Umwelt

Müll-Mentalität greift um sich

Günter Engelmann vom Hegering Wesel beteiligte sich an der Aktion „Wesel räumt auf“.

Günter Engelmann vom Hegering Wesel beteiligte sich an der Aktion „Wesel räumt auf“.

Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann

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Kreis Wesel. Auf den Bänken am Viehtor sitzt man zu Tisch. Nach dem Essen wird nicht abgeräumt, obwohl der Müllbehälter wenige Schritte entfernt ist. „Was geht dich das an?“ sagt eine Mitesserin, als jemand sie darauf anspricht. Es wird gemüllt. Fast überall und massenweise. „Im Moment ist es ganz schlimm. Viele schmeißen raus und weg“, sagt Klaus Lehmann im Hünxer Rathaus. Von einer „stärkeren Müllansammlung“ spricht sein Weseler Kollege Gerd Füting: „Eine gewisse Mentalität macht sich breit.“

Der Obrighovener Peter Tebbe kann die Viehtor-Szene bestätigen. Eine Schülergruppe an der Feldstraße hat die Verpackung ihrer Einkäufe einfach unterwegs fallen lassen. Das sei doch nicht sein Problem haben die jungen Leute ihm gesagt. Es gibt ja andere, die den Müll weg machen. Das lernen sie zu Hause, wo Eltern ihnen immer häufiger die Sachen hinterher tragen und immer seltener Vorbild sind, wie Ulrich Streich sagt. Seine Leute vom ASG sind die „Aufräumer“ im öffentlichen Raum, auf Bürgersteigen, in der Fußgängerzone, in Grünanlagen. „Dafür bezahlen wir schließlich Steuern und Gebühren“ ist eine weit verbreitete Haltung.

Alles voller Fast Food-Schachteln

Die zunehmend technisierte Gesellschaft erzieht zur Bequemlichkeit und zum Wegwerfen. Zum Beispiel am Wendehammer an der Rudolf-Diesel-Straße hinter Real. Dort verteilt der Wind Berge von McDonald’s-Schachteln auf den Feldern. Abends stehen hier die Autos reihenweise im Halteverbot. In ihnen wird gemampft. Der Weg zur Mülltone auf dem Wende-Rondell ist kurz, aber viel zu anstrengend.

Abends verlassene Firmengelände oder Waldwege erleben Gleiches. SPD-Ratsherr Tebbe hat Anträge gestellt, damit die Stadtwacht dagegen vorgeht. „Ich habe deren Mitarbeiter an dem Wendehammer noch nie gesehen“, sagt er. Er habe halt nur fünf Leute für das gesamte Stadtgebiet, so Füting. Die arbeiten in zwei Schichten, im Sommer bis 22 Uhr, können nur etwas ausrichten, wenn sie Umweltsünder auf frischer Tat erwischen. „Ganz selten“ zeigten die Betreffenden Einsicht. Als Ausrede ließen sie sich „irgendwelchen Unsinn einfallen“, so Füting.

Verfahren oft ergebnislos

Falls man Verursacher ausfindig macht. Ein von Zeugen notiertes Autokennzeichen ist hilfreich, „eine bloße Anschrift reicht vor Gericht nicht“, sagt Heidi Simanowitz, beim Kreis Wesel zuständig für Abfallentsorgung. Die Gefassten haben Phantasie, wenn es gilt, unbekannte Täter ins Spiel zu bringen. „Verfahren werden oft eingestellt“, sagt Thomas Michaelis für die Stadt Hamminkeln, wo der Bruchweg und Feldwege an der Issel von Umweltsündern bevorzugte Abkipp-Orte sind.

Die Abkipper wollen Ausgaben sparen. Dabei brauchen sie Sperrmüll zum Abholen nur vor die Haustür zu stellen. „Kostenlos, so oft sie wollen“, sagt Gerd Abelt zum Abhol-Service der Gemeinde Schermbeck. Wesel hat den Wertstoffhof, wo, ebenso wie in Hünxe, die Abgabe von Elektronikschrott frei ist und die Gebühr für Bauschutt in gewöhnlichen Mengen drei oder fünf Euro kostet. In Schermbeck müsste man einen Containerdienst aufsuchen oder kommen lassen. Da fahren manche damit lieber in den Wald.

Aber Grünschnitt geht doch? In Wesel etwa gerne im Glacis. Besser nicht, weil der Waldboden leicht übersauert, erklären die Fachleute. Unwissenheit ist indes selten der Hintergrund fürs Abkippen.

Sogar Elefanten-Mist

In Hünxe, wo schon Parkplätze an Wanderwegen wegen des Müllproblems dicht gemacht wurden, hat einer netterweise direkt vor dem Entsorgungsbetrieb seinen Müll abgeladen. Und am Samstag mussten die Betriebshof-Mitarbeiter nach Drevenack ausrücken, um 30 Kubikmeter Mist vom Dicksweg zu entsorgen. Offenbar war es ein Zirkus, der ausgemistet hatte. „Da war auch Elefantendung dabei“, so Klaus Lehmann.

50 Euro Bußgeld kann die Stadt Wesel kassieren, wenn Verpackungsmüll der Umwelt anvertraut wird. Erst kürzlich hat sie ihren Bußgeld-Rahmen nach oben hin angepasst. Wer gezielt Abfall illegal entsorgt, kann dafür aber auch bis zu 100 000 Euro los werden, wie Heidi Simanowitz von der Kreisverwaltung sagt. Gar nicht so selten werde ermittelt, sagt sie, und sicherlich werde abgeschreckt. Wiederholungstäter gebe es kaum.

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