Diskussion

Landwirte in Hünxe: Nicht nur das billigste Schnitzel kaufen

Georg Biedemann, Sprecher der Aktion „Land schafft Verbindung“ diskutierte   in der Dorfkirche über die Zukunft der Landwirtschaft.

Georg Biedemann, Sprecher der Aktion „Land schafft Verbindung“ diskutierte in der Dorfkirche über die Zukunft der Landwirtschaft.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Hünxe.  In der Dorfkirche in Hünxe-Drevenack wurde über Visionen für eine zukünftige Landwirtschaft diskutiert. Landwirte erklärten ihre Anliegen.

Pfarrer Helmut Joppien gab als Moderator der Veranstaltung gleich die Richtung vor. „Nicht nur Zahlen und Fakten, sondern Ideen entwickeln, wo es langgehen kann“ mit der Landwirtschaft, darum gehe es bei der Diskussion des Abends. Unter das Motto „Visionen für eine zukünftige Landwirtschaft“ hatten die Evangelische Kirche Drevenack, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und die Kirchenkreise Dinslaken und Wesel die dritte Veranstaltung im Zuge der Themenreihe „Landwirtschaft im Gespräch“ gestellt.

Dazu waren diesmal Georg Biedemann, Sprecher der Aktion „Land schafft Verbindung“, Dirk Hillerkus vom „Institut Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen“, Landwirt Hartmut Neuenhoff und Umweltaktivist Armin Specht eingeladen, die in einer lebhaften Diskussion ihre unterschiedlichen Standpunkte deutlich machten.

Landwirtschaft ist mehr als Nitrat und Massentierhaltung

Der Kevelaerer Schweinehalter Georg Biedemann kritisierte, dass Landwirtschaft nur mit „Nitrat, Massentierhaltung und anderen Dingen“ assoziiert werde. Es habe unter dem Druck des globalisierten Weltmarktes womöglich „Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft“ gegeben. Aber der Verbraucher müsse aufhören, immer nur das „billigste Schnitzel“ haben zu wollen.

Man lebe nicht auf einer Insel. „Wenn ich von einem Ferkel nur fünf Euro überbehalte und drei Personen in der Familie und Arbeitskräfte habe“, sei das alles nicht so einfach. „Auch wir wollen mehr Tierschutz, Artenschutz, Grundwasser noch mehr schützen, aber die Gesellschaft muss das mittragen“, der Verbraucher das „an der Theke vergüten.“ Man könne „nicht rein biologisch alle ernähren“.

Bio-Produkte brauchen die dreifache Fläche

Denn für die Bio-Produktion brauche man die dreifache Fläche. „Das ökonomische System der Kostenminimierung und Ertragssteigerung hat zur Intensivierung in Ackerbau und Tierhaltung mit allen seinen Folgen geführt“, sagte Dirk Hillerkus. Die zukünftigen Anforderungen an die Landwirtschaft seien „Ökologie, Sozialverträglichkeit, Vielfalt, Artenvielfalt und Multifunktionalität.“ Es müsse „ein System geschaffen werden, wo es sich für Bauern ökonomisch lohnt, noch mehr Umwelt und Tiere zu schützen, mehr ökologisch zu wirtschaften.“ Ohne dass es nur ökologischen Landbau geben müsse.

Bäuerliche Familienbetrieben gehörten gefördert, die Quote des ökologischen Landbaus auf 20 Prozent bis 2030 erhöht. Und es brauche eine Umstellung der Ernährung. Die Landwirte seien bereit, mehr Ökologie und Tierwohl zu entwickeln, sagte Hartmut Neuenhoff. Er plädierte für Direktvermarktung durch die Betriebe, mahnte aber an, dass die Verbraucher mit verantworten, „wenn das Schnitzel in der Pfanne kleiner ist.“

Umstellung der Landwirtschaft braucht Zeit

Die Landwirte bräuchten für einen Umbau ihrer Produktion Zeit und sichere Rahmenbedingungen. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, fahren wir den Karren an die Wand“, plädierte Armin Specht dafür, „in allen Bereichen radikal umzustellen.“ Die Agrarindustrie und die vier Multiunternehmen seien der „größere Faktor“, um Entwicklungen zu behindern. Die Landwirte müssten für die Pflege ihrer Böden auch „biologische Alternativen nutzen“. Und die Gesellschaft müsse die ökologischen Leistungen der Landwirte bezahlen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben