Fahrlässige Tötung

Traktorfahrer nach tödlichem Unfall in Hünxe verurteilt

Der hohe Mais behinderte an der Kreuzung Bühler Stege/Pfannhüttenstraße/Elsenweg die Sicht. Der Traktor kam von rechts, der Pkw von hinten.

Der hohe Mais behinderte an der Kreuzung Bühler Stege/Pfannhüttenstraße/Elsenweg die Sicht. Der Traktor kam von rechts, der Pkw von hinten.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Hünxe

Hünxe.   Bei einem tragischen Unfall in Hünxe war ein 42-jähriger Niederländer gestorben. Der junge Landwirt aus Schermbeck hatte den Pkw übersehen.

„Es tut mir unendlich leid, doch der Unfall war meiner Meinung nach nicht vermeidbar, ich habe das Auto nicht gesehen“, sagte der 20-jährige Landwirt unter Tränen am Dienstag auf der Anklagebank, als er den tödlichen Unfall schilderte, bei dem ein 42-jähriger Niederländer am 25. Juli 2018 ums Leben kam.

Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Schermbecker, der zum Tatzeitpunkt noch in der Ausbildung war, nach dem Jugendstrafrecht zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Lehrling hatte sich Traktor mit Anhänger geliehen

Der damals 19-jährige Landwirt-Lehrling hatte sich am Vorabend einen Traktor mit großem Anhänger in seinem Ausbildungsbetrieb geliehen, um am Folgetag Stroh zu einem anderen Bauernhof zu liefern. Kurz vor 6 Uhr startete er – gemeinsam mit seiner 17-jährigen Freundin – die etwa sieben Kilometer weite Fahrt nach Hünxe.

Nach dem Abladen kam es dann auf dem Rückweg um 6.48 Uhr an der Kreuzung Bühler Stege/Pfannhüttenstraße/Elsenweg in Gartrop-Bühl zu dem tragischen Unfall mit Todesfolge.

Hoher Mais schränkte die Sicht der Fahrer ein

An dieser Kreuzung behinderte hoher Mais die Sicht. Ansonsten gab es keine Beschränkungen – es gilt an dieser Stelle die Rechts-vor-links-Regelung, die der Traktorfahrer allerdings missachtete. Vom Campingplatz aus befuhr der Schermbecker den Elsenweg geradeaus Richtung Hünxe – der Pkw kam von der Kanalbrücke aus.

Der Angeklagte schilderte, dass er vorsichtig an die Kreuzung herangefahren sei und mehrmals geguckt habe, ehe er weiter gefahren sei. Seine Freundin, die auf dem Beifahrersitz des Traktors saß, ergänzte im Zeugenstand, der Traktorfahrer habe angehalten und sei erst nach zweimaligem Gucken wieder angefahren.

Traktor-Gespann kann nicht gestanden haben

„Das kann so nicht gewesen sein“, stellte ein Gutachter klar, der berechnete, dass der Traktor zwischen 35 und 38 km/h schnell war, als es in der Mitte der Kreuzung zur Kollision kam.

Das Gutachten brachte weitere Details ans Tageslicht, die zeigten, dass der tödliche Unfall vermutlich zu vermeiden gewesen wäre: Hauptgrund für die tödlichen Verletzungen des zweifachen Familienvaters aus Groningen, der seinerzeit an Windkraft-Anlagen in der Nähe arbeitete, sei der nicht eingeklappte Frontkraftheber am Traktor gewesen.

Anhänger entwickelte keine Bremswirkung

Dass der Anhänger nicht zugelassen war und zudem quasi keine Bremswirkung entwickelte, kam erschwerend hinzu.

„Dieser Unfall wäre vermeidbar gewesen. Aber Augenblicksversagen in Kombination mit den Fehlern im Vorfeld haben zu dieser furchtbaren Folge geführt“, sagte die Richterin.

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