Tierschutz

Die Schermbecker Hunde haben sich wieder erholt

Sie haben ein liebevolles Zuhause gefunden. Zum Treffen in Wesel kamen die neuen Halter meist aus der Region, einige aber nahmen längere Anfahrtswege in Kauf, um dabei zu sein. Foto:Markus Joosten

Sie haben ein liebevolles Zuhause gefunden. Zum Treffen in Wesel kamen die neuen Halter meist aus der Region, einige aber nahmen längere Anfahrtswege in Kauf, um dabei zu sein. Foto:Markus Joosten

Foto: Markus Joosten

Wesel/Schermbeck.   Tierfreunde, die die 61 Hunde aus schlechter Haltung in Schermbeck adoptiert haben, trafen sich jetzt mit ihren Vierbeinern im Tierheim Wesel.

Es herrscht ein munteres Treiben an diesem sonnigen Frühlingstag rund um das Tierheim an der Lackfabrik. In Grüppchen stehen Männer, Frauen und Kinder zusammen, lachen und plaudern angeregt. Immer mal wieder müssen sie zwischendurch Hundeleinen entwirren, die sich ineinander verfangen haben. Denn genau so sehr wie ihre Herrchen und Frauchen scheinen sich auch die zahlreichen tierischen Besucher über das Zusammentreffen an diesem Tag zu freuen. Aufgeregt wuseln sie hin und her und beschnuppern sich gegenseitig. Die kleinen Hunde wirken nicht nur gepflegt, sondern auch gelöst, entspannt, glücklich. Es scheint ihnen richtig gut zu gehen. Das war nicht immer so.

Verwahrloste Hunde liebevoll aufgepäppelt

Noch vor gut einem Jahr war ein Großteil der Tiere in schlechtem Zustand. Im März 2016 hatte das Veterinäramt des Kreises Wesel eine Schermbecker Zucht aufgelöst und 270 völlig verwahrloste Malteser und andere kleine Rassen in Tierheimen untergebracht (die NRZ berichtete). 65 Hunde kamen damals in das Weseler Tierheim, alle wurden liebevoll aufgepäppelt und anschließend in Familien vermittelt.

Wie es den Hunden seither ergangen ist, das verfolgten Tierheim-Leiterin Gabi Wettläufer und ihr Team auch nach der Vermittlung. „Wir haben von allen Tieren Fotos bekommen, stehen mit vielen der neuen Besitzer noch heute in regem Austausch“, sagt Wettläufer. Und genau aus diesem Kontakt sei schließlich die Idee entstanden, Tiere und Halter zu einem Treffen einzuladen. „Die Hunde haben alle das Gleiche erlebt und zum Teil auch noch dieselben Probleme“, weiß Gabi Wettläufer. „Klar, dass da immer wieder die gleichen Fragen aufkommen – angefangen bei der Stubenreinheit bis hin zum passenden Hundefriseur.“ Ein Austausch der Halter untereinander könne wahrscheinlich am besten helfen, offene Fragen zu klären, dachte sich die Tierheim-Leiterin.

Viele neue Halter nahmen die Einladung an

Und so schrieb sie alle neuen Besitzer der 65 Hunde an. Die Resonanz war überwältigend. Die Halter von 61 der 65 im Weseler Tierheim untergebrachten Vierbeiner meldeten sich an, die ersten standen am Sonntag schon 45 Minuten vor dem offiziellen Beginn vor der Tür. Viele der neuen Halter kommen aus der Region, aber auch Tierfreunde aus Solingen, Gummersbach, Schleswig-Holstein oder den Niederlanden reisten an.

Aus Hünxe kam Petra Ferk mit ihrem Idefix nach Wesel. Vor einem Jahr hatte der Rüde noch den Namen Egon getragen. „Passte aber nicht“, fand Petra Ferk. „Er ist einfach unser Idefix.“ Aus den Medien hatte die Hünxerin im vergangenen Jahr vom Schicksal der Tiere aus der Schermbecker Zucht erfahren, sich im Internet Bilder der zu vermittelnden Tiere angesehen. Ihr Mann habe eigentlich einen Schäferhund gewollt, sagt sie. „Aber nix da, ich hatte mich schon in das Gesicht des kleinen Egon verliebt und wollte ihm ein neues Zuhause geben.“

Wochenlang um Vertrauen geworben

Der Start des Zusammenlebens sei alles andere als leicht gewesen, erinnert sich Petra Ferk. „Idefix hat vor allem Angst, laute Geräusche kann er gar nicht ab.“ Mit Fingerspitzengefühl habe man sich langsam angenähert. „Wir brauchten ganz viel Geduld und brauchen sie auch heute noch.“

Ähnliches haben auch Annette und Walter Skowronek aus Erwitte zu berichten. „Über das Füttern haben wir es schließlich geschafft, Vertrauen aufzubauen“, berichtet Walter Skowronek. Es habe aber mehrere Monate gedauert, bis er und seine Frau an die beiden neuen Hunde Werner und Wusel herangekommen seien. „Wir haben wochenlang quasi nur vor der Futterschüssel gehockt.“ Die Geduld habe sich aber schließlich ausgezahlt, zumindest zu Hause seien die Tiere mittlerweile entspannt und fühlen sich sicher. „Nur wenn es raus geht oder Besuch kommt, dann ist es auch heute noch problematisch“, sagt Annette Skowronek und vermutet: „Das wird wohl auch so bleiben. Die Tiere haben eben Schlimmes erlebt.“

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