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Weseler leben auf dem Mars? Aber natürlich!

Stadtarchivar  Dr. Martin Roelen weiß, warum manche Straßen in Wesel kuriose Namen haben.

Foto: Markus Joosten

Stadtarchivar Dr. Martin Roelen weiß, warum manche Straßen in Wesel kuriose Namen haben. Foto: Markus Joosten

Wesel.   Jupiterstraße oder Saturnweg: Dass manche Wege nach Himmelskörpern benannt sind, hat diverse Gründe. Eine hat mit Napoleons Untergang zu tun.

Für die Bürger in der Stadt wurde es in der Nachkriegszeit einfach zu eng in der Hansestadt an Rhein und Lippe. „Weil das Angebot an Grundstücken und Wohnflächen rar wurde, zogen die Preise kräftig an“, weiß Stadtarchivar Martin Roelen zu berichten. In Folge des Preisanstiegs zogen die Leute nach Flüren, weil das Land dort sehr günstig war. „Flüren war ein Schlafdorf“, erzählt Roelen: Leben und arbeiten in Wesel - schlafen in der Bauerschaft. Daher benötigte die Gemeinde Namen für die Straßen, an denen immer neue Häuser entstanden. Planeten waren da eine einfache und eher ungewöhnliche Lösung. Heute bilden die Jupiterstraße, der Saturnweg, die Venus- und Marsstraße, Stern-, Sonnen- und die Lunastraße das Planetenviertel.

„Auf dem Mars“ in Bislich wiederum deutet auf die ehemalige dortgelegene Bauerschaft Mars hin. Eine Bauerschaft ist eine Siedlung, die sich aus einigen wenigen Bauernhöfen bildet. Bislich war als sogenanntes Kirchspiel die Gemeinde mehrerer Bauerschaften.

Am halben Mond hat Napoleon Geschichte geschrieben

In genau entgegengesetzter Richtung der Bauerschaft Mars liegt die Straße Am halben Mond. „Der Halbmond war damals eine Befestigungsanlage zum Schutz einer breiten Flanke“, klärt Stadtarchivar Dr. Martin Roelen auf. In Form eines Halbkreises sollten die Soldaten in der Festung die Stadt vor feindlichen Angriffen schützen und lange hatten die Festungen auch eine Funktion.

Zur Zeit Napoleon Bonapartes diente die Festung in Wesel dem Franzosen als Garnisonsunterkunft. „Damit eine Festung wie die in Wesel funktionierte, mussten 10 000 Soldaten dort stationiert sein“, schätzt Roelen. Also wurden entsprechend viele französische Soldaten in Wesel einquartiert. Diese Idee erwies sich für den Feldherrn aber als Tragödie: Als Kaiser Napoleon im Krieg gegen Preußen und Russland die linksrheinische Seite halten wollte, hatte er auf einmal zu wenig Männer. Die Preußen und Russen versperrten den Soldaten im Halbmond mit nur 1000 Männern den Weg. Die Franzosen waren Gefangene in der Festung. Marshall Blücher konnte die preußischen Truppen in der Neujahrsnacht nach Waterloo führen und Napoleon verlor den Krieg.

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