Medizin

Marien-Hospital Wesel stellt neue Therapie vor

Krankenschwester Ina Hütter und Pantientin Christel Christians mit der Kühlkappe.

Krankenschwester Ina Hütter und Pantientin Christel Christians mit der Kühlkappe.

Foto: Markus Joosten

Wesel.   Eine Kühlkappe sorgt dafür, dass Brustkrebspatientinnen durch die Chemotherapie ihr Haar nicht komplett verlieren.

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Diese Nebenwirkung der Chemotherapie setzt den meisten Brustkrebspatientinnen besonders zu: Der gefürchtete Komplettverlust ihres Haars. Eine neu entwickelte Kühlkappe, im Brustkrebszentrum des Marien-Hospitals angeboten, mindert den Haarausfall deutlich oder verhindert ihn gar. Allerdings ist die Behandlung teuer und die Krankenkassen übernehmen sie nicht.

Patientinnen leiden sehr unter Haarverlust

Ein kahler Kopf zeigt aller Welt: Diese Frau hat Krebs. „Damit ist die Erkrankung öffentlich“, sagt Schwester Ina Hütter, die die Patientinnen betreut. Während die meisten anderen Nebenwirkungen inzwischen durch Medikamente gelindert werden, macht dieser Punkt den Patientinnen schwer zu schaffen. Christel Christians gehört zu den ersten Frauen, die die neue Kühlkappe gewählt haben. Die 78-Jährige strahlt, ihre Frisur sitzt nach der ersten Chemo perfekt. Dr. Daniela Rezek erläutert das Prinzip: „Kälte senkt die Temperatur der Kopfhaut kurz vor, nach und während der Chemotherapie um einige Grad.“ Das wiederum vermindere die Durchblutung, das Medikament erreicht die Haarwurzeln nicht oder nicht gut. Chemotherapie greift sich schnell teilende Zellen an, bösartige, aber auch die der Haarwurzeln.

Die Kasse übernimmt die Kosten nicht

„Früher haben wir mit Kühlelementen gearbeitet“, erläutert Rezek. „Das hat nicht funktioniert, sie sind verrutscht und die Patientinnen haben Kopfschmerzen davon bekommen.“ Geheimnis der neuen Kühlkappe ist die konstante Kälteeinwirkung. Ist das unangenehm? „Man gewöhnt sich daran“, sagt Christel Christians. Vor der Behandlung erhält sie eine weiche Kappe aus Silikon, die mit einem mobilen Kühlsystem verbunden ist. Später fließt eine Kühlflüssigkeit durch die Kappe, die rund zweieinhalb Stunden lang getragen wird.

Christel Christians hat bereits eine Behandlung hinter sich, normalerweise müsste sie schon kahl sein. Statt dessen eilt die Frau nach dem Pressetermin hoch erhobenen Hauptes davon – zum Seniorentreffen, das will sie auf keinen Fall versäumen. Sie sieht gut aus und hat keinen Grund, sich zu verkriechen. Drei weitere Behandlungen stehen für sie an, sie wird pro Sitzung 80 Euro bezahlen. Jüngere Patientinnen erhalten in der Regel vier plus zwölf Anwendungen. Die Haube sei aber nur für die ersten vier notwendig, so Dr. Rezek.

Selbstbewusstsein wird gestärkt

Das Gerät, das es am Niederrhein nur im Marien-Hospital gebe, sei ungeheuer teuer, erläutert die Medizinerin, man habe es daher nicht gekauft, sondern geleast. Auch der Beitrag der Patientinnen wird die Kosten nicht wieder hereinholen. „Wir müssen es über Drittmittel finanzieren“, heißt: über Sponsoren. Aus Sicht der Chefärztin lohnt sich die Investition: Das Selbstbewusstsein steigt. Das sei für den Heilungsprozess positiv, sagt Rezek, wer sich wohl fühlt, wird leichter gesund.

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