Rettungseinsätze

Kreis Wesel: Immer mehr Gaffer behindern die Feuerwehr

Viele halten es für ihr gutes Recht, zu fotografieren und zu filmen. Symbolbild (Montage).

Viele halten es für ihr gutes Recht, zu fotografieren und zu filmen. Symbolbild (Montage).

Foto: Getty Images / DPA

Übergriffe auf Rettungskräfte, wie beim Brand in Hamminkeln, sind eine neue Dimension. Gaffer sind für die Feuerwehren aber ein riesiges Problem.

Kreis Wesel. Dass jemand während eines Brandeinsatzes Feuerwehrleuten den Schlauch wegschlägt, wie in der Nacht zu Sonntag in Hamminkeln beim Brand eines „Saunaclubs“ geschehen, ist so zuvor nicht da gewesen. Dennoch lässt sich eine gewisse wachsende Respektlosigkeit gegenüber den Rettern festmachen, die in den vergangenen Jahren immer stärker geworden ist.

Christoph Hegering, stellvertretender Feuerwehrchef in Wesel, benennt in erster Linie den Rettungsdienst. „Es ist unser Ziel, die Würde des Patienten zu wahren“, sagt er. Das sei vor allem bei nächtlichen Einsätzen, am Kornmarkt Wesel etwa, schwer durchzusetzen. „Wir haben Probleme, Platz zu schaffen.“

Menschenwürde gilt auch wenn jemand tot oder bewusstlos ist

Die Leute wollen alles mitbekommen. Und alles mit dem Handy fotografieren, ganz so als wäre das ihr gutes Recht. Da fällt auch mal ein Schimpfwort. Michael Wolbring, Hamminkelns Feuerwehrchef: „Im Einsatz sind heute 200 Objektive auf Sie gerichtet. Die Leute stellen sich auf erhöhte Plätze, um alles mitzubekommen.“

Für ihn sei die Menschenwürde oberstes Schutzziel. „Sie gilt auch, wenn jemand tot oder bewusstlos ist.“ Nicht für die knipsenden Gaffer. „Es ist ein großes Problem, dass Angehörige häufig über die sozialen Medien bereits Bilder gesehen haben, gepaart mit Mutmaßungen.“ Bei einem Feuer in Bocholt in den vergangenen Tagen seien die ersten Fotos im Netz gewesen, noch bevor die Einsatzkräfte vor Ort waren.

„Es ist eine Verwandlung in der Gesellschaft. Früher, wenn die Sirenen gingen, wusste man im Ort dass etwas Schlimmes geschehen ist.“ Heute sei es nur der Anlass, um ungeniert zu knipsen. „Wenn wir Kräfte abstellen müssen, um Sichtschutz aufzubauen, dann stimmt etwas nicht“, sagt Wolbring, der bei dieser Gelegenheit schon den ein oder anderen Stinkefinger gesehen hat.

Manchmal helfen nur noch Platzverweise

„Es werden gefühlte Grenzen überschritten, die früher selbstverständlich waren.“ Feuerwehrleute können Platzverweise aussprechen. Mitunter tun sie das auch – wenn jemand immer wieder ins brennende Haus rennen will, um etwas herauszuholen beispielsweise.

Oder wenn, wie am Wochenende in Hamminkeln, alle Leute auf der dicht verrauchten Straße stehen wo weitere Einsatzautos erwartet werden. „Feuerwehrfahrzeuge sind dazu da, Menschen zu retten, nicht sie zu verletzen.“ Wolbrings Fazit: „Wir wissen noch nicht, wie wir dieser Veränderung der Gesellschaft begegnen sollen.“

Mehr Respekt auf dem Land

In Schermbeck sei man bislang zum Glück verschont geblieben, „die Schwierigkeiten halten sich in Grenzen“, sagt Helge Dreßen, stellvertretender Leiter der Feuerwehr und immerhin schon seit 42 Jahren dabei. Offenbar genießt die Feuerwehr in den meisten ländlichen Gebieten noch einen größeren Respekt als in den Städten. Auch Hünxes Feuerwehrchef Heinz Wilhelm Neuhaus kann sich nicht beklagen, „wir werden Gott sei Dank bisher respektvoll behandelt“, sagt er.

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