Wenn alles schön ist

Marktgespräch mit dem Landrat: Loikumer haben keine Klagen

Landrat Dr. Ansgar Müller,mit Maren Bußkamp auf dem Marktplatz in Loikum. Der Landrat ist regelmäßig im Kreis zu den Marktgesprächen unterwegs.

Landrat Dr. Ansgar Müller,mit Maren Bußkamp auf dem Marktplatz in Loikum. Der Landrat ist regelmäßig im Kreis zu den Marktgesprächen unterwegs.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Der Landrat sucht auf den Wochenmärkten des Kreises regelmäßig das Gespräch, um zu wissen, wo der Schuh drückt. In Loikum drückt nichts.

Es herrscht eitel Sonnenschein am Freitagnachmittag auf dem Bauernmarkt in Loikum. An den fünf Marktständen herrscht reger Betrieb und schräg gegenüber im Café der Landfrauen neben der St. Antoniuskirche lassen sich die Leckermäulchen die Kuchenspezialitäten schmecken. „Die Schwarzwälder Kirsch - ein Traum“, erzählt ein Besucher, während er seinen schwarzen Retro-Roller parkt.

An den Ständen herrscht zwar kein dichtes Gedränge, aber ein stetiger Kundenstrom packt die gekauften Waren in die Einkaufstasche. Genau dieses Idyll hat sich Landrat Dr. Ansgar Müller für sein „Marktgespräch“ ausgesucht. Er will von den Menschen vor Ort wissen, wo der Schuh drückt.

Oft geht es um Verkehr und Mobilität

Deshalb besucht er regelmäßig die Märkte im Kreis, will dort mit Menschen ins Gespräch kommen. „Bürgermeister bieten ja oft Sprechstunden im Rathaus an. Aber das Kreishaus ist für viele zu weit weg“, erzählt Müller, warum er immer wieder über die Dörfer reist. Nur nicht in Wahlkampfzeiten. Da will er den Parteiständen keine Konkurrenz machen.

Eigentlich, so Müller, gehe es zum einen immer wieder um Themen wie Verkehr und Mobilität, aber manchmal auch um sehr spezielle Probleme, die die Menschen an den Landrat herantragen. Er erinnert sich noch an sein erstes Marktgespräch, als ihn ein Israeli ansprach, der gerne auch die deutsche Staatsbürgerschaft gehabt hätte, wenn er denn nicht seinen israelischen Pass abgeben müsste. Denn das hätte seiner Mutter, die vor den Nazis nach Israel geflohen war, das Herz gebrochen.

Kein leichtes Ansinnen, aber der Landrat konnte eine Ausnahmegenehmigung im Zusammenspiel mit den zuständigen Behörden erwirken. „Dem habe ich die Urkunde überreicht“, erinnert sich Müller und man merkt ihm an, dass er an diese Begebenheit noch heute gerne zurück denkt. Müller ist davon überzeugt, dass sich das Konzept Marktgespräch bewährt hat und sagt: „Ich bin immer ganz gespannt, welche Themen aufkommen.“

Bezirksbeamte sind das Gesicht der Behörde

Immer mit dabei hat der Landrat den jeweiligen Bezirksbeamten. In diesem Fall Jürgen Stratmann. Denn Müller ist ja auch der Polizeichef des Kreises und weiß, dass gerade die Bezirksbeamten die Aushängeschilder der Behörde sind, den Gesetzeshütern ein Gesicht geben. Auch in diesem Fall. „Hallo Wachtmeister“, grüßt einer der Marktbesucher den Beamten lachend und beginnt ein kleines Pläuschchen.

Kein Wunder, dass der Mann in der blauen Uniform in Loikum bekannt ist wie ein bunter Hund. Immerhin macht er diesen Job, in dem er auch in Wertherbruch und Mehrhoog unterwegs ist, bereits seit 16 Jahren und behauptet steif und fest: „Ich hab den besten Job von NRW.“ Ob das nicht etwas hoch gegriffen sei? „Nein. Weil mir das Spaß macht. Jeden Tag.“ Der Mann beherrscht den Brustton der Überzeugung. Und das nicht nur, weil der oberste Chef dabei ist.

Loikumer loben ihr Dorf, ihren Markt, ihre Gemeinschaft

Und was klagen die Loikumer so? Eigentlich nichts. Eine junge Frau erzählt, dass sie vor ein paar Jahren nach Loikum gezogen sei, weil ihr Mann aus dem Dorf kommt. Und jetzt? Jetzt will sie nie wieder woanders wohnen. Überhaupt loben die Loikumer ihr Dorf, ihren Markt, ihren Zusammenhalt. Der Markt zum Beispiel wird nicht nur von den Loikumern besucht. Hierher kommen auch Leute aus Dingden, Bocholt oder Wesel. „Hier sind viele Stammgäste, die schwärmen, weil die Dinge so frisch sind“, erzählt Ansgar Müller . Auch der Kindergarten werde immer wieder gelobt.

Und Angriffspunkte, Sorgen Kritik? Gab es gestern in Loikum nicht. Und den Landrat freut das. Muss ja nicht immer alles negativ sein. Es kann auch einfach mal alles schön sein. Wie am Freitagnachmittag in Loikum.

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