Schermbeck.

Reizobjekt Rathaus wird 20

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Schermbeck.  „Das Rathaus ist kein Abenteuer für Schermbeck“, meinte Karl-Heinz Sönnichsen. Der Hamburger Architekt plante den Neubau an der Weseler Straße, den die Gemeinde im Oktober 1993, vor 20 Jahren, einweihte und offiziell in Betrieb nahm. Aber als genau das, als Abenteuer nämlich, empfanden manche Schermbecker das Projekt, das im Ort für viel und erbitterten Streit sorgte. Bei der Grundsteinlegung im Juli 1992 gab der damalige Bürgermeister Bernhard Redeker zu: „Noch nie ist eine Baumaßnahme in Schermbeck so kontrovers diskutiert worden.“ Und manche Gegner hadern noch immer mit der rot verklinkerten Immobilie.

Dicke Ordner im Archiv

Diese prägt den Ortseingang, direkt gegenüber dem Altbau gelegen, in dem heute unter anderem Polizei und Caritas-Sozialstation ihre Räume haben. Einen dicken Archiv-Ordner füllen Berichte, Kommentare, Stellungnahmen und Leserbriefe zum Thema.

Im November 1988 entschied der Rat, einen interfraktionellen Arbeitskreis zu gründen, um das Projekt zu beginnen. Im Juni 1990 folgte der Beschluss für den Neubau samt Begegnungszentrum. CDU und SPD stimmten dafür (immerhin eine Stimme fehlte aus beiden Fraktionen), Grüne und USWG waren dagegen. Gemeindedirektor Heinz Willi Verrieth und die damalige Fraktionsspitze der Unabhängigen gerieten in der Diskussion heftig aneinander.

Die Gegner gründeten im Mai 1990 eine Bürgerinitiative, um das ihrer Meinung nach „unsinnige Mammut-Projekt“ zu stoppen. „Rettet Festwiese und Festplatz“ hieß die Initiative, die sich Anfang 1992 auflöste. Auch die Schermbecker Kilianer waren wenig begeistert. Sie fürchteten wegen des Standortes auf der großen Wiese um die Zukunft ihre Traditionsfestes.

Vom „Kuckuck“ war die Rede

Die Reihe der Streitpunkte rund ums Rathaus ist lang. 1994 ging es um mögliche Planungsfehler und unbezahlte Handwerkerrechnungen. Sogar vom „Kuckuck“, dem Pfandsiegel, war damals die Rede. Aber es wurde gebaut. Umgerechnet rund fünf Millionen Euro kostete das Projekt letztlich.

Draußen vor der Rathaustür sorgte der „Rote Platz“ zwischen Alt- und Neubau für Streit. Dabei ging es vor allem um die Gestaltung dieses prägnanten Bereiches. Zum Parken, so wird die Fläche vor dem Rathaus derzeit genutzt, war der Platz zunächst gar nicht gedacht.

Innen drin, im Rathaus, gab es in den ersten Jahren noch Tournee-Theater im Begegnungszentrum. Hähnchen hatten Hausverbot: Imbiss-Betreiber Peter Finke stritt mit der Gemeinde. Der Männergesangsverein Eintracht wollte ihn Anfang der 90er Jahre für eine Feier als Lieferanten und Koch gewinnen, durfte aber nicht: Da örtliche Betriebe Vorrang genießen sollten, blieb der Anbieter aus Dorsten-Holsterhausen außen vor.

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