Bildung

Schüler aus Schermbeck lernen viel über Flüchtlinge

Flüchtlinge stellen sich auf der Bühne der Gesamtschule Schermbeck den versammelten Schülern vor

Flüchtlinge stellen sich auf der Bühne der Gesamtschule Schermbeck den versammelten Schülern vor

Foto: Markus Weissenfels

Schermbeck  Gesamtschule Schermbeck holt sich als „Schule ohne Rassismus“ Hilfe von dem Projekt „Life Back Home“. Anschaulich erzählen Migranten vom Krieg.

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Über sechs lange Stunden dauert die Fahrt bis zur Grenze. Immer wieder tauchen Sicherheitsschleusen auf, die von schwerbewaffneten Soldaten kontrolliert werden.

Der Taxifahrer kann sie besänftigen: Die Soldaten lassen passieren. Vor vielen Jahren brauchte Jafar Al Zahalawi nur zwei Stunden bis zur Türkei; doch da gab es noch keinen Krieg in Syrien. Jetzt braucht er einen Taxifahrer, der sich mit der neuen Situation auskennt.

Im März 2016 kam der 26-jährige Al Zahalawi nach Deutschland. Er erklärt auf deutsch: „In Damaskus habe ich meinen Bachelor in Elektrotechnik gemacht. In Deutschland wollte ich weiterstudieren, weil es in Syrien zu gefährlich wurde.“ Er flog von Istanbul nach Düsseldorf mit einem Visum in der Tasche. Da wusste er noch nicht, dass er einmal vor Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Schermbeck stehen würde, um seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Jährlicher Projekttag an der Gesamtschule

Der jährliche Projekttag der Schule wurde dieses Jahr vom Bildungsprojekt „Life Back Home“ unterstützt und soll den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ betonen.

Ein heller, fast rötlicher Drei-Tage-Bart rahmt das Gesicht von Jafar Al Zahalawi ein. Das wellige braune Haar ist nach hinten gekämmt. Immer wieder sucht er nach den richtigen Worten, wenn er den Schülerinnen versucht zu erklären, wie sich seine Heimatstadt und sein Heimatland verändert haben.

Mitleid hat die 17-jährige Schülerin Gina Lietz trotzdem nicht so richtig. Sie kann sich nicht vorstellen, wie es ist, plötzlich alles stehen und liegen zu lassen, um das Land zu verlassen. Außerdem „erzählt er das alles sehr sachlich und nicht mitleidig oder emotional“, stellt die Oberstufenschülerin fest.

Rassismus oder Flucht spielten im Leben der Schülerinnen und Schüler eigentlich keine Rolle. Gina Lietz ist trotzdem sehr interessiert an der Geschichte von Jafar Al Zahalawi. Kaum ein Schüler könne sich vorstellen, wie es ist, vor dem Krieg zu fliehen.

Als Vorbereitung auf den Projekttag hätten die Schüler das Buch „Krieg“ von Janne Teller zum lesen angeboten bekommen. In dem Buch wird der Krieg nach Deutschland versetzt und das Fluchtziel ist Ägypten.

Für Al Zahalawi war Deutschland das Ziel, um hier einen Master in Elektroingenieurwesen zu machen. Lange musste er warten. Der Flüchtling erzählt, wie er in Deutschland zurecht kommt.

Zurzeit arbeitet er in einem Callcenter, dem Tellerwäscher-Geschäft des 21. Jahrhunderts. „Mit dem Geld ist es manchmal schwierig“, sagt er und lacht verlegen. Ab April ändert sich sein Leben erneut: Jafar Al Zahalawi beginnt sein Studium in Siegen.

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