Umweltschutz

Naturschützer: Die Issel ist hoch mit Nitrat belastet

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Der VSR-Gewässerschutz kritisiert die hohe Nitratbelastung der Issel.

Der VSR-Gewässerschutz kritisiert die hohe Nitratbelastung der Issel.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Die Ergebnisse der Nitratmesskampagne des VSR-Gewässerschutz sind da: Es ist zuviel Nitrat in der Issel, die Grenzwerte werden überschritten.

Im Rahmen seiner Nitratmesskampagne kommt der VSR-Gewässerschutz nach Auswertung der Messfahrt an der Issel im Frühjahr 2019 zu einem erschreckenden Ergebnis: Die intensive Landwirtschaft in den Kreisen Wesel und Borken führt dazu, dass der gesamte Flusslauf viel zu hohe Nitratwerte aufweist. Auffällig ist, dass gerade die Einleitungen von Kläranlagen in die Issel zu einer starken Reduzierung der Nitratbelastung führen. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte das Wasser für einen guten Zustand höchstens 2,5 mg/l Nitratstickstoff beinhalten. Das entspricht umgerechnet 11 mg/l Nitrat. Diese Vorgaben werden an der Issel um ein Vielfaches überschritten.

Der VSR-Gewässerschutz fordert daher Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser auf, dringend zu handeln. Bereits in der Isselquelle fanden die Umweltschützer 77,5 mg/l Nitrat. Die Quelle liegt inmitten landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebietes in der Nähe von Raesfeld. Das Landschaftsbild ändert sich im weiteren Gewässerverlauf nur wenig. Die Felder reichen fast überall bis an den Bach. Südlich von Havelich mündet der Waldbach, der mit 50,5 mg/l geringer belastet ist, da hier das Abwasser der Kläranlage Raesfeld eingeleitet wird. Bis Marienthal sinkt die Nitratkonzentration in der Issel dadurch auf 61,3 mg/l. Die mit 37,9 mg/l nitratbelastete Drevenacker Landwehr mündet wenige Meter nördlich der Bärenschleuse in die Issel und schwächt den Wert nur geringfügig auf 59,2 mg/l ab.

Abwässer der Kläranlagen verringern die Belastung

Die beiden Nebenbäche, der Brüner Mühlenbach mit 38,9 mg/l Nitrat und der Wolfsgraben mit 29,5 mg/l, sind deutlich geringer belastet als die Issel. Aber auch der Zufluss dieser Bäche senkt die Nitratkonzentration bis nach Ringenberg nur auf 55,2 mg/l Nitrat. Es zeige sich, dass nicht nur die Issel, sondern auch alle Nebenbäche durch die intensive Landwirtschaft eine viel zu starke Belastung aufweisen, so der VSR-Gewässerschutz. „Erst durch die Zuflüsse gereinigter Abwässer der örtlichen Kläranlagen ist eine geringere Nitratbelastung der Issel festzustellen“, so Dipl. Oecotrophologin Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Aus diesem Grund komme es zu einer hohen Reduzierung der Nitratwerte in Hamminkeln – hier beträgt die Belastung nur noch 49,2 mg/l. Bis nach Loikum veränderten sich die Werte kaum. Durch den Zufluss der Alten Aa mit 5,2 mg/l komme es zu einer weiteren Verringerung der Nitratwerte. Auch hier wird Abwasser der Bocholter Kläranlage über die Alte Aa der Issel zugeführt. Dadurch stellten die Gewässerschützer bei Werth eine geringere Nitratkonzentration von 43,2 mg/l fest. In Isselburg kommt es durch die ortsansässige Kläranlage zu einer weiteren Verbesserung der Wasserqualität, so dass in Anholt die Nitratwerte auf 38,7 mg/l Nitrat absinken. Das ist immer noch eine viel zu hohe Nitratkonzentration.

Naturschützer fordern mehr ökologische Landwirtschaft

Mit dieser sehr hohen Belastung verlässt die Issel Deutschland und transportiert die Nitrate in die Niederlande. Der VSR-Gewässerschutz wurde nach eigenen Angaben in der Vergangenheit scharf von den Landwirtschaftsverbänden für die Aussage kritisiert, dass die intensive Landwirtschaft die Hauptursache der Nitratbelastung sei. Sie behaupten, dass die Kläranlagen vor allem Verursacher der hohen Nitratwerte sind. Das Ergebnis der Messfahrt zeige jedoch eindeutig, dass die Kläranlagen zu einer Verringerung der Nitratbelastung in der Issel beitragen. „Wenn die Fließgewässer durch Ackerflächen mit intensiver Landwirtschaft führen, nehmen die Nitratkonzentrationen zu. Dagegen nehmen die Nitratbelastungen ab, wenn die Gewässer durch Regionen mit viel ökologischem Landbau fließen“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Doch davon gebe es im Einzugsgebiet der Issel leider viel zu wenig.

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