Theater

„Romeo und Julia“ in Wesel mal ganz anders

„Romeo und Julia“ präsentiert Bernd Lafrenz auf der Weseler Studiobühne mal ganz anders.

„Romeo und Julia“ präsentiert Bernd Lafrenz auf der Weseler Studiobühne mal ganz anders.

Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Bernd Lafrenz macht aus der Liebestragödie von Shakespeare ein Ein-Mann-Stück mit einem ganz besonderen Humor. Und das ist herrlich.

„Romeo und Julia“ ist die bekannteste tragische Liebesgeschichte überhaupt. Am Samstag stand sie auf der Studiobühne im Programm – aber nicht so, wie manch’ ein Anhänger von William Shakespeares berühmtem Drama erwartet hätte. Bernd Lafrenz hat daraus nicht nur ein Ein-Mann-Stück, sondern auch eine Tragikomödie gemacht. Und auch sonst noch allerhand verändert.

Das Publikum ist einigermaßen erstaunt, als ein Fahrradbote die Bühne betritt, mit gelbem Helm, Warnweste und Rucksack. Balthasar ist sein Name, und seine Familie betreibt nun schon in der 21. Generation einen Kurierdienst. Er ist gekommen, um in Wesel eine Filiale zu eröffnen. Bereits vor seinem Auftritt hatte eine Stimme aus dem Off verkündet, dass ein gewisser Romeo seinen Diener Balthasar einst in Verona beauftragt hatte, aller Welt von seiner großen Liebe zu Julia zu erzählen. Keiner ist dazu besser geeignet als ein Kurier, hat sich Bernd Lafrenz gedacht und diesen Balthasar zum Erzähler der Geschichte gemacht.

Die clowneske Adaption kommt beim Publikum an

Der Freiburger Schauspieler Bernd Lafrenz hat sich auf komödiantisch-clowneske Shakespeare-Adaptionen spezialisiert und war auch schon mit „Othello“ in Wesel zu Gast. Die Texte ändert er, wobei er gelegentlich Passagen aus dem Original in ansonsten moderne Umgangssprache einbaut. Ausgehend von einem mittelalterlichen Wams, variiert er seine Kostüme mit Umhängen und Schals. Greift er zum weißen Schal und bürstet imaginäre Haare, verkörpert er die Julia. Wobei Gesten und Mimik weitaus wichtiger sind als Outfits, und auch ohne sie erkennt der Zuschauer, in wessen Haut der Schauspieler gerade steckt. Zwischendurch setzt er auch mal eine Krone auf, um in die Figur des Prinzen von Verona zu schlüpfen.

Das Bühnenbild besteht aus einer Wand aus schwarzem Samt, an der er die Prinzenkrone, Masken für einen Ball in Julias Elternhaus oder einen Kirschbaumzweig aufhängt. Zwei Gartengitter, die er mal zur Mauer und mal zur Kanzel für Pater Lorenzo macht, der Romeo und Julia heimlich traut, vervollständigen das Bühnenambiente.

Und dann nascht er an den Plastikkirschen

Die pantomimische Darstellung des Pater Lorenzo mit rotem Samtumhang, der durch einen imaginären Kirchgarten wandelt und von den Plastikkirschen an der schwarzen Samtwand nascht, gelingt Lafrenz genauso wunderbar komisch wie die Szene, als Romeo und Julia abweichend vom Original ihre Ehe vollziehen – mit einer blau-weiß gestreiften Decke, unter der es sich eindeutig bewegt. Verzückte Rufe wie „Oh Romeo“ fehlen natürlich auch nicht.

Zunächst wirkt Bernd Lafrenz’ Version des großen Shakespeare-Dramas fremd und mutet etwas albern an, doch sobald man seine Erwartungen an „Romeo und Julia“ aufgibt und die Darstellung als eigene Kunstform wahrnimmt, gewinnt die Aufführung. Wobei die eigentliche Message, dass auf Krieg kein Segen ruht, etwas untergeht angesichts der mitreißenden Komik.

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