Hamminkeln.

Stolpersteine werden in Hamminkeln zu Orten der Erinnerung

Michael Brömmel, ein Neffe von Josepha Rölfing, mit Gunter Demnig und Johann Krieg (von links) in Marienthal.

Foto: Gerd Hermann

Michael Brömmel, ein Neffe von Josepha Rölfing, mit Gunter Demnig und Johann Krieg (von links) in Marienthal. Foto: Gerd Hermann

Hamminkeln.   In Brünen und Marienthal gab es lange Zeit keine Gedenksteine. Viel Engagement ermöglicht nun die Erinnerung an die Opfer der NS-Herrschaft.

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Eine kleine quadratische Tafel mitten auf dem Gehweg, zwischen den ganzen grauen Steinen, fällt das Messing schnell ins Auge. Die Tafeln sollen an die Opfer des Holocausts erinnern, die hier gelebt haben, unauffällig, so dass Fußgänger sprichwörtlich drüber ‘stolpern’ können.

Genau das ist das Ansinnen von Johann Krieg, der in beiden Orten die Verlegung von Stolpersteinen des Kölner Künstlers Gunter Demnig initiiert hat. Die Messingplakette mit den Daten von Josepha Rölfing setzte Gunter Demnig gestern vor den Blumenladen in den Boden ein, nicht unweit der Klosterkirche, in der zuvor ein Gedenkgottesdienst stattfand. Auch Michael Brömmel, ein Neffe von Rölfing, war anwesend und hat die Verlegung des Stolpersteins begleitet.

Nach 20 Minuten zog die Gesellschaft nach Brünen, um weitere sechs Steine in Gedenken an die Familie Wertheim in den Fußweg einzulassen. Für Johann Krieg sind die Steine am richtigen Ort: „Ungeschehen machen kann man diese Grausamkeit ja nicht, aber zumindest das Andenken an die Opfer bewahren.“ Lange musste er auf diesen Tag warten. „Endlich gibt es auch in Brünen Stolpersteine“, meint Johann Krieg.

Bis die Gedenksteine eingesetzt werden, können schon einmal acht oder neun Monate vergehen, denn Gunter Demnig verlegt die Steine in ganz Europa und „zu 95 Prozent mache ich das noch selbst. Manchmal kann ich auch delegieren“, erklärt der 70-Jährige Stolperstein-Erfinder.

Viel Unterstützung war nötig

Die Idee, Stolpersteine zu verlegen, gefiel auch der evangelischen Kirchengemeinde an der Issel, die für Brünen zuständig ist. „Wir haben uns die Geschichte der Juden in Brünen mit der Jugend angeschaut und das zum Unterrichtsthema gemacht,“ erklärt Pfarrer Klaus-Hermann Heucher. Er finde, dass die Erinnerung und das Gedenken an die ermordeten Juden wichtig für die Gerechtigkeit sei.

Wenn nicht mehr an die Opfer des Holocaust gedacht würde, hätten die Täter heute gewonnen, so ist seine Einschätzung. Außerdem sei „Gerechtigkeit das Hauptthema im Gottesdienst und Christentum“, sagt der Pfarrer. Ohne die Unterstützung der Kirchengemeinden wäre es möglicherweise nie zur Verlegung der Stolpersteine gekommen, denn jeder Stein kostet 120 Euro. „Die Kirche sammelte extra auch in der Kollekte für die Steine“, erzählt Krieg ganz dankbar auch für die finanzielle Unterstützung.

Einen weiteren Stein spendete Renate Kolkmann-Klopf. Sie finde die Idee dieser kleinen Mahnmale gut, auch weil sie zum Nachdenken anregen können, sich gleichzeitig aber nicht aufdrängen und zurückhaltend wirken. Auf die Idee in Brünen diese kleinen Gedenkstätten einzurichten, kam Johann Krieg im Gespräch mit Günter Heiligenpahl, der seit Ende der 70er Jahre über die Juden in Brünen forschte. Die Verlegung der Stolpersteine ist für ihn ein guter Abschluss.

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