Verkehr

Schildbürgerstreich oder Planungspanne in Hamminkeln?

Die Sozialdemokraten Ludger Hovest, Waltraut Holzwarth, Manfred Winter und Norbert Meesters (von links) diskutieren über das abrupte Radwegende an der L480. Foto:Oleksandr Voskresenskyi

Die Sozialdemokraten Ludger Hovest, Waltraut Holzwarth, Manfred Winter und Norbert Meesters (von links) diskutieren über das abrupte Radwegende an der L480. Foto:Oleksandr Voskresenskyi

Hamminkeln/Wesel.   Die Weseler und Hamminkelner SPD fordern die Fortführung des Radwegs über die neue Betuwe-Brücke in beide Richtungen. Resolution geplant.

Wer öfter mit dem Fahrrad über die L 480 von Diersfordt nach Hamminkeln oder umgekehrt unterwegs ist, kennt die Situation: Man muss höllisch aufpassen, denn auf dieser Straße wird nicht gerade langsam gefahren. Radler sind ungeschützt auf der normalen Fahrbahn unterwegs, denn einen Radweg gibt es hier nicht - mit einer Ausnahme. Die neue Brücke über die Betuwe-Bahnstrecke hat einen - doch er endet im „Nirgendwo“.

Den ländlichen Raum nicht vernachlässigen

Schon vor zehn Jahren haben die Hamminkelner und Weseler Sozialdemokraten darauf gedrängt, bei der Brückenplanung zu berücksichtigen, dass ein durchgängiger Radweg gebaut wird - ohne Erfolg. Gestern waren sie wieder vor Ort, mit demselben Ziel. Wesels SPD-Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest und der Hamminkelner Genosse Manfred Winter wollen nun gemeinsame Sache machen und in der nächsten Ratssitzung eine Resolution verabschieden, die an den Regionalverband Ruhr (RVR) sowie ans NRW-Verkehrsministerium geht.

Denn für sie kann es nicht sein, dass die Brücke über einen erstklassigen einseitigen Fahrradweg verfügt, ansonsten aber nur die Straße genutzt werden kann. Auf einer RVR-Liste stehe die Radwegplanung irgendwo zwischen Platz 500 und 700. Bei zehn bis 15 Maßnahmen im Jahr, die abgeschlossen würden, könne man sich leicht ausrechnen, wie lange es dauere, bis man dran sei. „Das wird von uns niemand erleben“, sagt Hovest verärgert und verweist auf Fahrradschnellwege im Ruhrgebiet, die momentan in Planung seien. Dabei dürfe der ländliche Raum aber nicht vernachlässigt werden, zumal NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst von vollen Kassen spreche.

Lückenschluss gefordert

Hier müsse schließlich nur ein Lückenschluss von etwa einem Kilometer Richtung Hamminkeln bis zur Bundesstraße 473 und etwa zwei Kilometern Richtung Diersfordt bis zur L7, der ehemaligen B8, gemacht werden. Das Problem: Es kümmert sich niemand darum. Denn: Niemand fühlt sich zuständig. Es sei ein Skandal, dass die Behörden nicht miteinander redeten. So dürfe man heute nicht mehr arbeiten. Das bringe die Bürger auf die Palme und mache den Kommunalpolitikern das Leben schwer.

Hovest bezeichnet das mit zahlreichen Verzögerungen fertig gestellte Brückenbauwerk deshalb auch als „Brücke des schlechten Gewissens“. Denn es sei stillschweigend vom Landesbetrieb Straßen NRW eröffnet worden. Und wenn man sich die gelbe Linie entlang des Radwegs anschaue, sei dies keine gute Arbeit. Das Band wölbt sich und führt in Schlangenlinien über die Teerdecke.

Fahrradfreundlicher Niederrhein

Der Weseler Sozialdemokrat Norbert Meesters verweist zudem auf ein Konzept zur Entwicklung des regionalen Radwegenetzes, das demnächst vorlegt werde. Darin sei der gewünschte Radweg jedenfalls nicht zu finden. Und das obwohl der Niederrhein fahrradfreundlich ist. „Wir haben eine Superinfrastruktur und Superfreizeitangebote“, so Hovest weiter. Da müsse solch ein Radweg zur Komplettierung her.

Bislang kann nur auf zwei Wirtschaftswegen weiter nach Hamminkeln gefahren werden, zudem besteht die Möglichkeit auf der Fahrt Richtung Diersfordt, ans Schwarze Wasser zu gelangen.

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