Kriminalität

Weseler nach 204 Lkw-Touren ohne Führerschein verurteilt

Verhandelt wurde der Fall am Amtsgericht in Wesel.

Verhandelt wurde der Fall am Amtsgericht in Wesel.

Foto: Johannes Kruck / NRZ

Wesel.  Der Berufskraftfahrer aus Wesel war fast ein Jahr ohne Fahrerlaubnis auf Achse. Er hatte den Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren.

Weil er zwischen dem 7. Dezember 2018 und dem 22. November 2019 insgesamt 204 Mal mit verschiedenen Lkw ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs war, wurde ein 65-jähriger Berufskraftfahrer am Freitag am Weseler Amtsgericht zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem bekommt er seinen Führerschein erst nach zwei Jahren wieder zurück.

Verurteilung wegen Straßenverkehrsgefährdung

Das Unheil nahm für den zwischenzeitlich schwer erkrankten Weseler im Oktober 2018 seinen Lauf: Der Berufskraftfahrer verlor wegen Trunkenheit am Steuer seinen Führerschein und wurde zudem wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.

Nun stand er vor der Wahl: Seinen Beruf zu verlieren – oder vorsätzlich mehrere Straftaten zu begehen, indem er seinem Chef nichts vom Führerscheinverlust sagte und einfach weiterfuhr, als sei nichts geschehen. „Sie haben damals definitiv die falsche Entscheidung getroffen, auch wenn sie menschlich verständlich ist“, redete ihm der Richter ins Gewissen.

Zuvor hatte der Angeklagte erläutert, dass sein Senior-Chef des Weseler Unternehmens im Streben lag und er die Firma, für die er schon mehrere Jahre tätig war, doch nicht hätte im Stich lassen können. Also kutschierte er munter weiter Tiefkühlwaren kreuz und quer durch Deutschland.

Mindestabstand nicht eingehalten

Das ging auch 203 Mal gut, doch eine kleine Unaufmerksamkeit des Lkw-Fahrers ließ am 22. November vergangenen Jahres alles auffliegen: Er fuhr mit seinem Lkw einem anderen Fahrzeug zu dicht auf und sollte deshalb ein Bußgeld wegen Nichteinhaltens des Mindestabstandes zahlen – dabei kam dann heraus, dass er überhaupt nicht (mehr) im Besitz einer Fahrerlaubnis war. Der voll geständige Berufskraftfahrer sprach von einer „Panik-Reaktion“, er habe „Existenzangst“ gehabt, ihm sei aber natürlich auch klar, dass dies „eine Scheiß-Aktion“ gewesen sei.

Dringender Rat des Richters

Die Staatsanwältin sprach dem Täter wegen der Vielzahl der Fahrten, die sich durch das Auslesen des Lkw-Fahrtenschreibers bis ins Detail nachwiesen ließen, die Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges ab. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von neun Monaten sowie ein Fahrverbot von drei Jahren.

Mehrere Faktoren wirkten sich strafmildernd für den Angeklagten aus, strafverschärfend jedoch, dass er mehrere Vorstrafen hatte – unter anderem auch eine wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Der Richter schloss sich fast der Staatsanwaltschaft an, verhängte jedoch ein „nur“ zweijähriges Fahrverbot. Und er riet dem 65-Jähren eindringlich: „Falls Sie noch Zugriff auf ein Fahrzeug haben – lassen Sie die Finger davon!“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben