Leben in der Lippe

Mützenschnecken mögen die Lippe in Schermbeck

Die Mützenschnecke in ihrer natürlichen Umgebung.

Die Mützenschnecke in ihrer natürlichen Umgebung.

Foto: EGLV / NRZ

Schermbeck.  Die sensiblen und gefährdeten Mützenschnecken leben in der Lippe in Schermbeck.. Der Lippeverband beobachtet das Leben im Fluss.

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Obwohl fossile Funde belegen, dass es Mützenschnecken schon vor 2,6 Millionen Jahren gab, ist diese Schneckenart mit dem lateinischen Namen „Ancylus fluviatilis“ äußerst sensibel – in einigen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

„Die Mützenschnecke ist nicht sehr mobil, ihr Radius beschränkt sich in der Regel auf einen Meter. Daher braucht es bis zur Besiedlung von renaturierten Gewässerabschnitten immer ein wenig Zeit“, weiß Sylvia Mählmann, Biologisch-Technische Assistentin des Lippeverbandes.

Reisen als blinder Passagier mit Vögeln und Käfern

Entweder driften die Schnecken ein Stück mit der Strömung oder reisen als „blinde Passagiere“ am Bein eines Vogels oder eines großen Wasserkäfers weiter. Doch wo kann man die Miniaturschnecken im Wasser entdecken? Die Mützenschnecke hat kein rundes Häuschen, wie Gartenschnecken es mit sich herumtragen.

Ihr gewindeloses Haus ähnelt eher einer leicht nach hinten gebogenen, spitzen Mütze. Das Gehäuse ist dabei dünnwandig und bei älteren Tieren oft mit einer Algenschicht bewachsen. „Mit ihrer mützenförmigen Schale ist diese Schnecke perfekt an das Leben in fließenden Gewässern angepasst. Sie saugt sich mit einer breiten Fußscheibe an Steinen fest und ‚grast‘ Algen und Flechten ab“, beschreibt Mählmann.

Vielfältiger Schneckensex dient der Arterhaltung

Die Nahrung verdauen die Tiere mit Hilfe von Sandkörnern im Muskelmagen. Sitzt die Mützenschnecke einmal„auf dem Trockenen“, übersteht sie Wassermangel durch kurzfristiges Festheften am Steinuntergrund.

Vielfältiger Schneckensex dient der Arterhaltung. Mützenschnecken müssen nicht zwangsläufig auf Partnersuche gehen, wenn sie sich fortpflanzen wollen. Stimmt die Wassertemperatur im Frühjahr, kann die Mützenschecke als Zwitter ihre Rolle beliebig tauschen, da sie zwei Geschlechtsorgane hat.

Teilweise bilden die Schnecken sogar ‚Kopulations-Ketten‘ von vier bis fünf Tieren. Doch noch häufiger findet die Selbstbefruchtung statt, was einen enormen Überlebensvorteil bringt: So kann aus einem einzelnen Tier eine komplett neue Population entstehen.

Der Laich der Mützenschnecke besteht aus kleinen durchsichtigen Gallertscheiben, die sie fest an den Untergrund kittet. Insgesamt kann eine erwachsene Schnecke bis zu 100 Eier legen. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die kleinen, weniger als ein Millimeter großen Schnecken und haben dann eine Lebenserwartung von rund einem Jahr.

Wirbellose Wassertiere sind ein wichtiger Indikator für die Wasserqualität

Fließgewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft. Sie bieten Menschen nicht nur Erholung, sondern sind als Ökosysteme unverzichtbar und schützenswert. Ein Großteil der Wasserlebewesen sind wirbellose Tiere (Makrozoobenthos), die häufig am Boden oder Rand des Gewässers leben. Dazu gehören unter anderem auch Wasserinsekten, Krebstiere, Schnecken und Muscheln. Sie sind ein wichtiger Indikator für die Wasserqualität. Denn nur ein natürliches Gewässer weist eine hohe Anzahl und Vielfalt wirbelloser Tiere auf.

Durch das Programm „Lebendige Lippe“ soll sich der längste Fluss in NRW natürlicher entwickeln. Diese Veränderungen erfassen die Lippeverbands-Mitarbeiter des Labors anhand von Probenahmen entlang der Lippe und ihrer Nebenläufe. Dabei untersuchen sie regelmäßig insgesamt 431 Kilometer Wasserläufe im Verbandsgebiet.

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