Gerichtsverhandlung

Männer sollen Weseler auf grausame Weise gequält haben

Das Landgericht Duisburg entscheidet über sechs Angeklagte.

Das Landgericht Duisburg entscheidet über sechs Angeklagte.

Foto: Archiv/dpa

Duisburg/Wesel.   Sechs Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht verantworten, weil sie ihr Opfer wegen 400 Euro zwei Tage festhielten und schwer misshandelten.

Wer die sechs Angeklagten in Saal 157 des Duisburger Landgerichts sitzen sieht, würde sie kaum für die Mitglieder eines Knabenchores halten Doch die Brutalität der Taten, für die sich seit gestern vor der 3. Großen Strafkammer verantworten müssen, ist erschreckend: Im Oktober 2017 sollen sie in Wesel einen jungen Mann wegen einiger hundert Euro Schulden aus einem Drogengeschäft zwei Tage lang festgehalten und auf grausame Weise gefoltert haben.

Die Anklage wirft den 21 bis 47 Jahre alten Weselern erpresserischen Menschenraub und gefährliche Körperverletzung vor. Bei der Verlesung der Anklages sträubten sich auch hartgesottenen Zuhörern im Gerichtssaal die Nackenhaare. Im Rahmen eines Streits um 400 Euro sollen zunächst drei Angeklagte das Opfer in der Wohnung eines der beschuldigten Männer gefesselt und geschlagen haben. Die immer größer werdende Gruppe soll den Geschädigten dann fast 48 Stunden lang gedemütigt und gequält haben.

Dem Opfer gelang die Flucht im Elektro-Markt

So sollen sie den Mann mit einer Schreckschusswaffe bedroht und ihm ein Hundehalsband angelegt haben. Der Geschädigte musste auf einem Gummiband kauen, soll mit einer Reitgerte und einem Plastikdildo geschlagen worden sein. Die Täter sollen den Verletzten verhöhnt haben, dass er doch gerne Stoff durch die Nase ziehe und ihn dazu gezwungen haben, Desinfektionsmittel und Gewürze einzuatmen.

Als Folge trug das Opfer Verätzungen der Schleimhäute davon. Dann soll dem Gefolterten ein Tattoo gestochen worden sein. Ihm sollen Spieße in die Kopfhaut gestochen worden sein, bevor eine seiner Hände an einen Aktenkoffer genagelt worden sein soll. Am 9. Oktober sollen die Angeklagten ihr Opfer dann – mit den Spießen im Kopf und dem angenagelten Koffer – am Hundehalsband durch die Stadt geführt haben. Zeugen, die sich wunderten, sollen sie erzählt haben, man übe für Halloween.

Am 10. Oktober soll der schwer ramponierte Geschädigte zu einem Elektronik-Discounter gebracht worden sein. Dort sollte er zwei Spielekonsolen stehlen, um seine Schulden zu begleichen. Der Mann nutzte die Gelegenheit zur Flucht.

Fünf weitere Sitzungstage bis Mitte Juli angesetzt

Alle sechs Angeklagten legten mehr oder weniger weit gehende Geständnisse ab. Ein 27-Jähriger, in dessen Wohnung das Geschehen seinen Anfang genommen hatte, behauptet, er habe nur mitgemacht, weil er Angst hatte, selbst in den Verdacht zu geraten, etwas mit dem Betrug eines Drogenlieferanten zu tun gehabt zu haben.

Mitangeklagte widersprachen. Die meisten schilderten ihre Folterqualitäten ohne erkennbare Reue oder Mitleid. Übereinstimmend glauben sie, dass das Geschehen nur „aus dem Ruder gelaufen“ sei. „Dann sind wir ein bisschen mit ihm spazieren gegangen“, so beschrieb einer den Gang des Geschädigten durch Wesel. Für den Prozess sind bis Mitte Juli fünf weitere Sitzungstage vorgesehen.

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