Literatur

Thorsten Albustin: Die Furcht vor dem Flatterball

„Angststörung“ hieß die Lesung von Thorsten Albustin im katholischen Pfarrheim, wo er aus seinem Buch vorlas.

Foto: Markus Joosten

„Angststörung“ hieß die Lesung von Thorsten Albustin im katholischen Pfarrheim, wo er aus seinem Buch vorlas. Foto: Markus Joosten

Hamminkeln.   Heute ist Thorsten Albustin Fußballtrainer in Hamminkeln, über seine Angst- und Panikattacken in seiner Fußballzeit hat er ein Buch geschrieben.

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Fußball-Fans ist Thorsten Albustin (44) ein Begriff. Der Dinslakener war Torwart beim MSV Duisburg, bei Borussia Mönchengladbach und beim 1. FC Bocholt. Und als Trainer hatte er, bevor er zum SV Hamminkeln kam, unter anderem die Torleute von Schalke 04 unter seinen Fittichen. Das klingt toll, doch Albustin hat nicht nur rosige Zeiten erlebt. Davon hat er auf Einladung der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen am Montagabend berichtet. Thorsten Albustin litt über Jahre unter Angst- und Panikattacken.

„Leben zwischen Fußball und Wahnsinn. Die Angst besiegen“, heißt das Buch, das er darüber geschrieben hat, und aus dem er einige Schlüsselkapitel vorlas.

Die erste Angstattacke kam mit Mitte 20

Besonders unter die Haut ging seine Beschreibung der ersten nächtlichen Angstattacke. Da war er 26 Jahre alt. Schweißausbrüche, Unruhe, Herzrasen, das Gefühl, in seinen Adern bewegten sich tausende Wespen ließen ihn zunächst an einen Herzinfarkt glauben. Es war ihm anzumerken, dass es ihn immer noch berührt, wenn er daran zurückdenkt. Vorausgegangen war ein Torwartfehler bei einem Flatterball. Über Jahre sollte er, ehrgeiziger Perfektionist, der er damals war, in der panischen Angst leben, dass ein solcher Ball ihn noch einmal alt aussehen lassen könnte. Und sich und die Familie nicht zu blamieren, das hatte ihm schon seine Mutter beigebracht.

Die Attacken kamen wieder, wurden häufiger. Irgendwann begann er, die Angst mit Alkohol zu bekämpfen. Als er bei einem Spiel für den FC Bocholt auf dem Spielfeld fast zusammenbrach, zog er die Reißleine. Er begab sich in Therapie. Sehr lebhaft schilderte er, wie er sich förmlich selbst an den Haaren aus der Krankheit zog. Indem er sich beispielsweise einer Art Anti-Angst-Training unterzog, Aufzug fuhr oder sich auf eine Brücke stellte und runterschaute. Jahrelang hatte er das nicht gekonnt.

Psychische Krankheiten sind oft ein Tabu

Albustin hat sein Buch nicht zuletzt deshalb geschrieben, weil er zu einer Enttabuisierung psychischer Krankheiten beitragen möchte, und so war er auch gern Sandra Tinnefelds Einladung vom Paritätischen gefolgt, über seine Erfahrungen zu sprechen. Ihm hatten damals Menschen gefehlt, die ihm einfach nur zuhörten und ihm nicht mit Ratschlägen kamen.

So manch einem der über 30 Zuhörer sprach Albustin aus der Seele, das zeigte die lebhafte Debatte, die von großer Offenheit aller Beteiligten geprägt war. Sandra Tinnefeld nutzte die Gelegenheit, auf die Selbsthilfegruppen des Paritätischen hinzuweisen, die nicht nur Menschen mit psychischen Erkrankungen offenstehen, sondern auch deren Angehörigen, die oft mit der Situation überfordert sind.

Albustin jedenfalls sieht im Nachhinein seine Krise als Gewinn, da sie ihm half, seinen „krankhaften Ehrgeiz“ zu überwinden. Sie habe ihn auch erst zur Empathie befähigt. Die hilft ihm heute, die Jungs, die er beim SV Hamminkeln trainiert, besser zu verstehen. Und zum Schreiben hat sie ihn gebracht. Gerade hat er bei Amazon einen Roman als eBook eingestellt, gesteht er etwas verschämt. Einen Thriller, „Fataler Reset“ lautet der Titel. Dass er sich auf „Reset“ versteht, hat Thorsten Albustin eindrucksvoll erläutert..

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