Operngesang trifft Jazz

Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Er war das Sahnehäubchen eines rundum gelungenen Wochenendes: Zum Abschluss des Sommerton-Festivals am Schloss Diersfordt zog Pianist Ketil Bjørnstad die Zuhörer am Flügel in den Bann.

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Er war das Sahnehäubchen eines rundum gelungenen Wochenendes: Zum Abschluss des Sommerton-Festivals am Schloss Diersfordt zog Pianist Ketil Bjørnstad die Zuhörer am Flügel in den Bann.

Hierzulande dürfte der Norweger vor allem als Schriftsteller bekannt sein. Sein Roman „Vindings Spiel“ stand beispielsweise auf der Spiegel Bestsellerliste. Doch der 65-Jährige versteht es nicht nur in seinen Büchern, Spannung aufzubauen und zu fesseln. Gebannt sogen die Zuhörer in der ausverkauften Rokoko-Kapelle seine Musik auf.

Ursprünglich kommt Ketil Bjørnstad aus der Klassik, wendete sich aber bald dem Jazz zu. Am Sonntag zeigte er ein beeindruckendes Improvisationsvermögen. Immer wieder verlor er sich in feinen Klängen, nur um bald darauf erneut zu sich wiederholenden Mustern zurückzukehren. Ruhig und bedächtig saß Bjørnstad vor seinem Instrument und liebkoste mit den Fingern die Tasten. Hier und da wurde sein Klavierspiel jedoch kräftiger. Schnelle Fingerläufe, wie ein Gewitter aufziehend, donnerten über das Publikum hinweg und klangen sachte wieder aus.

Auf die Zuhörer wartete noch eine besondere Überraschung: Zum Ende des Konzertes kam der Saxophonist und Sänger Håkon Kornstad mit auf die Bühne. Er war bereits am Samstag auf dem Sommerton-Festival aufgetreten und hatte vom Publikum viel Zuspruch erhalten. Er begleitete Bjørnstad abwechselnd auf dem Saxophon und mit seiner Stimme. Dadurch entstand eine Verbindung aus Operngesang und Jazz, die perfekt harmonierte. Das Publikum honorierte die Künstler schließlich mit minutenlangem Applaus.

Nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Organisatoren zeigten sich mehr als zufrieden mit dem Verlauf des diesjährigen Sommerton-Festivals.

„Das war bis jetzt unser bestes Festival. Und die vorherigen waren schon unglaublich gut“, lautete die Bilanz von Angelika Patt, die das Festival zum sechsten Mal zusammen mit ihrem Mann und weiteren ehrenamtlichen Helfern organisierte.

Das Festival hat treue Fans

Mittlerweile ist das Festival längst kein Geheimtipp mehr. Mit den Jahren hat sich eine Stammkundschaft entwickelt, die sich schon vor der Veröffentlichung des Programms Tickets sichert. Zum Erfolg trägt auch das Ambiente des Schlosses bei. „Es ist eine intime Atmosphäre. Die Künstler entspannen sich und spielen völlig unbefangen“, so Angelika Patt. Für die Auswahl der Musiker ist der künstlerische Leiter Wilfried Schaus-Sahm zuständig. Er sucht sowohl renommierte als auch weniger bekannte Künstler aus. Eines müssen sie gemeinsam haben: „Sie müssen von Weltklasse sein und das Publikum mitnehmen.“

Ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals war die Uraufführung von Michael Wollnys und Eric Schaefers musikalischer Mondreise „MOON“. Die Komposition wurde eigens vom Sommerton-Festival in Auftrag gegeben. Das Jazz-Trio aus Wollny (Klavier), Schaefer (Schlagzeug) und Christian Weber (Bass) wurde begleitet vom 22-köpfigen Norwegian Wind Ensemble. Dadurch entstand eine zauberhaftes Mischung aus Jazz und Klassik, die mit stehenden Ovationen der Zuhörer belohnt wurde.

Auch im nächsten Jahr wird es am Schloss Diersfordt wieder ein Sommerton-Festival geben. Dann kommt ihm eine besondere Ehre zu: Es soll den Auftakt der Muziek-Biennale Niederrhein bilden.

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