Gesundheit

Lungenembolie-Studie: Erster Patient in Wesel behandelt

| Lesedauer: 3 Minuten
Im Katheterlabor (v.l.): Chefärztin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, die Oberärzte Moaaz Elsharabassy und Dr. Dirk Lindemann sowie Krankenpfleger Theo Meis. Die Ansicht auf dem Bildschirm zeigt eine Lunge vor (oben, l. und r.) und nach Einsatz des Katheters.

Im Katheterlabor (v.l.): Chefärztin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, die Oberärzte Moaaz Elsharabassy und Dr. Dirk Lindemann sowie Krankenpfleger Theo Meis. Die Ansicht auf dem Bildschirm zeigt eine Lunge vor (oben, l. und r.) und nach Einsatz des Katheters.

Foto: Gerd Heiming / Pro Homine

Wesel.  Im Rahmen einer Studie wird ein spezielles Behandlungsverfahren bei Lungenembolie untersucht. Erster Patient im Weseler Marien-Hospital behandelt.

Weltweit 700 Patienten sollen an einer Studie teilnehmen, in deren Rahmen die Wirksamkeit einer relativ neuen Behandlungsmethode bei Lungenembolien untersucht wird. Diese wird seit diesem Jahr am Weseler Marien-Hospital durchgeführt und so hat das Krankenhaus nun auch besonderen Anteil an der Studie: Jüngst wurde der EU-weit erste Patient dafür in Wesel behandelt.

Lebensgefahr bei verstopften Arterien

Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel die Arterien. Das Marien-Hospital ist als eine von wenigen Kliniken in Nordrhein-Westfalen in der Lage, einen solchen „Pfropfen“ mit einem speziellen Katheter schonend aus der Lunge zu saugen und dem Patienten so wieder Luft zu verschaffen. Was einfach klingt, erfordert viel Spezialwissen, Erfahrung und innovative Medizintechnik. Darüber verfügt die kardiologische Klinik unter Leitung von Chefärztin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher. „Mit dem neuen Verfahren stärken wir unser Leistungsspektrum in der Herz- und Gefäßmedizin“, betont sie.

Oberarzt Moaaz Elsharabassy übernahm die Kooperation mit den Verantwortlichen der Studie. Er hat den Einsatz des Katheters, der mit acht Millimetern viermal so dick ist wie ein herkömmliches Modell, im Rahmen seiner Promotionsarbeit wissenschaftlich begleitet.

Vorteil der neuen Methode: Keine Medikamente und kaum Blutverlust

Der Vorteil an der Behandlung mit dem Spezialkatheter: Sie geschieht ohne den Einsatz von Medikamenten und fast ohne Blutverlust. Der Spezialkatheter wird über die rechte Leistenvene in die Lunge geführt und das Gerinnsel durch Unterdruck herausgesaugt – Bröckchen für Bröckchen. „Der Blutdruck in der Lunge normalisiert sich umgehend, so dass der Patient nicht länger intensivmedizinisch versorgt werden muss“, erklärt Oberarzt Elsharabassy.

Bei der herkömmlichen Methode (Lyse) erfolgt die Auflösung des Gerinnsels weniger zielgerichtet über die Gabe von Blutverdünnern, die sich über die Venen im ganzen Körper verteilen. Alternativ können die Mittel direkt per Lungenkatheter eingebracht werden. Beide Verfahren bergen aber ein erhöhtes Risiko für Blutungen, gefürchtet sind vor allem Hirnblutungen.

Marien-Hospital will zertifiziertes Zentrum für Lungenembolie werden

In der besagten Studie wird nun der Einsatz von Spezialkatheter und Lyse miteinander verglichen: je 50 Prozent der Probanden werden mit der einen oder der anderen Methode behandelt – und der Patient aus dem Marien-Hospital ist dabei. „Er leistet damit einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt“, betont Chefärztin Prof. Tiefenbacher.

Sie und ihr Team verfolgen in diesem Zusammenhang ein weiteres Ziel: die Bildung eines zertifizierten Lungenembolie-Zentrums unter Beteiligung von Kardiologen, Intensiv- und Notfallmedizinern sowie Radiologen. Schon jetzt werden pro Jahr rund 50 Patienten mit einer Lungenembolie im Marien-Hospital behandelt, also statistisch ungefähr einer pro Woche.

Zudem soll es nicht bei einem Marien-Hospital-Patienten in der Studie bleiben, Ziel ist es möglichst viele darin einzuschleusen – natürlich nie ohne deren Zustimmung. Die Auswahl erfolgt anhand unterschiedlicher Kriterien, dazu zählen unter anderem das Alter der Patienten und deren Vorerkrankungen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wesel / Hamminkeln / Schermbeck