Abgrabungspläne

SPD Wesel erbost über „Chaosstrategie“ bei Kiesabbau

In Lackhausen ist ein 110 Hektar großes Areal als Reserve

In Lackhausen ist ein 110 Hektar großes Areal als Reserve

Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Der Regionalplanentwurf weist ohne Absprache mit der Stadt Abbauflächen in Lackhausen und an der Bärenschleuse aus. SPD kritisiert RVR-Planer.

Die Auskiesung ist im Kreis Wesel ein höchst umstrittenes Thema – für die Weseler SPD ist diese Industrie aber ein „elementarer Bestandteil der Stadtentwicklung“, der sich im Einvernehmen mit Mensch und Natur umsetzen lässt. Der Regionalplanentwurf, der nun vorliegt, bringt die Weseler Genossen dennoch auf die Barrikaden: Denn dort sind mit dem 45 Hektar großen Areal an der Bärenschleuse und – völlig unerwartet – einer 110 Hektar großen Reservefläche in Lackhausen zwei Flächen ausgewiesen, die aus Sicht der Weseler SPD gar nicht realisierbar sind. Die Fraktion kündigt Widerstand an.

Ludger Hovest, Norbert Meesters und Wolfgang Spychalski sind empört über den Planungsentwurf – denn sie vermuten dahinter eine Böswilligkeit des RVR-Dezernenten Martin Tönnes (Grüne). Die beiden Flächen seien mit der Kommune nicht abgesprochen worden – und Kiesabbau sei dort für die Unternehmen auch nicht von Interesse, da sie abseits der bestehenden Abgrabungen liegen und dort keine Infrastruktur vorhanden ist. Er habe mit den hier tätigen Kiesunternehmen gesprochen, keines hätte Interesse an den Flächen geäußert, so Ludger Hovest.

Es gibt unstrittige Auskiesungsflächen

Statt dessen gebe es in der Nähe der aktuellen Auskiesungsflächen unstrittige Gebiete für Erweiterungen, über die schon lange Einvernehmen mit der Stadt bestehe: Eine etwa 75 Hektar große Fläche in Ginderich unweit des Fernsehturmes (Pettenkaul) und in Vahnum im Bereich der Abgrabung Vissel Süd (120 Hektar). Dort habe man bereits etliche Gespräche geführt mit dem Ziel, die Sanierung des maroden Deiches und den Kiesabbau in einem „integrierten Konzept“ mit der Kiesindustrie unter einen Hut zu bringen.

Kurz gesagt: Die Kiesindustrie übernimmt die Erneuerung und Rückverlegung des Deiches und erhält eine weitere Auskiesungsfläche über die bereits genehmigte hinaus. Beide Flächen tauchen aber im Plan gar nicht auf – dabei sei alles intensiv mit dem RVR diskutiert worden, so Hovest. Mit diesen beiden Flächen stünden aber 195 Hektar für die potenzielle weitere Abgrabung bereit. Das würde der Region Luft für die nächsten 20 bis 40 Jahre verschaffen. Damit könnte man sich, so Hovest, sogar die umstrittenen Pläne im Dachsbruch in Kamp-Lintfort sparen. Dagegen verfügen die nun eingeplanten Flächen nur über 155 Hektar.

SPD wirft RVR-Planer böse Absichten vor

Warum aber tauchen sie überhaupt im Planentwurf auf? Die SPD hat eine Meinung dazu: „Das ist eine Chaosstrategie mit dem Ziel, Bürger, Kommunen und Industrie gegeneinander aufzubringen“, sagt Hovest. Letztendlich wolle der RVR-Dezernent Martin Tönnes damit weitere Abgrabungen verhindern – denn es sei klar, dass es Widerstand gegen die nun eingeplante Flächen geben wird. Da der RVR nun einmal weitere Flächen ausweisen müsse, wähle man bewusst solche, auf denen der Kiesabbau letztendlich unrealistisch sei. „Da muss eine Absicht hinter stecken“, ist Hovest sicher.

Die SPD will dem Entwurf nicht zustimmen und auch andere Fraktionen ins Boot holen. Ziel sei es, den Plan zu ändern, so dass Lackhausen und die Bärenschleuse wegfallen und Pettenkaul und Vahnum als Auskiesungsflächen aufgenommen werden. Ohne Gegenwehr, so Hovest, trete der Plan in zwei bis drei Jahren in Kraft.

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