Kriegswirren

Vermeintlich toter Soldat kehrte 1917 nach Wesel zurück

Gisela Beykirch mit dem Führerschein ihres Großonkels Adolf Badewitz und der falschen Bescheinigung, dass er am 13. 8. 1917 gefallen sei.

Foto: Markus Joosten

Gisela Beykirch mit dem Führerschein ihres Großonkels Adolf Badewitz und der falschen Bescheinigung, dass er am 13. 8. 1917 gefallen sei. Foto: Markus Joosten

Wesel.   Vor 100 Jahren klingelte der Großonkel von Gisela Beykirch an der Haustür seiner Frau. Ihr hatte das Militär den Tod des Weselers mitgeteilt.

Gisela Beykirch hat in einer alten blauen Keksdose einige uralte Dokumente aufbewahrt, die sie von ihren Vorfahren geerbt hat. Darunter sind auch ein Brief und eine Bescheinigung aus dem Jahr 1917, wie sie in dieser Zeit des Ersten Weltkrieges verfasst wurden.

Es sind amtliche Dokumente über ihren Großonkel Adolf Badewitz, der als Soldat im Ersten Weltkrieg an der Front kämpfte und am 18. August 1917 für tot erklärt wurde.

Annähernd 70 Millionen Menschen standen damals unter Waffen – etwa 17 Millionen verloren zwischen 1914 und 1918 ihr Leben. Alle Familien hofften, nie solch eine schreckliche Mitteilung zu erhalten, wie Christine Badewitz, die damals in der Baustraße 33 in Wesel wohnte, sie Ende August 1918 erhielt.

„Den Heldentod fürs Vaterland gestorben“

„Leider muß Ihnen die Kompanie die traurige Mitteilung machen, daß Ihr Mann, der Reservist Adolf Badewitz, am 13. 8.1917 nachts gegen 12 Uhr durch Artilleriegeschoß den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist“, musste die Großtante von Gisela Beykirch in dem von einem „Leutnant Schulze“ unterzeichneten Schreiben lesen.

Weiter hieß es in dem Brief mit dem Absender „4. Magdeburger Infanterie-Regiment Nr. 67 – 1. Kompanie“ wörtlich: „Der Beerdigungsort wird Ihnen noch mitgeteilt. Die Kompanie bedauert sehr den Verlust diesen braven und tüchtigen Kameraden und sendet Ihnen herzlichste Teilnahme.“

Dazu gab es noch eine amtliche Bescheinigung, dass dem „gefallene Reservist Adolf Badewitz“ die „Löhnung“ von monatlich 15,90 Mark bis einschließlich 20. August 1917 gezahlt worden sei.

Soweit, so traurig.

„Doch dann passierte das Unglaubliche“, berichtet seine Großnichte Gisela Beykirch heute und kann ihre Ergriffenheit nicht verbergen: „Vier Wochen später stand der für tot Erklärte plötzlich vor seiner Haustür in Wesel und klingelte. Seine Frau Christine öffnete und traute ihren Augen nicht.“

Unglaubliche Dinge passieren in Kriegszeiten

Sie war gar keine Witwe, wie sie annehmen musste – es hatte in den Kriegswirren offenbar eine fatale Verwechslung gegeben. Diese Geschichte erzählte der für tot erklärte seinen Nachkommen immer wieder, so auch seiner Großnichte. Es ist jetzt fast genau 100 Jahre her, dass dies so passiert sein muss.

„In den Medien wird soviel über Kriege berichtet, da sollte man auch mal daran erinnern, was es für unglaubliche Dinge in Kriegszeiten gab – auch hier bei uns und in meiner Familie“, sagt die Weselerin.

Dann faltet sie die fehlerhaften Dokumente wieder sorgfältig und legt sie – zusammen mit dem Führerschein ihres Großonkels – zurück in die blaue Keksdose.

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