Neue Broschüre

Wesel: Nur wenige Straßennamen erinnern an bekannte Frauen

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und die Gleichstellungsbeauftragte Regina Lenneps zeigen eine Broschüre zu den Straße, für nach bekannten Frauen benannt sind.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und die Gleichstellungsbeauftragte Regina Lenneps zeigen eine Broschüre zu den Straße, für nach bekannten Frauen benannt sind.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Wesel.  Nur 33 Straßen in Wesel sind bisher nach Frauen benannt. Eine neue Broschüre erzählt ihre Lebensläufe – zum Beispiel den von Ida Noddack.

In Wesel gibt es 735 Straßen, davon sind 183 nach Personen benannt, die – es überrascht kaum – größtenteils Männer sind. Nur 33 Straßen sind oder werden bald nach Frauen benannt. Doch es sollen in Zukunft weitere hinzukommen, versichert Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, der das Thema am Herzen liegt. Dass Wesel durchaus würdige weibliche Namenspatinnen zu bieten hat, zeigt eine neue Broschüre der Stadt, in der die Biografien der bereits mit einer Straßenbenennung gewürdigten Frauen dargestellt werden.

Nicht alle 33 Straßen sind nach historischen Persönlichkeiten benannt, einige heißen schlicht Annaweg oder Giselastraße. Und einige Straßen sind nach bekannten Frauen benannt, die keine Verbindung zu Wesel hatten. Beispielsweise die Mütter des Grundgesetzes Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel.

Augustastraße erinnert an Deutsche Kaiserin

Oder die Deutsche Kaiserin Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach, von der die Augustastraße ihren Namen hat. Ihre Lebensläufe werden ebenfalls in der von der Gleichstellungsbeauftragten Regina Lenneps und Praktikantin Christina Gabriel recherchierten Broschüre nachgezeichnet.

Aber es gibt auch die Frauen aus Wesel, auf die die Stadt besonders stolz ist: Allen voran Ida Noddack, geboren 1912 als Tochter des Lackfabrikanten Albert Tacke in Lackhausen. Als eine der ersten Frauen in Deutschland studierte sie Chemie und promovierte, wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann zehnmal für einen Nobelpreis vorgeschlagen, den sie leider nie erhielt. Dennoch gehörte sie zu den Besten ihres Fachs. Nach ihr wurde nicht nur eine Straße in Lackhausen, sondern auch die neue Gesamtschule der Stadt benannt.

Künstlerin Ingeborg ten Haeff zog es nach New York

Eine der berühmten Frauen mit Bezug zu Wesel hat Ulrike Westkamp sogar persönlich kennengelernt. Die Künstlerin Ingeborg ten Haeff lebte von 1917 bis 1928 in Wesel, bevor sie sich in New York einen Namen machte. 2006 hat die Künstlerin ihre Werke in Wesel ausgestellt. „Eine beeindruckende Persönlichkeit“ erinnert sich Westkamp. Ihr wird eine Straße im Neubaugebiet Hessenweg gewidmet.

Natürlich darf in der Broschüre auch die Malerin Erna Suhrborg nicht fehlen, nach der eine Straße in Fusternberg und ein Kunst-Förderpreis benannt ist, ebensowenig wie die Fotografin Hilde Löhr, die Künstlerin Eva Brinkmann oder die Leiterin des früheren Mädchengymnasiums, Elsbeth Eich.

Weitere Straßen in Wesel sollen nach Frauen benannt werden

Dass es noch einigen Nachholbedarf bei der Würdigung von weiblichen Persönlichkeiten gibt, steht allerdings außer Frage. Im Jahr 2000 beschloss der Stadtrat, Straßen verstärkt nach Frauen zu benennen. Mit zunächst bescheidenem Erfolg: Seitdem hat der Rat zwölf weibliche Straßennamen beschlossen, davon acht in den vergangenen zwei Jahren.

„Wir arbeiten weiter an dem Thema“, verspricht Ulrike Westkamp. Kandidatinnen gibt es noch – zu ihnen könnte etwa die Kauffrau und Gründerin des Städtischen Musikvereins Margarete Brandenstein-Zaudy gehören, deren Geschäftshaus im Bauhaus-Stil an der Brückstraße einst Aufsehen in der Stadt erregte. „Das Heft soll im Laufe der Jahre noch dicker werden“, wünscht sich die Rathauschefin.

Hier gibt’s die Broschüre kostenlos

Die Broschüre „WEGgefährtinnen der Stadt Wesel“ der Gleichstellungsstelle ist in einer ersten Auflage von 1500 Exemplaren erschienen.

Sie kann kostenlos in der Stadtinformation, Großer Markt 11, oder im Rathaus im Büro der Gleichstellungsbeauftragten, Zimmer 116, abgeholt werden.

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