Stellenabbau

Werksschließung: IG Metall fordert mehr Zeit für Borgers

Gewerkschafter sprachen mit Arbeitsminister Laumann über die angekündigte Schließung des Borgers-Werkes in Dingden.

Gewerkschafter sprachen mit Arbeitsminister Laumann über die angekündigte Schließung des Borgers-Werkes in Dingden.

Foto: pr

Hamminkeln/Bocholt/Düsseldorf.   Mit NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann sprachen die Gewerkschafter über Zukunftsperspektiven. Arbeitgeber sollen „Blockadehaltung“ aufgeben.

NRW-Arbeitsminister hat Wort gehalten: Karl-Josef Laumann hatte beim Arbeitnehmerempfang der IG Metall Bocholt vor knapp zwei Wochen Vertreter der Gewerkschaft nach Düsseldorf eingeladen, um mit ihnen über den geplanten Stellenabbau bei Borgers und der Schließung des Dingdener Werkes zu reden. „Der Minister hat sich viel Zeit für uns genommen und uns über eineinhalb Stunden zugehört, wie unsere Ideen für die Zukunft von Borgers aussehen“, berichtete gestern der Erste Bevollmächtigte Pietro Bazzoli im Rahmen einer Pressekonferenz. Ein Kernpunkt: Die Arbeitnehmerseite fordert die Borgers-Geschäftsleitung auf, sich bei der geplanten Restrukturierung mehr Zeit zu nehmen.

Wie mehrfach berichtet, hat die Unternehmensführung des Automobilzulieferers angekündigt, aufgrund massiver finanzieller Probleme das Werk in Dingden, in dem 350 Beschäftigte arbeiten, im Sommer nächsten Jahres zu schließen. Außerdem sollen weitere 70 Mitarbeiter am Standort in Bocholt ihren Job verlieren. Betroffen von diesen Schritten seien aber auch die rund 600 Mitarbeiter der Bocholter Firma Olbrich, die zur Borgers-Gruppe gehört, berichtete Bazzoli gestern.

Krise bei Borgers durch Fehler entstanden

Bei einem möglichen Sanierungstarifvertrag sollen auch sie sowohl auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld als auch auf kommende Tariferhöhungen verzichten. Im Gegenzug bräuchten die Beschäftigten dann aber eine Sicherheit für ihren Arbeitsplatz und Zukunftsperspektiven.

Für die Krise bei Borgers machte der Bocholter IG-Metall-Chef das Management des Unternehmens verantwortlich. Die Pläne, international zu wachsen, seien schiefgelaufen und nicht rechtzeitig korrigiert worden. „Die Verluste sind international entstanden, sie sollen aber national ausgeglichen werden“, kritisierte Bazzoli. Die Geschäftsführung wolle nun Millionen in diese internationalen Standorte investieren, auf der anderen Seite aber hier Stellen abbauen und die Mitarbeiter sollen zudem noch Gehaltskürzungen hinnehmen.

Über innovative Produkte nachdenken

Der Gewerkschafter forderte die Arbeitnehmerseite auf, „ihre Blockadehaltung aufzugeben“ und endlich über Alternativen zur Werksschließung in Dingden nachzudenken. Dabei könne der Faktor Zeit eine große Rolle spielen. Nach seiner Ansicht sei die überstürzte Verlagerung der Produktionsanlagen von Dingden nach Borgers-Süd beziehungsweise nach Polen und Tschechien innerhalb eines Jahres mit hohen unternehmerischen Risiken verbunden. Sinnvoller sei es, diese Verlagerung in Abschnitten zu machen und erst einmal abzuwarten, welche Auswirkungen das habe.

Bei einer Werksschließung erst in 36 Monaten bliebe auch Zeit, sich um innovative Produkte, zum Beispiel für Elektroautos zu kümmern. Das wiederum könnte Arbeitsplätze sichern.

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