Umwelt

Radikale Rodung erzürnt Anwohner in Hamminkeln

Rainer Giesen auf der Fläche, wo früher mal Wäldchen war.

Rainer Giesen auf der Fläche, wo früher mal Wäldchen war.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Viele Mehrhooger trauten ihren Augen nicht. Einem Wäldchen wurde der Garaus gemacht. Die Bürger sind sauer, die Stadt argumentiert mit Sicherheit

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Anwohner der Straßen Im Kuckuck, Schwalbenweg,, Meisenstraße und Starenweg dachten, sie trauen ihren Augen nicht, als vor einigen Tagen ein Unternehmen mit schwerem Gerät anrückte und das Wäldchen hinter ihren Gärten fast dem Erdboden gleich machte. Herausgerissene Wurzeln, umgehauene Stämme liegen nun kreuz und quer auf dem großen Grundstück, das sich zum Großteil im Besitz der Stadt befindet. Der Orkan Kyrill, der 2007 über Deutschland wütete, hätte auch kein größeres Durcheinander anrichten können.

„Das ist einfach traurig wegen der Tier- und Pflanzenwelt“, sagt beispielsweise Rainer Giesen. In seinem Garten waren häufig Eichhörnchen zu Gast, was ihn gefreut hat. Aber ob die demnächst noch kommen? Ihn ärgert nicht nur die massive Rodung, sondern auch, dass die ganzen Stämme, Äste und Sträucher nun einfach liegen bleiben. Seine Sorge ist, dass die Brombeeren, die an den Rändern wachsen, dann die Fläche erobern. „Ich hab erst gedacht, die roden hier für ein Neubaugebiet, aber der Mitarbeiter erzählte, das seien Pflegearbeiten“, so Giesen im Gespräch mit der NRZ vor Ort.

Auch die Grünen sind sauer

Die Rodungsaktion hat auch bereits die Hamminkelner Grünen auf den Plan gerufen. Ortsverbandssprecher Thomas Becker und Fraktionsvorsitzender Johannes Flaswinkel haben sich die Sache angesehen und sind ebenfalls verwundert: „Obwohl nur Pflegemaßnahmen angekündigt waren, sah es aus wie ein Kahlschlag! Besorgte Anwohner machten uns auf den Zustand aufmerksam! Wie passt das in die heutige Zeit? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!“

Die Grünen fordern die unverzügliche Aufforstung der Fläche und sind gerne bereit, den ersten neuen Baum zu pflanzen. „So ein radikales Vorgehen ist weder zeitgemäß noch den Anliegern angemessen zu erklären“, so die Hamminkelner Grünen und fragen mit Blick auf Baulandverkauf statt Streuobstwiese in Dingden: „Soll hier etwa, wie an anderer Stelle auch, städtisches Bauland geschaffen werden?“

Stadt: Standsicherheit war nicht gegeben

Die Stadt sieht sich mit der Rodungsaktion im Recht: „Nach einer verpflichtenden Baumschau wurde festgestellt, dass die Standsicherheit vieler Bäume nicht mehr gegeben war. Hinzu kam noch eine unüberschaubare Menge an Totholz in den Kronen der Bäume. Von beiden festgestellten Sachverhalten geht eine nicht kalkulierbare Gefährdung für die benachbarten Siedlungsbereiche und den angrenzenden Kinderspielplatz aus, so dass eine Fällung eines Großteils der Bäume aus Sicherheitsgründen notwendig wurde“, schreibt die Verwaltung in einer Stellungnahme. Diese Maßnahme sei im Vorfeld mit dem Forstamt abgestimmt gewesen und einige Restarbeiten würden noch in den folgenden Tagen erledigt.

„Die gefällten Bäume verbleiben aus ökologischen Gründen auf der Fläche. In relativ kurze Zeit wird die Natur die Fläche wieder begrünen“, sagt Thomas Michaelis von der Stadtverwaltung Hamminkeln.

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