Coronapandemie

Neue Regeln auf Spielplätzen? Eltern in Wesel sind skeptisch

Aida Heinrich ist skeptisch, ob es auf einem Spielplatz klappt, mit nur einem anderen Kind zu spielen.

Aida Heinrich ist skeptisch, ob es auf einem Spielplatz klappt, mit nur einem anderen Kind zu spielen.

Foto: Elisabeth Hanf / NRZ

Wesel.  Im Gespräch ist bei der Landesregierung die Ein-Kind-Regel auf Spielplätzen. Das halten viele in Wesel nicht für möglich.

Ein ruhiges Plätzchen hat sich Aida Heinrich auf dem Mölderplatz ausgesucht. Während sie dem Baby im Kinderwagen das Fläschchen gibt, toben ihre beiden älteren Kinder auf den Spielgeräten. Zu den Geschwistern gesellen sich bald weitere Kinder. Noch. Sollte es dazu kommen, dass es in dieser Woche zu der Ein-Kind-Regel kommt, heißt, dass sich Kinder nur noch mit ein und demselben Freund treffen dürfen, wird ein Spielplatz zum Spielfeld für Streitschlichter.

Allein das Abstandhalten auf Spielplätzen ist ein Problem. „Die Kinder lieben es, draußen zu spielen, je mehr Kinder umso besser“, weiß Aida Heinrich. „In unserem Haus wohnen mehrere Familien mit Kindern, die auch miteinander spielen. Muss ich dann sagen, nur du darfst mit in die Wohnung und du nicht“, fragt die Mutter skeptisch. „Und wie will ich, wenn ich mit mehreren Kindern zum Spielplatz gehe, verhindern, dass meine Kinder mit anderen Kindern Kontakt aufnehmen?“ Wenn es zu der Kontakteinschränkung bei Kindern kommen sollte, dann kann es ihrer Meinung nach nur eine Lösung geben, „die Spielplätze müssten geschlossen werden. Was für unsere Kinder sehr traurig wäre.“ Insbesondere, wenn man keinen eigenen Garten hat.

Schließen ist für viele auch keine Lösung

Spielplätze wie beim ersten Lockdown zu schließen, hält auch Natascha Balzer für „falsch“. Sie radelt mit ihren Kindern, wann immer es das Wetter zulässt, zum Spielplatz am Rhein. Selbst ihr elfjähriger Sohn Marcel fühlt sich hier noch wohl und leistet seiner Schwester Zoe Gesellschaft. Gerade hat sie im Sandkasten eine Burg gebaut, als ein kleines Mädchen die Vierjährige fragt, „darf ich auch mit bauen?“ Zoe bejaht es, doch kurze Zeit später kommt das nächste Kind. „Glücklicherweise hatte Zoe dann auch keine Lust mehr und wir sind weitergefahren“, erzählt ihre Mutter.

Da beide Kinder jeweils einen festen Freund beziehungsweise eine Spielgefährtin haben, kann sich die Mutter vorstellen, eine mögliche Verschärfung der Kontaktbeschränkung umsetzen zu können. Anders sieht es bei einer Großfamilie aus, die sich regelmäßig auf dem Spielplatz trifft. Die Geschwister, Cousins und Cousinen spielen oft zusammen. Wie soll man insbesondere den kleineren Kindern klarmachen, dass sie sich nur noch einen Spielkameraden aussuchen dürfen, fragt sich ein Vater, „wo sie doch auch in der Schule zusammentreffen“. Auf den Spielplätzen tragen die wenigsten Eltern Masken. „Das wäre beispielsweise eine Maßnahme“, schlägt eine Mutter vor.

Kinder brauchen den Kontakt

Katharina Kiehle ist in diesem Jahr mit Ehemann und Kindern von Köln nach Wesel gezogen. Die beiden Kinder Mia (6) und Erik (4) spielen viel miteinander. „Aber nicht nur, die Kinder brauchen auch den Kontakt zu anderen Kindern.“ Dabei erinnert sie sich an eine Szene im Frühjahr kurz nach dem Lockdown. Im Sandkasten wirft ein Kind sein Schäufelchen einem anderen Kind zu, um auf sich aufmerksam zu machen. Schon ist das gemeinsame Spielen eröffnet. Zur großen Freude beider Kinder.

Im Frühjahr hatte Familie Kiehle den Kontakt auf eine befreundete Familie beschränkt, die ebenfalls Kinder hat. „Wir sind beispielsweise einmal in der Woche gemeinsam in den Wald gefahren“, erzählt Katharine Kiehle. Im Vergleich zu Köln sei Wesel ideal. „Dort sind die Spielplätze überlaufen, hier fahre ich oft mit den Kindern zum Auesee-Spielplatz, wo wenig Betrieb herrscht.“

Wie vermittelt man Kleinkindern Kontaktverbot?

Auch ohne Verbote gelingt es den meisten Eltern, die Kontakte der Kinder zu minimieren. Allerdings Kleinkindern zu vermitteln, was sie in Quarantäne nicht dürfen, ist fast unmöglich, wissen mehrere Eltern zu berichten, deren Kinder wegen einer Gruppenschließung in der Kita betroffen sind. Sie sind sich einig, dass eine Kontaktbeschränkung auf eine Person bei jüngeren Kindern schwer umsetzbar ist und auch zu Konflikten unter den Kindern führen kann, wenn es etwa um die Auswahl des nur einen Freundes geht. „Warum willst du nur mit ihr spielen, nicht mit mir!“ wurde als Beispiel genannt. Vielmehr trauen sie sich zu, selbst Obacht zu halten, dass die Kinder nicht in größeren Gruppen zusammenspielen, was sie natürlich während der Schulzeit nicht garantieren können.

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