Kriminalität

Nächtliche Zerstörungswut in Hünxe - Täter vor Gericht

Ein zerstochener Autoreifen: So oder so ähnlich sah es am Karfreitag-Morgen bei vielen Autos in Bruckhausen aus

Foto: imago stock&people

Ein zerstochener Autoreifen: So oder so ähnlich sah es am Karfreitag-Morgen bei vielen Autos in Bruckhausen aus Foto: imago stock&people

Hünxe.  Drei Heranwachsende aus der Nachbarschaft, die in der Nacht zu Karfreitag 32 Straftaten begangen hatten, wurden jetzt verurteilt.

Die Nacht zu Karfreitag diesen Jahres dürfte noch heute für viele Hünxer in schlechter Erinnerung sein: Drei Jugendliche (seinerzeit 17, 18 und 19 Jahre alt) aus der Nachbarschaft zogen damals durch die Straßen von Bruckhausen und begingen bis zum nächsten Morgen mindestens 32 Straftaten, mit denen sie einen Schaden von mehreren tausend Euro anrichteten.

Dienstag wurde das Trio dafür vom Weseler Schöffengericht verurteilt. Die drei Heranwachsenden beschädigten unter anderem über 20 Autos – so zerstachen sie an mehreren Fahrzeugen Reifen, zerkratzten den Lack, demolierten Spiegel und rissen Hersteller-Embleme ab. Zudem sprühten sie Graffitis an Gebäude und Straßen. Und sie brachen in eine Tankstelle ein, bei der sie eine Fensterscheibe zerstörten und acht Schachteln Zigaretten mitgehen ließen.

Zuvor hatten sich die drei Heranwachsenden mit einer Flasche Wodka Mut angetrunken und zogen dann gegen 22 Uhr los zu ihrer Vandalismus-Orgie, die das Trio zu Beginn der Verhandlung immerhin komplett einräumte.

„Was habt ihr euch dabei nur gedacht?“, fragte der vorsitzende Richter die Jugendlichen, die auf diese Frage überhaupt nicht reagierten sondern nur wie abwesend auf den Boden starrten.

Während die beiden seinerzeit 17- und 18-Jährigen nach der Auflistung von 32 einzelnen Taten durch die Staatsanwältin nur sagten „Ja, das stimmt alles“, relativierte der 19-Jährige seine Tatbeteiligung etwas: „Ich habe nur zwei bis vier Schachteln Zigaretten mitgenommen.“ Doch auch er gab zu, bei dem stundenlangen zerstörerischen Streifzug mitgegangen zu sein.

Weil dieser Jugendliche erstmals straffällig wurde und deutlich weniger als die beiden anderen bei den Taten mitwirkte, wurde er deutlich milder bestraft: Neben einer Verwarnung, wurde er zu einer Woche in Dauerarrest verurteilt und muss 50 Stunden sozialen Hilfsdienst absolvieren.

Die beiden jüngeren Täter kamen nicht so glimpflich davon, sie erhielten eine neunmonatige Jugendstrafe auf Bewährung, bekommen einen Bewährungshelfer an ihre Seite und müssen 150 Sozialstunden leisten. Strafverschärfend wirkten sich bei beiden vor allem ihre zahlreichen Vorstrafen aus.

Jugendgerichtshilfe: „Die Aussichten sind düster.“

Die Staatsanwältin forderte für den damals 18-Jährigen sogar eine einjährige Jugendstrafe ohne Bewährung. Vor allem wegen seiner extrem schlechten Sozialprognose.

Vor Gericht war er beispielsweise noch nicht einmal bereit, seinen aktuellen Wohnsitz zu nennen. Er sagte nur: „Ich lebe jetzt bei meiner Perle.“ Aus vorherigen Verurteilungen hat er offenbar nichts gelernt.

Auch die Jugendgerichtshilfe, die berichtete, der Angeklagte habe leider alle Hilfsangebote des Jugendamtes abgelehnt, kam zu keiner günstigen Prognose, sondern zu dem Urteil: „Die Aussichten sind düster.“

Immerhin leichte Hoffnungs-Zeichen gab es bei dem zur Tatzeit 17-jährigen Randalierer. Er scheint seit einigen Wochen in einer für ihn passenden Einrichtung in Oberhausen zu leben, die ihm vielleicht helfen kann, auf die richtige Bahn zu kommen.

Was ihm der Richter in seiner Urteilsbegründung allerdings sehr negativ anrechnete: Nur neun Tage vor der Vandalismus-Nacht war er wegen anderer Straftaten verurteilt worden.

Richter wurde deutlich: „Das war eine Riesensauerei!“

Der Richter nannte es „eine Riesensauerei“, was das Trio dort angerichtet habe. Er begründete, warum er die Strafe aber zur Bewährung aussprach, so: „Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, viel Hoffnung besteht aber nicht.“

Vor allem aber habe das Gericht die unmittelbare Wirkung auf die Angeklagten berücksichtigt: Denn bei einer Verurteilung zu einer Haftstrafe ohne Bewährung sei mit einer Berufung zu rechnen – und bis zur neuen Verhandlung hätten dann Monate ins Land gehen können, in denen die Täter sich erstmal quasi wie nicht bestraft gefühlt hätten.

Mit dem jetzigen Urteil und dem Bewährungshelfer an der Seite der Verurteilten – sowie der langen Bewährungszeit von drei Jahren – hofft das Gericht auf eine Wende im Leben der jungen Straftäter. „Es hängt jetzt nur an Euch“, sagte der vorsitzende Richter.

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