Bildung

Margit Ickert nimmt Abschied von der Realschule Wesel Mitte

Margit Ickert geht nach 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand. Die Realschule Mitte läuft in drei Jahren aus.

Foto: Markus Weissenfels

Margit Ickert geht nach 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand. Die Realschule Mitte läuft in drei Jahren aus. Foto: Markus Weissenfels

Wesel.   Die 62-Jährige leitete die Schule 17 Jahre lang. Der Auflösungsbeschluss vor drei Jahren war für sie wie „ein Schlag vor den Kopf“.

Den Abschied hatte Margit Ickert schon vor Jahren geplant – dass sich drei Jahre nach ihr die gesamte Schule verabschieden würde, hätte die Rektorin der Realschule Mitte damals nicht gedacht. Die 62-Jährige tritt zum Schuljahresende ein Sabbatjahr an und geht anschließend in den vorzeitigen Ruhestand. Nach 40 Jahren im Schuldienst freut sie sich auf ein Leben ohne Stundenplan. Dass viele Realschulen im Land ebenfalls vor der „Pensionierung“ stehen, haben sie nicht verdient, findet die Pädagogin.

Denn die Schulform hat die in Voerde lebende Rektorin immer für ein gutes Angebot gehalten – und sie hat in den 40 Jahren ihrer Tätigkeit stets an einer Realschule gearbeitet: Zunächst in Hiesfeld und ab 1983 in Voerde, bis es sie 1996 als stellvertretende Schulleiterin nach Hamborn zog. 2001 kam sie als Rektorin nach Wesel, wo sie nach 17 Jahren nun ihren Abschied feiert.

Der Ton ist kumpelhafter geworden

40 Jahre, in denen Schüler kamen und gingen – die Freude am Unterrichten aber blieb, auch wenn nicht alle Schüler einfach waren, wie die Mutter zweier längst erwachsener Kinder versichert. „Eigentlich“, erklärt sie diplomatisch, „ist jeder Mensch liebenswert. Ich habe nie aufgehört, an eine positive Entwicklung zu glauben“. Dass diese Entwicklung nicht immer eintritt, hat sie im Laufe ihres Berufslebens gelernt. Und auch, Grenzen zu setzen. Der Ton der Schüler habe sich mit der Zeit geändert, sei kumpelhafter geworden – und manchmal müsse man einschreiten. „Wir sind ja keine Jugendlichen“.

„Wie ein Schlag vor dem Kopf“ sei vor drei Jahren der Beschluss der Politik gewesen, die Realschule und die Hauptschule in der Stadtmitte auslaufen zu lassen – aus Margit Ickerts Sicht keine gute Wahl. Die Schule habe einen „tollen Standort“ und sei „top ausgestattet“.

Realschule ist für das Handwerk wichtig

Nicht nur um die eigene Schule tut es ihr leid: „Ich hätte mir gewünscht, dass auch die Hauptschule erhalten bleibt“, sagt sie mit Blick auf die heutige Situation in der Weseler Schullandschaft.

Die Realschule ist für die Pädagogin für Geologie, Chemie und Technik gute und sehr wohl zukunftsfähige Schulform – insbesondere mit einem Ganztagskonzept. Der Vorteil aus ihrer Sicht: „Die Realschule bereitet sowohl auf eine Berufsausbildung als auch auf eine fachliche Weiterbildung vor“. Sie sei die Basis für den Mittelstand und gerade für das Handwerk wichtig, weil sie Schwerpunkte bei der beruflichen Bildung setzt. Vor zehn Jahren, erinnert sich Margit Ickert, gab es in den Kreisen Wesel und Kleve noch 24 Realschulen. Heute sind es noch neun, die nicht auslaufen.

Unterrichtsversorgung ist gewährleistet

Mit ihrem Ausscheiden und dem Weggang der aktuellen Zehnerjahrgänge wird die Realschule Mitte wieder ein Stückchen kleiner. Rund 200 Schüler in drei Jahrgängen und ein 17-köpfiges Lehrerkollegium bleiben nach der Sommerferien. Die Jugendlichen werden ihre Abschlüsse dennoch ohne Abstriche bei der Unterrichtsversorgung erreichen können. „Das hat die Bezirksregierung gewährleistet“.

Für Margit Ickert kommt der Ruhestand genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Alter passe und Ehemann Herbert, ein ehemaliger Polizist, ist schon daheim. Da bleibt noch viel Zeit für Aktivitäten – welche, das weiß die scheidende Schulleiterin noch nicht. „Ich habe keine festen Pläne. Es wird sich zeigen“. Nur eines steht für sie fest: Einen Stundenplan wird es nicht mehr geben.

>> Heike Tuda wird Nachfolgerin

Nachfolgerin von Margit Ickert wird nach den Ferien Heike Tuda, die bereits jetzt mit einer halben Stelle als stellvertretende Schulleiterin an der Realschule Mitte tätig ist. Mit dem anderen Teil ihrer Stelle arbeitete sie bisher an der Walter-Bader-Realschule in Xanten, die zum Ende dieses Schuljahres geschlossen wird.

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