Schulpolitik

Pläne für zweite Gesamtschule stoßen auf geteilte Meinungen

Die Gesamtschule Am Lauerhaas kann nicht alle Kinder aufnehmen. Nun gibt es Überlegungen, eine zweite Gesamtschule zu gründen.

Die Gesamtschule Am Lauerhaas kann nicht alle Kinder aufnehmen. Nun gibt es Überlegungen, eine zweite Gesamtschule zu gründen.

Foto: Markus Joosten

Wesel.   Das Konrad-Duden-Gymnasium spricht sich dagegen aus. Die CDU fordert weitere Fakten, die SPD möchte eine schnelle Entscheidung noch im Sommer.

Die Gedankenspiele zur Gründung einer zweiten Gesamtschule in Wesel – möglichst schon 2019 – sorgen für Wirbel: Das Konrad-Duden-Gymnasium spricht sich in einer Stellungnahme dagegen aus und befürchtet, dass dies möglicherweise zu Schließung eines Gymnasiums führen könnte. Die CDU warnt vor einer „vorschnellen Entscheidung“ und will, wie der Fraktionsvorsitzende Jürgen Linz erklärt, erst weitere Fakten und Zahlen zur Entwicklung der Anmeldezahlen abwarten.

Wie berichtet, müssen erneut weit über 20 Kinder an der Lauerhaas-Gesamtschule abgewiesen werden – obwohl sie bereits auf acht Züge erweitert wurde. Aktuell wird nach Lösungen gesucht, welche Schule die Kinder nun aufnimmt, bisher ist die Realschule dafür im Gespräch. In der Politik setzt derweil ein Nachdenken über die künftige Schullandschaft ein.

KDG fürchtet Nachteile für Gymnasien

In einer Stellungnahme des Konrad-Duden-Gymnasiums, unterschrieben von Schulleiterin Karen Schneider, Schulpflegschaftsvorsitzender Ulrike Freund und Schülersprecher Moritz Bohlen, heißt es: „Analysiert man die Anmeldezahlen an den verschiedenen Schulen Wesels genauer, ist es offenkundig: es gibt keine Kinder mit gymnasialer Eignung für eine zweite Gesamtschule in Wesel und damit für eine fünfte gymnasiale Oberstufe“. Von den Kindern, die an der Gesamtschule Am Lauerhaas abgelehnt wurden, hätten alle eine Hauptschul-Empfehlung. „Hier zeigt es sich, welches Schulangebot wirklich in Wesel fehlt“.

Bei einer Gründung einer weiteren Gesamtschule müsste eines der beiden Gymnasien geschlossen oder ihre Zügigkeiten begrenzt werden. Dann gäbe es 40 bis 50 Kinder mit gymnasialer Empfehlung für die neue Schule. Diese Kinder würden jedoch, so die KDG-Stellungnahme, eher ein Gymnasium in einer Nachbarkommune besuchen. Beide Varianten, egal ob Schließung oder Begrenzung, würden die Qualität und Vielfalt der Gymnasien „deutlich einschränken“, zum Beispiel durch eine geringere Wahlmöglichkeit in der Oberstufe.

CDU: Fakten reichen für Entscheidung nicht

Dorothée Brauner, Leiterin des Andreas-Vesalius-Gymnasiums, rät, vor einer Entscheidung über eine Schulneugründung in Ruhe abzuwägen. „Das muss man gut überlegen.“ Auch empfiehlt sie, die Entwicklung angesichts der Schulzeitverlängerung an den Gymnasien abzuwarten. G9 könnte zu einer steigenden Nachfrage an den AVG und KDG führen.

Die CDU befürchtet nach der „kurz gegriffenen“ Entscheidung zur Schließung der Hauptschule und der Realschule Mitte einen weiteren Schnellschuss: „Nun stehen wir keine drei Jahre später erneut vor möglichen Umbrüchen“, so Jürgen Linz. „Wir sind nicht gut beraten, vorschnelle Entscheidungen zu treffen“. Er fordert wie die schulpolitische Sprecherin Daniela Staude, zunächst den tatsächlichen Bedarf zu analysieren. „Wir haben zu wenig Fakten für eine Entscheidung. Ich möchte keine Entscheidung, die ich in zwei Jahren wieder korrigieren muss“, sagt Staude. „Es muss in alle Richtungen geprüft werden“. Bereits vor drei Jahren seien die Ergebnisse des Experten-Arbeitskreises Zukunftsdialog gegen den Willen der CDU ignoriert worden.

SPD: Weichen jetzt stellen

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest sieht dagegen Eile geboten. Nicht nur in diesem, sondern auch in den nächsten Jahren sei „belegbar“ mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen. Die Gründung einer zweiten Gesamtschule sei ein Modell, um dem Elternwillen gerecht zu werden. Die Politik müsse darüber noch vor der Sommerpause diskutieren. Hovest: „Die Weichen müssen jetzt gestellt werden“. Bis Dezember müsste der Antrag für eine neue Schule gestellt werden. Im Schulausschuss am 17. Mai müsse zunächst über die Lösung für die jetzt abgewiesenen Kinder beraten werden. Die in Betracht kommende Realschule hat bereits Bedenken geäußert, da das Schulsystem auf Kinder mit Hauptschulempfehlung nicht eingerichtet sei. Eine weitere Möglichkeit wäre, eine zusätzliche Klasse an der Lauerhaas-Gesamtschule einzurichten.

Als Standort für eine neue Gesamtschule biete sich die Stadtmitte an, wo die Lauerhaas-Schule ihre Dependance hat. Hovest betont, im Falle der Neugründung müssten Gymnasien und Realschule Bestandschutz haben.

Am Donnerstag trifft sich die Steuerungsgruppe „Schulraumentwicklungsplanung“ zu ihrer zweiten Sitzung. Darin soll es um die Beauftragung eines Büros gehen, das den Raumbedarf ermittelt und auch Prognosen zu den Schülerzahlen erstellt.

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