Seepferdchen

Lange Wartezeiten für Schwimmkurse in Wesel und Umgebung

Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist in Wesel und Umgebung oft größer als das Angebot.

Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist in Wesel und Umgebung oft größer als das Angebot.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist „gigantisch“, bestätigt die DLRG in Wesel. Grund für die Wartezeiten: Es gibt ein Problem in den Bädern.

Schwimmen lernen macht nicht nur Spaß, sondern ist auch wichtig. Doch längst nicht jeder, der sein Seepferdchen machen möchte, findet auch einen Platz – die Kurse sind ausgebucht, Wasserzeiten für Anbieter in den Bädern begrenzt. „Die Nachfrage ist gigantisch, die können wir definitiv nicht decken“, beschreibt zum Beispiel der Vorsitzende der DLRG Wesel, Ralph List, die Situation in Wesel. Eine Warteliste führt die DLRG nicht mehr, sie wurde geschlossen. Daher kann er nicht sagen, wie viele Kinder warten – er weiß nur, dass die Kapazitäten der angebotenen Kurse nicht ausreichen. Eine Umfrage ergab, dass es in den Nachbarkommunen nicht anders aussieht.

Die DLRG Wesel selbst bietet zwei Anfängerkurse samstags an, zwölf Kinder werden pro Kurs von vier Helfern betreut. Das zu geringe Angebote sei auf die fehlenden Kapazitäten im Heuberg- und im Bislichbad zurückzuführen, aber auch auf den Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Um noch mehr Kindern ein Angebot zu machen, hat die DLRG in diesem Jahr erstmals das Angebot „Mathe schützt nicht vor Ertrinken“ durchgeführt, zunächst als Politprojekt mit 100 Kindern an der Grundschule Feldmark.

DLRG hat in Wesel ein Schwimm-Projekt für Grundschüler gestartet

Der Erfolg hat die Akteure überzeugt. 90 Kinder lernten durch acht Projekttage mit je 60 Minuten im Wasser das Schwimmen. Rund um die Osterferien soll der Kurs 2020 mit 200 Teilnehmern aus drei Grundschulen (Feldmark, Innenstadt, Quadenweg) wiederholt werden.

Auch die städtische Bädergesellschaft bietet Schwimmlernkurse, „die Anfragen sind schon enorm“, sagt Geschäftsführer Martin Christoph. „Wir bieten Crashkurse in den Ferien.“ Vor allem im Frühjahr sind Kurse sehr gefragt. Als Problem nennt Christoph die Zeitfenster in den Bädern und die zur Verfügung stehende Wasserfläche. „Wir haben ein Verteilungsproblem, die Vereine wollen schwimmen und die Öffentlichkeit wollen wir auch nicht ganz ausschließen“, erläutert er, „wir müssen allen gerecht werden“. Er hofft, dass das neue Kombibad mehr Möglichkeiten bieten wird.

Ein Jahr Wartezeit für einen Schwimmkurs in Hamminkeln

Wartelisten kennt auch der Hamminkelner Sportverein, der im Hallenbad Kurse anbietet. Jutta Jansen, die seit mehr als 20 Jahren die Schwimmlehrerin des Vereins ist, kann zwar keine genauen Zahlen nennen – aber dass Eltern sich gedulden müssen, sei die Regel.

Es habe auch schon Fälle gegeben, wo die Kinder ein Jahr hätten warten müssen. Der HSV bietet Anfängerkurse für Kinder ab fünfeinhalb Jahren an. Jüngere Kinder werden nicht angenommen, weil die zehnköpfige Gruppe zusammenpassen soll. Sie beobachtet: Früher haben die Kinder nach zehn Einheiten meist das Seepferdchen geschafft. Heute sei das eher die Ausnahme. Sie macht das vor allem daran fest, dass viele Eltern ihre Kinder in jungen Jahren nicht an das Wasser gewöhnen. Dann dauert es länger bis die Kinder sicher schwimmen können.

Wasserzeiten: „Kommunen tun sich schwer mit externen Vergaben“

Mit Timo Gertönis und seinen Tigerhaien ist seit den Herbstferien ein privater Anbieter an Bord. In den Ferien gab es den ersten Intensiv-Kurs, der ruckzuck voll war. Nun möchte der Schwimmschul-Inhaber, der in Willich und Friedrichsfeld Kurse anbietet, auch in Hamminkeln regelmäßig unterrichten und Schwimmfläche „mieten“. „Aber die Kommunen tun sich schwer mit externen Vergaben“, meint Gertönis.

Optimal wäre es, wenn Kinder mit fünf Jahren das Schwimmen lernen, sagt Thomas Melenberg vom Wassersportverein Schermbeck. Allerdings: Nicht alle, die lernen wollen, können es auch, „die Nachfrage ist momentan sehr gewaltig“. Zwar gibt es auch Schulschwimmen, „aber die Kinder müssen schon schwimmen können“. Fünf Kurse bietet der Verein , doch auch in Schermbeck sind die Zeiten meist ausgebucht.


Beim Seepferdchen sollte es nicht bleiben

Die Schwimmfreunde Hünxe setzen auf Intensivkurse: Jeden Monat beginnen zwei Kurse mit je elf Teilnehmern, die drei Mal die Woche schwimmen gehen. Die meisten schließen mit dem Seepferdchen ab. „Es kommen auch Kinder aus Dinslaken und anderen Orten, das warme Bad in Hünxe ist sehr beliebt“, sagt Geschäftsführer Hartmut Weddige. Samstags hat die Duisburger Schwimmschule Swimming Turtles das Bad für Kurse gemietet. Auch sie sind ausgebucht. Unter dem Strich ist Weddige aber nicht unzufrieden, „wir bringen vielen Kindern das Schwimmen bei“. Wobei es nicht beim Seepferdchen bleiben soll, das eine Sicherheit suggeriere, die die Kinder häufig noch nicht haben. Dienstags nachmittags können die Seepferdchen-Inhaber weitermachen, nur zum Eintrittspreis.

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