Landwirtschaft

Modell für grundwasserschonende Landwirtschaft in Hamminkeln

Das Reizthema Gülle erhitzt derzeit die Gemüter. Eine Modellregion, in der das Grundwasser geschont wird, steht in der Kritik. 

Foto: Philipp Schulze

Das Reizthema Gülle erhitzt derzeit die Gemüter. Eine Modellregion, in der das Grundwasser geschont wird, steht in der Kritik.  Foto: Philipp Schulze

Kreis Wesel/Hamminkeln.   Die Nitratwerte der Region übersteigen die Grenzwerte. Der Vorschlag einer Modellregion grundwasserschonende Landwirtschaft erhitzt die Gemüter.

Eine Modellregion für grundwasserschonende Landwirtschaft im Kreis Wesel, genauer: in Hamminkeln – das will der Kreisumweltausschuss, wenn auch mit nur einer Stimme Mehrheit. Obwohl bereits seit März auf Antrag der Grünen diskutiert, kocht jetzt die öffentliche Diskussion hoch. Voreilig, findet Helmut Czichy vom Vorstand der Kreisverwaltung: „Wir haben nun den Auftrag, mit allen Beteiligten den Gesprächsfaden aufzunehmen“, erläutert er. „Für den 23. November soll es eine Einladung geben.“ Dann könne man reden und die Chancen ausloten, ein Anfang.

Wasserwerke machen es vor

Der Vorschlag, Hamminkeln als Region für das Modell auszuwählen, stammt von der Kreisverwaltung: In vielen Gebieten des Kreises Wesel ist das Grundwasser mit Nitrat über die Grenzwerte hinaus belastet – durch Gülle, Jauche, Gärreste und Kunstdünger. In Hamminkeln wurden zu hohe Nitrat- und Ammoniumstickstoffwerte gemessen. Ob die neue novellierte Düngeverordnung des Landes langfristig daran etwas ändern kann, das hält die Verwaltung für fraglich – eine Aussage, die vor allem die Landwirtschaft aufbringt.

Es gibt bereits lokale Lösungsansätze, Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirten, die im Wasserschutzgebiet wirtschaften. Für ihren Mehraufwand und Ertragsausfall zahlen die Wasserwerke den Bauern Entschädigungen. „Die Landwirte sind durchaus zufrieden mit der Kooperation“, sagt Czichy. Laut Verwaltung sinken dort die Nitratwerte tatsächlich. Auch die Landwirtschaftskammer betreut Modellbetriebe, um das Grundwasser zu schonen. Rund ein Viertel des Kreisgebietes ist Wasserschutzzone, in der es Kooperationen gibt, allerdings gibt es nur vereinzelte Modellbetriebe.

Modell wissenschaftlich begleiten

Nach bisheriger Vorstellung soll die Modellregion dem Beispiel der Wasserversorger folgen, deren Erfahrungen helfen könnten. Die Bauern würden beraten, neue Bewirtschaftungsformen sollen den Nitrateintrag ins Grundwasser drosseln, die Verwaltung nennt Zwischenfruchtanbau, Untersaat und Unterfußdüngung bei Maiskulturen als Beispiel. Sie schlägt auch vor, Gülle aus der Region heraus zu bringen, an Güllebörsen oder Regionen mit wenig Vieh – gegen einen solchen Gülleexport haben sich die Grünen bereits ausgesprochen. Das Modell soll wissenschaftlich durch das Landesumweltministerium begleitet werden, vom Land könnten auch die Kompensationskosten für Bauern kommen.

Der Kreistag kann die Modellregion nicht anordnen

Inzwischen streiten die Beteiligten öffentlich: Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel, Wilhelm Neu, kritisiert, dass der Kreisumweltausschuss beschließt, ohne die Bauern zu fragen – er verweist auf die hohen bürokratischen Anforderungen, die schon die neue Düngeverordnung mit sich bringe. „Das ist uns bewusst. Wir werden bestimmt nicht etwas in dieser Weise obendrauf setzen“, sagt Czichy. Charlotte Quik, CDU-Landtagsabgeordnete, wittert „ideologisch motivierten Aktionismus“, man müsse erstmal die Auswirkungen der Düngeverordnung abwarten.

Auch Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski fühlt sich übergangen. Da offensichtlich alle Betroffenen Hamminkelner sind, will er sie an einen Tisch holen. Klar ist: Verordnen kann der Kreis eine Modellregion ohnehin nicht, „dazu fehlt die Gesetzesgrundlage“, so Helmut Czichy. Er kann sie aber organisieren.

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