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Bundestagswahl im Kreis Wesel: Keller kann Sieg kaum fassen

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SPD-Politiker Rainer Keller hat den Einzug in den Bundestag geschafft und den Wahlkreis Wesel I gewonnen.

SPD-Politiker Rainer Keller hat den Einzug in den Bundestag geschafft und den Wahlkreis Wesel I gewonnen.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Rainer Keller (SPD) gewinnt den Wahlkreis Wesel I und zieht in den Bundestag ein – er ist aber nicht der einzige Abgeordnete. Die Reaktionen.

Die Bundestagswahl 2021 im Kreis Wesel ist gelaufen: Als SPD-Kandidat Rainer Keller fast zweieinhalb Stunden nach dem Schließen der Wahllokale am Sonntagabend das Weseler Kreishaus betrat, brandete großer Jubel bei den Sozialdemokraten auf – viele Hände klopften dem Sieger des Wahlkreises 113 (Wesel I) auf die Schultern. Rund fünf Prozentpunkte betrug zu diesem Zeitpunkt sein Vorsprung gegenüber Sabine Weiss von der CDU. Ungefähr so bleibt der Wert am Montagmorgen auch im vorläufigen Endergebnis.

Worauf führt Keller seinen Erfolg zurück? „Meine Präsenz, ich habe die richtigen Themen aufgegriffen“, so Keller. „Ich freue mich unermesslich, dass es gereicht hat und bin überwältigt von dem Ergebnis.“ Rainer Keller konnte so kurz nach dem Wahlerfolg sein Glück kaum fassen: „Leute, lasst mich mal durchatmen. Es ändert sich gerade mein ganzes Leben. Dienstag ist konstituierende Fraktionssitzung. An die Arbeit!“

Bundestagswahl 2021: Die Erststimmen im Wahlkreis Wesel I:

  • Rainer Keller (SPD): 34,23 Prozent
  • Sabine Weiss (CDU): 29,81 Prozent
  • Hans-Peter Weiß (Grüne): 12,52 Prozent
  • Bernd Reuther (FDP): 9,08 Prozent
  • Holger Raumann (AfD): 6,81 Prozent

In einer ersten Reaktion erklärte Hans-Peter Weiß, Kandidat der Grünen im Weseler Wahlkreis, kurz nach Schließung der Wahllokale: „Ich hätte mir natürlich mehr erhofft. Ich habe die Befürchtung, dass es bei den 15 Prozent bleiben könnte. Vielleicht bringen die Briefwähler noch den ein oder anderen Punkt. Allerdings haben wir deutliche Zuwächse im Vergleich zur letzten Bundestagswahl.“

Landrat Ingo Brohl (CDU) sagte ebenfalls kurz nach den ersten Prognosen: „Nach 16 Jahren Kanzlerin Angela Merkel und mitten in der Pandemie ist es klar, dass ein Wahlkampf nicht einfach ist. Die Zahlen von ARD und ZDF sind noch sehr unterschiedlich. Man kann davon ausgehen, dass die Regierungsbildung – wie zu erwarten war – nicht einfach wird.“

Auch Gerd Drüten, Fraktionschef der Kreis-SPD, äußerte sich zu den ersten Prognosen: „Ich hätte mir einen deutlicheren Unterschied zwischen SPD und CDU gewünscht, und zwar in dieser Reihenfolge. Egal, wie das Rennen ausgehen wird, denke ich, dass Herr Laschet in den letzten Wochen gezeigt hat, dass er als Kanzler nicht gewünscht wird. Grüne und FDP sind die Königsmacher. Aber Jamaika? Herr Lindner müsste wirklich erklären, warum das heute ginge und es vor vier Jahren falsch gewesen wäre.“

CDU-Politikerin Sabine Weiss zieht doch in den Bundestag ein

FDP-Fraktionschef Rudolf Kretz-Manteuffel ordnete die ersten Ergebnisse so ein: „Derzeit liegt es im Rahmen der letzten Prognosen. Das lässt eine Ampel-Koalition oder Jamaika als möglich erscheinen. Ein Dreier-Bündnis ist aber immer schwieriger als ein Zweier-Bündnis.“ Frank Berger, CDU-Fraktionschef, zeigte sich leicht enttäuscht: „Das ist das erwartet schlechte Ergebnis. Die Frage, wer gewonnen hat, ist aber noch offen. Für uns ist es besonders wichtig, wie unsere Kandidaten abschneiden.“

CDU-Bundestagskandidatin Sabine Weiss wollte am Wahlabend kein Statement abgeben. Am Montagmorgen kam dann die Nachricht: Auch Weiss wird erneut als Abgeordnete vertreten sein und zieht über die Landesliste in den neuen Bundestag ein. Das bestätigte der Landeswahlleiter.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Charlotte Quik aus Hamminkeln kommentierte: „Glücklich kann uns dieser Abend natürlich nicht stimmen. Es war zu erwarten, dass wir ohne eine Kanzlerin Merkel nicht an alte Erfolge anknüpfen können.“

Bundestagswahl im Kreis Wesel: Bernd Reuther in Jubelstimmung

In Jubelstimmung war Bernd Reuther. Der Liberale wird weiterhin den Kreis Wesel im Bundestag vertreten. Am frühen Wahlabend sagte er: „Ich bin super zufrieden, das ist ein tolles Ergebnis für die FDP. Es ist das erste Mal in der Geschichte der FDP, dass wir zweimal hintereinander zweistellig sind. Es sieht so aus, als ob wir noch mal ein oder zwei Punkte zulegen können.“

Dann ergänzte der Weseler, der gleich am Montagmorgen nach Berlin fliegt, um in der Fraktionssitzung Christian Lindner zu wählen: „Unabhängig davon, ob die Linke in den Bundestag einzieht oder nicht, bin ich froh, dass es für rot-rot-grün nicht reichen wird. Wir müssen die kommenden Wochen abwarten. Eine Ampel kann ich mir aktuell schwer vorstellen. Es kommt darauf an, dass die FDP wichtige inhaltliche Punkte wiederfindet.“

SPD-Politiker Rainer Keller sucht nun Wohnung in Berlin

Eines hat Bernd Reuther immerhin seinem neuen Kollegen von der SPD im Bundestag voraus: Er weiß, wo er in Berlin übernachten kann. Neu-Abgeordneter Rainer Keller hatte zunächst nur exakt bis zum Wahltag geplant: „Ich habe noch keine Wohnung in Berlin, wird wohl erstmal ein Hotel.“ Doch auch das Problem wird der 55-Jährige, der in Drevenack aufgewachsen ist und jetzt in Wesel wohnt, sicher in den kommenden Tagen lösen.

Hier finden Sie die Ergebnisse aus den Städten:

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