Handel

Palästinenser bringt arabische Kaffee-Kultur nach Wesel

Mohamad Alaswad bietet an der Brückstraße in seinem Geschäft „Delux Kaffee“ traditionelle Produkte aus arabischen Ländern an.

Mohamad Alaswad bietet an der Brückstraße in seinem Geschäft „Delux Kaffee“ traditionelle Produkte aus arabischen Ländern an.

Foto: Markus Joosten

Wesel.   Mohamad Alaswad hat in der Brückstraße das Geschäft „Delux Kaffee“ eröffnet und bietet auch Süßwaren, Nüsse sowie ganz nebenbei nette Gespräche.

Betritt man das neu eröffnete Geschäft „Delux Kaffee“ in der Brückstraße scheint man in eine andere, in die orientalische Welt zu kommen. Im Schaufenster am Eingang grüßt ein Plüschkamel vor einem fein-geknüpften Teppich und neben einem Korb mit Kaffeebohnen, wenige Meter weiter duftet es bereits köstlich nach frischem Kaffee – und im Hintergrund erklingt leise arabische Musik.

Mohamad Alaswad hat hier in der Weseler Innenstadt ganz in der Nähe des Großen Marktes auf rund 120 Quadratmetern den Weg in die Selbstständigkeit gewagt.

Der 43-jährige Palästinenser ist in Syrien geboren und aufgewachsen und Ende 2014 vor dem Krieg mit seiner Familie geflohen. In Syrien hat er Elektrotechnik studiert und viele Jahre als Elektroingenieur gearbeitet.

In Deutschland fand seine Frau eine Anstellung in einer Weseler Apotheke, doch Mohamad Alaswad bekam nur Job-Angebote, bei denen er weit reisen musste und selten in Wesel gewesen wäre. Doch er wollte gerne in der Nähe seiner Frau und seiner achtjährigen Tochter sein. Irgendwann kam ihm dann die Idee eines eigenen Kaffee-Ladens in der Hansestadt.

„Kaffee hat bei uns Arabern eine große Geschichte, eine eigene Kultur“, erzählt der Geschäftsinhaber und zählt einige Bräuche auf, die mit dem Wachmacher-Getränk verbunden sind. „90 Prozent der Menschen in meinem Heimatland Syrien beginnen den Tag mit einer Tasse Kaffee und dabei Musik der Sängerin Fairuz – und beschließen den Tag auch mit einem Kaffee, dann aber mit einem Lied der ägyptischen Sängerin Umm Kulthum“, berichtet Alaswad.

Geheimnisse der „Kaffee-Sprache“ entschlüsseln

Es gebe zudem im arabischen Raum eine eigene „Kaffee-Sprache“: „Die Tasse nach dem Austrinken leicht nach links und rechts schwenken, bedeutet: Ich kann nicht mehr. Sonst schüttet der Gastgeber immer wieder nach...“

Ein weiteres Ritual rund um den Kaffee gebe es beispielsweise, wenn die Eltern einer Braut zum ersten Mal die Eltern ihres Verlobten einladen: „Dann lässt man aus Höflichkeit die eingeschenkte Tasse Kaffee erstmal unangetastet – bis man sich besser versteht und alle Probleme gelöst sind“, klärt der 43-Jährige auf.

Seinen Kaffee bezieht der Palästinenser übrigens von einer bekannten Wiener Rösterei – er bietet Röstungen aus kolumbianischen und brasilianischen Bohnen – jeweils in dunkel und hell an. „85 Prozent der Araber trinken Kaffee mit Kardamom“, ergänzt der Geschäftsinhaber.

Diesen besonders aromatischen Kaffee und auch viele andere Varianten – beispielsweise auch ganz traditionell auf Sand erhitzt – serviert der 43-Jährige seinen Gästen im „Delux Kaffee“ natürlich auch gerne direkt. Kleine Tische laden im dem Geschäft zum Verweilen und Plaudern.

Orientalische Bräuche und spezielle Gastgeschenke

Auf Wunsch erzählt der Geschäftsinhaber gerne von orientalischen Bräuchen – zu einigen hat er auch die passenden Utensilien, wie kleine silberne Kästchen oder liebevoll gestaltete Holzboxen als Gastgeschenke, beispielsweise für Neugeborene, bei Hochzeiten, Taufen oder anderen Festen. Gefüllt werden können diese Schachteln dann mit den Süßwaren oder Nüssen, die Mohamad Alaswad ebenfalls anbietet.

Dazu gehört auch traditionelles arabisches Gebäck, das vor allem auch gerne an Weihnachten, beim Zucker- oder Opferfest angeboten wird.

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