Bauprojekt

Täglich neue Überraschungen im Weseler Stadthafen

Als „Jahrhundertbauwerk“ wird die rund zehn Millionen teure Hafen-Baustelle bezeichnet. Hier ist die weitgehend fertige Spundwand zu sehen

Als „Jahrhundertbauwerk“ wird die rund zehn Millionen teure Hafen-Baustelle bezeichnet. Hier ist die weitgehend fertige Spundwand zu sehen

Foto: WAZ FotoPool

Wesel.   Der Stadthafen in Wesel wird derzeit mit einer neuen Kaimauer und einem Eisenbahnanschluss ausgestattet und später an Deltaport übergeben. Es ist der größte Kraftakt, den die Weseler Stadtwerke je vollbracht haben. Ein Besuch auf der Großbaustelle.

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Der Rhein ist nicht das Meer. Wie schön wäre jetzt eine wenigstens etwas steife Brise für die 40 Männer, die bei diesem Hochsommer-Wetter im Hafen Knochenarbeit verrichten. Da sieht es wahlweise aus wie auf einem Ausgrabungsfeld oder wie beim Eisenbahnbau der amerikanischen Pioniere. Wann Wesels neuer Stadthafen fertig sein wird, ist schwer zu sagen. Täglich gibt es hier neue Überraschungen.

Es ist der größte Kraftakt, den die Weseler Stadtwerke je vollbracht haben. Nachdem frühere Träume vom Wohnen und Werken am Rhein ausgeträumt waren und die Funktion des Hafens als Nutzhafen im Häfen-Verbund Deltaport festgezurrt ist, haben die Stadtwerke als bisheriger Betreiber den städtischen Hafen mit neuer Kaimauer und aktiviertem Eisenbahnanschluss an Deltaport zu übergeben. Danach verabschieden sie sich von hier. Aber eben nicht, bevor dieses gut zehn Millionen Euro teure „Jahrhundertbauwerk“ fertig gestellt ist, wie Stadtwerke-Chef Franz Michelbrink es nennt.

Bei laufendem Hafenbetrieb

Von der neuen Rheinbrücke aus sieht man kaum mehr als eine rostige Blechwand. Da ahnt man nicht, dass auf 700 Metern Spundbohle um Spundbohle in den Boden gerüttelt wurde, dass dabei immer wieder das nach dem Krieg hier abgekippte Trümmermaterial nachrutschte und für Probleme sorgte; dass die neue Wand mit 310 bis zu 40 Meter langen, ins Erdreich ragenden Ankern gesichert wurde oder noch wird; dass die Lücke zwischen alter und neuer Spundwand schon weitgehend verfüllt wurde und dass nun die mächtigen Betonfundamente der ausrangierten Kräne mühsam abgetragen werden müssen. Ganz zu schweigen von der aufwändigen Suche nach Kriegsbomben bevor alles los ging.

Anlass zum Fluchen gibt es mehr als genug angesichts dieser nicht exakt planbaren Ackerei – zumal sie bei laufendem Hafenbetrieb durchgeführt wird und entsprechend einzuschränken oder zu unterbrechen ist. Dennoch geht es sichtbar voran. Die ersten von sieben Metalltreppen werden installiert, über die die Schiffer an der Spundwand hochklettern können. Die Verlegung der 1800 Meter Gleise kommt voran. Zu zweit parallel verlaufend, haben sie ebenso wie die Spundwand etwas Ordnendes.

Einer der die Kräne ersetzenden neuen Bagger ist schon da, der Bau für die Salzverladestelle wächst. Zwei Schüttgruben entstehen noch, die neue Uferstraße, ein Auto-Abstellplatz für die Schiffer und ein unterirdisches Sammelbecken für Regenwasser. Auf die Kaimauer kommt schließlich der Deckel drauf, die Abdeckung. Und 20 Poller zum Festmachen der Schiffe, die dann reichlich anlegen sollen.

Irgendwann wird’s schon fertig werden, und dann könnte ein Hafenfest steigen – mit Shanty-Chor und Akkordeon und vielleicht ein paar Möwen. Die jetzt hier schwitzenden Arbeiter um Polier Wolfgang Berg von der Firma Maas, die Männer von Hülskens, die einen Teil der Hafenwand bauen, werden dann drei Kreuze machen. Diplom-Ingenieur Ulf Heinrich, den die Stadtwerke unter anderem deshalb zum Baubeauftragten gemacht haben, verliert seinen Humor nicht: „Dann sollten wir eine Woche wegfahren, uns gegenseitig die Schuld für die Probleme zuschieben und uns richtig besaufen.“

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