Landwirtschaft

Morgens um vier ist auf dem Weseler Hof die Nacht zu Ende

Einmal melken, bitte! Im Kuhkarussell auf dem Bauernhof in Wesel-Obrighoven geschieht das nahezu automatisch.

Einmal melken, bitte! Im Kuhkarussell auf dem Bauernhof in Wesel-Obrighoven geschieht das nahezu automatisch.

Foto: Erwin Pottgießer

Wesel.   Die Mitglieder des Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksausschusses informierten sich auf dem Bauernhof von Carsten Schmäh über aktuelle Themen.

220 Milchkühe, dazu 115 Färsen (weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben), 65 Kälber, ein Zuchtbulle, sieben Pferde und 20 Legehennen - das ist die tierische Belegschaft auf dem Lühlshof in Obrighoven. Während die Kühe vor dem Kuhkarussell Schlange stehen, um gemolken zu werden, stellt Landwirt Carsten Schmäh den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksausschusses seinen Betrieb vor. 172 Hektar groß ist er, unter anderem bestückt mit Dauergrünland, Silomais und Getreide, aber auch einem geringen Anteil Niederwald.

Ein Familienbetrieb

Hier arbeitet noch die ganze Familie mit. Vater, Mutter, dazu ein Partner aus Drevenack in Form einer KG, aber auch Angestellte und Azubis. Dazu gibt es zahlreiche eigene Maschinen und eine Maschinengemeinschaft, außerdem kommen Lohnunternehmer zum Einsatz, etwa, wenn es um das Ausfahren von Gülle geht. Dieses Reizthema möchten die extra zu diesem Termin vorbeigekommenen Landwirte den Politikern näher bringen und aufklären. Denn es sei mitnichten so, wie die Presse immer schreibe, dass Gülle einfach auf die Flächen gekippt werde. Der Beweis steht neben den Ställen. Ein riesengroßes Fahrzeug, das die stinkende Masse wohl dosiert auf die Erde bringt. Das Schleppschuhverfahren sei ideal für Grünland, sagt Schmäh und rechnet vor, dass man in diesem Herbst gerade einmal zwei Liter pro Quadratmeter ausgebracht habe. Zudem stimmten die Geschichten, dass die niederrheinischen Felder mit Gülle aus Holland überschüttet würden, nicht.

Doch zurück in den Kuhstall. Dort werden in 75 Minuten 200 Kühe von einer Person gemolken - natürlich mit Hilfe des Milchkarussells. 30 Liter gibt eine Kuh im Durchschnitt, Milch, die zu der einzigen niederrheinischen Molkerei gebracht wird, zu Dr. Oetker in Moers. Ab dem Frühjahr legt das Unternehmen wert darauf, dass ausschließlich gentechnikfreies Futter verfüttert wird, und es gibt 4 Cent mehr pro Liter Milch, wenn die Kühe einen so genannten Laufhof haben, den sie Tag und Nacht nutzen können. 100.000 Euro würde ihn das kosten, rechnet Schmäh vor, der außerdem von dem vielen Papierkram berichtet, den er in seinem Büro erledigen muss. Dokumentationen, Kontrollen - es ist eine Menge Arbeit abseits der reinen Landwirtschaft. Dabei sind alle Tätigkeiten eng getaktet. Schon morgens um Viertel nach vier schaut der Bauer nach seinen Tieren, abends um zehn gibt’s dann die letzte Runde durch den Stall. Am Vorabend des Politbesuchs hat eine Kuh gekalbt. Da musste Carsten Schmäh mit anpacken, weil der Kopf zuerst zu sehen war. Dass die Mutterkuh eigentlich Zwillinge auf die Welt gebracht hätte, entdeckte der Obrighovener erst am nächsten Tag. Da war das zweite Kälbchen allerdings bereits tot.

Burger mit Fleisch aus Obrighoven

Zum Schlachthof geht es übrigens höchstens bis Bochum, sagt Schmäh, der außerdem darauf verweist, dass ein Weseler Burgerladen auf das Fleisch der Obrighovener Kühe setzt. Ein, zwei Tiere nimmt der Betrieb ihm im Monat meist ab.

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