Bombenblindgänger

Stadt Wesel bleibt auf Kosten für Bohrlöcher sitzen

In diesem Loch wurde eine Bombe gefunden. Es gibt zudem noch weitere Bohrlöcher, die allesamt auf Kosten der Stadt wieder verfüllt werden sollen.

Foto: Markus Weißenfels

In diesem Loch wurde eine Bombe gefunden. Es gibt zudem noch weitere Bohrlöcher, die allesamt auf Kosten der Stadt wieder verfüllt werden sollen. Foto: Markus Weißenfels

Wesel.   Bis zu 180000 Euro sind nötig, um die entstandenen Löcher zu stopfen. Dazu muss aber erst ein Sanierungskonzept her. Kosten: etwa 4500 Euro.

Wesel ist eine gebeutelte Stadt, wenn es um Bombenblindgänger geht. Tausende solcher Sprengkörper schlugen während des Zweiten Weltkrieges in der Stadt an Rhein und Lippe ein und stecken zum Teil immer noch in der Erde. Dass in der damals zu 97 Prozent zerstörten Stadt kein Neubau möglich ist, ohne zuvor das Grundstück auf mögliche Bomben untersucht zu haben, gehört hier zum Alltag. So auch beim bald anstehenden Baubeginn der Südumgehung (Bundesstraße 58 N) am Fusternberg.

Zwei Bomben entschärft

Schon zweimal mussten Auto- und Bahnverkehr ruhen, wurden viele Menschen evakuiert, damit auf der Schillwiese die nötigen Entschärfungen einer Fünf- und einer Zehn-Zentner-Bombe durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst vollzogen werden konnten. Zurückgeblieben sind tiefe Löcher, die wieder verfüllt werden müssen. Auch bei den Sondierungsarbeiten entstanden zahlreiche Vertiefungen, im Bereich der Schillwiese sind es mit Blick auf die Auswertung eines Luftbildes elf Verdachtspunkte, von denen fünf bislang überprüft worden sind. Weitere 30 Bohrungen gab es am Lippedeich, wo sich drei Verdachtspunkte ergeben haben. Auch sie müssen wieder zugemacht werden. Wer dies zu tun hat, ist seit einigen Tagen offenbar klar: die Stadt Wesel.

Deichbau im Jahr 2007

Bis zu 180 000 Euro soll das kosten, wie die Ratsmitglieder am Dienstag in nicht öffentlicher Sitzung erstaunt erfahren haben. Eine Summe, die für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ludger Hovest nicht einzusehen ist, zumal es sich bei der künftigen Südumgehung um eine Straße von überregionaler Bedeutung handelt, wie auch die Stadt selbst argumentiert. Ohne Erfolg. Denn hatte der Landesbetrieb Straßen NRW zunächst signalisiert, die Kosten für die Verfüllung zu übernehmen, sieht die Sache nach einer Weisung durch die Bezirksregierung Düsseldorf nun wieder ganz anders aus. Bis zum 15. Dezember soll die Stadt Wesel ein Sanierungskonzept für den Deich vorlegen und zudem schnell einen Sonderhochwassereinsatzplan erarbeiten.

Zunächst kein Verdacht

Dabei zeigt der Blick zurück, dass der Bau des Deiches auch der Stadt vorgeschrieben worden war. Denn in Wesel wurde die Auffassung vertreten, dass mit Aussicht auf die geplante Umgehung der Deichbau nicht nötig und herausgeschmissenes Geld ist. Doch Wesel kam nicht drumherum, baute im Jahr 2007 den geforderten Hochwasserschutz und soll jetzt für die nun dort befindlichen Löcher zahlen. Dabei hatte es noch im August 2007 seitens des Kampfmittelbeseitigungsdienstes geheißen, dass es in diesem Bereich keinen Verdacht auf Bombenblindgänger gibt und mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Im Angesicht der nun geforderten Aufgabe, die jüngst entstandenen Löcher zu schließen, schimpft Hovest: „Das ist nicht in Ordnung.“ Es handele sich um eine gesamtstaatliche Angelegenheit, die Bohrlöcher nach einem zuvor erarbeiteten Sanierungskonzept eines Ingenieurbüros zu verfüllen. Sie dürfe nicht bei der Stadt Wesel hängenbleiben. Allein dieses Konzept verursacht offenbar zusätzliche Kosten in Höhe von circa 4500 Euro.

Sonderhochwassereinsatzplan

Da Hochwasserschutz hier die Aufgabe der Stadt ist, bleibt ihr nichts anderes übrig, als aktiv zu werden. Und so wird jetzt nicht nur besagter Sonderhochwassereinsatzplan erstellt, sondern auch ein Ingenieurbüro beauftragt, nach dessen Ergebnissen am Ende die Wiederverfüllung erfolgt.

>>>WAS IST, WENN ES PRIVATLEUTE TRIFFT?

„Stellen Sie sich mal vor, es wird ein Luftbild für ein Privatgrundstück gefunden, auf dem Blindgänger zu erkennen sind“, mahnt SPD-Fraktionschef Ludger Hovest. Das könnte den Eigentümer glatt in den Ruin treiben.

Und tatsächlich hat es wohl schon den Fall einer Frau gegeben, die in einer ähnlichen Angelegenheit durch alle Instanzen gegangen ist. Am Ende blieb ihr nur die Privatinsolvenz, berichtete ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

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