Gesundheit

Mobile-Helfer-App soll auch im Kreis Wesel Leben retten

Die richtige Vorgehensweise bei der Herzdruck-Massage muss vom Helfer beherrscht werden.

Die richtige Vorgehensweise bei der Herzdruck-Massage muss vom Helfer beherrscht werden.

Foto: Lars Fröhlich / FFS

Kreis Wesel.  Bald werden qualifizierte Ersthelfer gesucht, die im Notfall alarmiert werden und vor Eintreffen des Rettungsdienstes Hilfsmaßnahmen starten.

Bald soll es sie auch im Kreis Wesel geben, die mobilen Ersthelfer, die bei Notfällen noch vor dem Rettungsdienst am Einsatzort sein können. Vor allem in abgelegenen Gegenden, von denen es zwischen Hamminkeln und Neukirchen-Vluyn ja einige gibt, kann so wertvolle Zeit gewonnen werden.

Laut dem Deutschen Rat für Wiederbelebung erleiden in Deutschland jährlich mehr als 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses.

Wiederbelebung oft einfach zu spät

Nur zehn Prozent der Betroffenen überleben, da wegen der Eintreffzeit des Rettungsdienstes mit durchschnittlich neun Minuten die Wiederbelebungsmaßnahmen häufig erst zu spät beginnen.

Bei einer flächendeckenden schnellen medizinischen Erstversorgung dieser lebensbedrohlichen Notfälle könnten laut Schätzung mehr als 10.000 Menschenleben pro Jahr in Deutschland gerettet werden.

Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde: Medizinisch qualifizierte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe zum Notfall befinden, sollen künftig durch die GPS-Komponente ihrer Smartphones geortet und durch die Leitstelle automatisch parallel zum Rettungsdienst alarmiert werden.

Lebensrettende Maßnahmen

Denn mobile Ersthelfer können allein durch die örtliche Nähe sehr oft schneller als der Rettungsdienst am Notfallort sein und dort bis zu dessen Eintreffen bereits qualifizierte lebensrettende Maßnahmen einleiten, die gerade in den ersten Minuten oft entscheidend sind.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Verkehr, Rettungswesen und Ordnungsangelegenheiten des Kreises Wesel ging es unter anderem um die Qualifikation dieser Helfer. Wie Klaus-Peter Roelvinck, Koordinator für den Rettungsdienst, erläutert, habe sich der Kreis Wesel für den Anbieter „Corhelper“ entschieden, der bereits im Kreis Borken sowie in der Stadt Duisburg im Einsatz ist.

Therapiefreies Intervall verkürzen

„Ziel ist die Verkürzung des therapiefreien Intervalls“, erklärt Roelvinck.

Im Kreis Wesel ist laut Rettungsdienstbedarfsplan das Ziel, dass in 90 Prozent der Fälle der Rettungsdienst innerhalb von zwölf Minuten vor Ort ist. „Aber auch acht Minuten können zu spät sein“, fügt Roelvinck hinzu. Und falls ein qualifizierter Ersthelfer ohnehin in der Nähe ist, soll er künftig ebenfalls losgeschickt werden.

Mit dieser neuen Alarmierungs-App wird in so eine qualifizierte Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sichergestellt. Die dazugehörige App navigiert alarmierte Ersthelfer auch direkt zum Einsatzort.

Dem Kreis Wesel, der in den kommenden drei Monaten mit der Suche nach geeigneten Ersthelfen beginnen wird, ist diese Maßnahme pro Jahr 35.000 Euro Wert. Hinzu kommt noch eine Versicherung für die freiwilligen, ehrenamtlichen Ersthelfer. Starten könnte das System dann im kommenden Jahr.

>>> DIE NOTFALLSEELSORGER SOLLEN BESSER GESTELLT WERDEN:

Im Jahr 2019 waren die Notfallseelsorger 406 Mal unterwegs. Nachdem der Ausschuss für Verkehr, Rettungswesen und Ordnungsangelegenheiten des Kreises Wesel bereits im vergangenen Jahr dafür plädiert hatte, dass eine Möglichkeit gefunden werden soll, wie die aktuell rund 40 ehrenamtlichen Kräfte für entsprechende Einsätze freigestellt werden können, präsentierte die Verwaltung nun eine Lösungsmöglichkeit: Die Notfallseelsorge und Einsatznachsorge wird künftig eine Regie-Einheit des Kreises Wesel sein.

Durch diese organisatorische Zuordnung werden die Einsatzkräfte der Notfallseelsorge dann den ehrenamtlichen Helfern der anerkannten Hilfsorganisationen gleichgestellt. Sie sind dann von ihren Arbeitgebern für Einsätze freizustellen und erhalten gegebenenfalls auch entstehenden Verdienstausfall erstattet.

Der Ausschuss sprach sich einstimmig für diese Lösung aus. Die letzte Entscheidung hat der Kreistag, der am 8. Oktober tagt.

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