntersuchung, derzeit auf Eis, was nicht gut sein könne. Und wie es weiter geht, wenn Schulen und Kitas komplett öffnen, bereitet Sorgen.

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