Frisch auf den Teller

Kunden kaufen gern ihr Fleisch vom Hof in Hünxe

Die ersten Kälber sind da, von ihren Müttern aufmerksam bewacht.

Foto: Lars Fröhlich

Die ersten Kälber sind da, von ihren Müttern aufmerksam bewacht. Foto: Lars Fröhlich

Hünxe.   In Hünxe kommen viele Kunden für ihr Rindfleisch zum Heesenhof. Immer mehr junge Familien sind darunter, die wissen wollen, was im Topf landet.

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Die Saison ist vorbei auf dem Heesenhof. Fast. Anne te Heesen zerteilt eine Rinderleber – ein Organ, das man sich so groß nicht vorgestellt hätte, zwei Arme voll. Zum letzten Mal in diesem Jahr sind zwei Färsen, junge Kühe also, in Eppinghoven geschlachtet worden, im Kühlraum auf dem alten Hof an der Weseler Straße hängen die Rinderhälften. 14 Tage lang muss das Fleisch der Limousinrinder reifen, bevor der Metzger kommt, um es zu zerteilen.

Nicht jeder will Leber und Zunge

Die Leber, erläutert die Landfrau, muss umgehend eingefroren werden, wie alle Innereien. „Sie würden sonst ungenießbar.“ Auch zwei unterarmlange Zungen friert Anne te Heesen ein, „nicht jeder mag Zunge, obwohl sie sich wunderbar zubereiten lässt“, sagt sie und lacht. „Zunge in Madeira beispielsweise, aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten.“ Die zögerliche Nachfrage nach diesem speziellen Stück Fleisch ist kein Problem für die Produzenten: Ohnehin hat ja jedes Tier nur eine, daher gibt es Zunge auf Nachfrage zum Fleischpaket dazu.

Kühe beschützen ihre Kälber

Warum züchten te Heesens französische Kühe in Hünxe? „Das Fleisch ist heller als das der hiesigen Rassen“, erläutert die Hauswirtschaftsmeisterin. Obwohl ein wenig von der NRZ „überfallen“ nimmt sie sich die Zeit, um ihre und die Arbeit ihres Mannes Derk zu erklären. Unermüdlich sind ihre Hände dabei weiter in Bewegung, sie zerteilen die Leber mit einem kleinen Messer sauber. Hiesiges Rindfleisch schmecke intensiver als das französische, „manche schätzen das nicht“. Deshalb kaufen sie die mageren, muskulösen Limousinrinder.

Schön anzusehen sind die kompakten braunen Tiere auf der Weide im Sommer auch. In diesen Wochen kommen die Kälber zur Welt: Ein Blick in den Stall zeigt die ersten kleinen zottigen Limousinkinder, die sich scheu hinter der Mutter verbergen und die Kamera nicht mögen. „Da kann ich jetzt nicht ‘reingehen“, erläutert Anne te Heesen. Kühe mit Kälbern sind äußerst wehrhaft und beschützen ihren Nachwuchs vehement. Das kann gefährlich sein: Selbst wenn die Limousins von te Heesens hornlos sind, können die Kühe ihren Standpunkt schmerzhaft deutlich machen.

Pakete mit allen Fleischsorten vom Rind

Manchmal, wenn Menschen vom Schild an der Weseler Straße angelockt, auf den Hof kommen, müssen die te Heesens sie enttäuschen. „Sie fragen meist nach Filetsteak“, sagt Anne te Heesen. Aber so funktioniert die regionale Vermarktung auf dem alten Heesenhof nicht. Immerhin muss niemand mehr eine Viertelkuh nehmen, wie es in alten Zeiten offenbar mal üblich war. Der Metzger zerteilt das Fleisch und die Kunden kaufen es in Paketen zu 16 bis 19 Kilogramm, das Kilo für rund elf Euro. „Es kommt in die Tiefkühltruhe und den meisten reicht das einmal im Jahr.“ Wer mehr verbraucht, bestellt jetzt und kann im Februar wieder Fleisch kaufen.

„Viele Jüngere entdecken das Kochen mit regionalen Lebensmitteln wieder für sich“, sagt Anne te Heesen, das freut sie. Im Paket vom Heesenhof sind nahezu alle Fleischsorten, Steaks, Braten, aber auch Knochen und Beinscheiben. Nicht jeder weiß mit letzteren noch etwas anzufangen, Anne te Heesen gibt dann gern Tipps.

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