Schulpolitik

Wesel will schon 2019 weitere Gesamtschule gründen

Mit Plakaten demonstrierten Eltern und Schüler von Gesamtschule und Realschule gegen die Aufnahme weiterer Kinder.

Foto: Erwin Pottgiesser

Mit Plakaten demonstrierten Eltern und Schüler von Gesamtschule und Realschule gegen die Aufnahme weiterer Kinder. Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Nach langer Diskussion entschied eine knappe Mehrheit für den Antrag. Realschule soll die an der Gesamtschule abgelehnten Kinder aufnehmen.

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Der Ratsaal platzte aus allen Nähten: So viele Lehrer, Schüler und Eltern waren gekommen, einige hielten Plakate in die Höhe. „Wir sind eine Realschule und kein Auffangbecken“ war darauf zu lesen, aber auch: „8 Züge - mehr geht nicht“. In der Frage, an welcher Schule eine Überhangklasse für die 23 an der Gesamtschule abgelehnten Kinder eingerichtet werden soll, setzte sich der Antrag von SPD, Grünen und Linken nach einer gut zweistündigen, kontroversen Diskussion wie erwartet durch. Mit einer Stimme Mehrheit wurde gegen CDU und FDP beschlossen, dass die Realschule die Kinder aufnehmen soll. Außerdem erhält die Verwaltung den Auftrag, die Voraussetzungen für die Gründung einer zweiten Gesamtschule zu schaffen – der Beschluss hierzu soll in einer Sondersitzung im November gefällt werden.

Schuldezernent Rainer Benien stellte anfangs noch einmal die Situation dar: 89 Kinder waren an der Konrad-Duden-Realschule angemeldet worden, 243 an der Gesamtschule. 23 von ihnen mussten abgelehnt werden. Von der Möglichkeit, ihre Kinder an der Hamminkelner Gesamtschule anzumelden, machten nur drei Familien Gebrauch. Intensiv habe die Stadt mit der Bezirksregierung nach einer Lösung gesucht. Die Behörde hat schließlich als einmalige Ausnahme eine neunte Eingangsklasse an der Gesamtschule favorisiert, weil die Kinder dort besser gefördert werden können.

SPD sieht Zeitdruck

Gleichzeitig mahnte sie an, rasch organisatorische Maßnahmen zu treffen: Die Gründung einer zweiten Gesamtschule. In dieser Woche, berichtete Benien weiter, sei auch die Genehmigung eingetroffen, an der Realschule ab Klasse 7 einen Hauptschul-Bildungsgang einrichten zu können – befristet auf zwei Jahre. Für Kinder, die im Sommer in der Realschule eingeschult werden, gilt diese Genehmigung aber nicht. Vorher müsste eine Verlängerung beantragt werden. Allerdings hat die Bezirksregierung die Befristung bewusst gewählt, um schnellstmöglich auf die Schulneugründung hinzuwirken.

Sowohl Dirk Timmermann von der Gesamtschule als auch Ina Gaastra von der Realschule stellten ihre Positionen dar: „Machen Sie unser System nicht kaputt“ appellierte Timmermann mit Blick auf die ohnehin hohen Belastungen an einer Schule an die Politik, während Ina Gaastra davor warnte, dass Kinder mit Hauptschulempfehlung die Anforderungen der Realschule nicht erfüllen können: „Es ist zwingend erforderlich, dass sie an der Gesamtschule unterrichtet werden“.

CDU warnt vor Schnellschuss

Ludger Hovest (SPD) sieht die Grenzen an der achtzügigen Schule jedoch erreicht und fordert einen schnellen Entschluss für eine zweite Gesamtschule, „sonst stehen wir im nächsten Jahr wieder hier und reden über 40, 50 Kinder“. Marlies Hillefeld (Grüne) betonte, auch die Realschule sei auf individuelle Förderung eingerichtet. Ähnlich argumentierte Günther Wagner (Linke), der aber einräumte, beide Varianten für die Überhangklasse seien keine guten Lösungen.

CDU und FDP stemmten sich gegen den Antrag von SPD, Linken und Grünen. Sie halten eine begabungsgerechte Förderung nur an der Gesamtschule für möglich, warnten mit Blick auf die geplante Schulneugründung vor einem Schnellschuss, forderten eine Elternbefragung und genauere Zahlen und Fakten. Daniela Staude bezweifelte, dass die neue Gesamtschule schon 2019 an den Start gehen kann. „Wir haben die Zeit nicht, wir müssen jetzt handeln“ konterte Hilmar Schulz. Mit dem Beschluss haben die drei Fraktionen die Weichen jetzt gestellt.

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